Hacker und Sicherheitslücke: Hochschule Reutlingen reagiert auf Cyberangriff – Stadt-Webseiten offline

Die Reutlinger Hochschule steigt nach dem Cyberangriff teilweise auf Papier um.
Sebastian Gollnow/dpa (Symbolfoto)- Hochschule Reutlingen arbeitet nach Cyberangriff mit Notlösungen, Lehrbetrieb läuft weiter.
- HISinOne ist nicht erreichbar, Verbindungen zum HSZ-BW sind gekappt.
- Vorlesungspläne gibt es über „Relax“ oder als Ausdruck – Bescheinigungen per Hand.
- Bafög-Hilfe: Erstsemester mit Zulassung erhalten Vorschuss für vier Monate.
- Stadt-Webseiten offline wegen PHP-Lücke, Update laut BSI am Nachmittag geschlossen.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Vorlesungspläne auf Papier, Bescheinigungen in Handarbeit: Der Cyberangriff auf das Hochschulservicezentrum Baden-Württemberg (HSZ-BW) zwingt die Hochschule Reutlingen zu Notlösungen. Die Verbindungen zwischen dem Dienstleister und den von ihm betreuten Hochschulen sind gekappt. Auch das Campusmanagementsystem HISinOne ist deshalb nicht erreichbar. Wann sich das ändert, ist offen.
Der Lehrbetrieb laufe regulär weiter, teilt Hochschulsprecherin Daniela Goller mit. Wer seinen elektronischen Vorlesungsplan nicht abrufen kann, findet ihn über die Plattform „Relax“ oder als ausgedruckte Version. Absolventinnen und Absolventen müssen nicht warten: Ihre Urkunden und Zeugnisse waren bereits vorbereitet. Schwieriger ist es hingegen bei einzelnen Bescheinigungen wie Notenübersichten oder Studiennachweisen. Hier greift die Hochschule auf „manuelle Lösungen“ zurück.
Vorschuss für Erstsemester
Gerade beim Bafög können fehlende Nachweise zum Problem werden. Die Hochschule hat sich deshalb mit dem Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim abgestimmt. Wer die Voraussetzungen erfüllt, bekommt bis zur Vorlage aller Nachweise einen Vorschuss für vier Monate. Das gilt insbesondere für Erstsemester mit Zulassungsbescheid. Erst danach wird der Antrag abschließend bearbeitet und die endgültige Förderhöhe berechnet. In der Verwaltung kommt die Hochschule Reutlingen bislang glimpflich davon. Die Zahlungsfähigkeit sei gesichert, Rechnungen, Stipendien und Lehraufträge könnten abgewickelt werden, so Goller. Auch die laufenden Gehälter werden ausgezahlt, Bewerbungsverfahren liefen, Arbeitsverträge wurden ausgestellt, heißt es weiter. Nur für Neueinstellungen und Änderungen bestehender Arbeitsverhältnisse würden noch Lösungen abgestimmt.
An anderen Einrichtungen ist die Lage offenbar ernster. Der Sprecher des HSZ-BW hatte der Deutschen Presse-Agentur gesagt, Noten- und Bewerbungssysteme sowie Raum- und Stundenpläne seien offline, auch Lehrkräfte könnten nicht bezahlt werden. Für die Hochschulen sei die Situation „verheerend“. Wie stark eine Einrichtung betroffen ist, hängt nach seinen Angaben davon ab, welche Leistungen sie beim HSZ-BW bezieht. Betroffen sind Hochschulen, Kunst- und Musikhochschulen sowie einige Landeseinrichtungen.
Die IT-Abteilung des HSZ-BW hatte den Angriff am Mittwoch, 7. Oktober, bemerkt und Gegenmaßnahmen eingeleitet. Ein Krisenstab wurde eingerichtet. Nach Angaben des HSZ verschafften sich die Angreifer Zugriff und installierten Schadsoftware. Wer dahintersteckt und wie die Täter in die Systeme gelangten, ist unklar. Ob es eine Lösegeldforderung gab, ließ das HSZ bislang offen. Die Ermittlungen führt das Polizeipräsidium Reutlingen gemeinsam mit der Abteilung Cybercrime der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe.
Die Hochschule Reutlingen hat ihre eigenen IT-Systeme nach eigenen Angaben umfassend überprüft. Hinweise auf einen Sicherheitsvorfall gebe es dort bislang nicht, die Infrastruktur werde weiter engmaschig überwacht, so Goller.
Zweiter Alarm am 21. Oktober: Stadt-Webseiten offline
Unabhängig vom Angriff auf das HSZ-BW sorgte am Mittwoch eine neu entdeckte, weltweite Sicherheitslücke für Unruhe. Sie steckte in der Programmiersprache PHP, auf der ein großer Teil aller Internetseiten beruht. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnte davor.
Zahlreiche Einrichtungen im Land nahmen ihre Webseiten deshalb vorsorglich vom Netz: Darunter waren neben der Landesregierung, mehreren Unikliniken und Universitäten auch die Stadt Reutlingen. „Die Sicherheit Ihrer Daten hat für uns höchste Priorität. Aufgrund notwendiger Sicherheitsupdates ist unsere Website vorübergehend nicht erreichbar“, heißt es dort am Donnerstagvormittag (Stand 22. Oktober, 11.30 Uhr). Auch die beiden Nachbarkommunen Pfullingen und Eningen weisen auf ihren städtischen Homepages darauf hin, dass Online-Dienste und Formulare aufgrund der Sicherheitslücke vorübergehend nicht erreichbar sind.
Nach Angaben des BSI wurde die Lücke noch am Nachmittag mit einem Update geschlossen, seitdem gehen die Seiten Schritt für Schritt wieder online. Das Innenministerium betonte, die Abschaltung sei keine Reaktion auf einen erfolgreichen Angriff gewesen, sondern eine reine Vorsichtsmaßnahme.
Wann die Systeme des HSZ-BW wieder laufen, kann derzeit hingegen niemand sagen. Die Verbindungen zur Hochschule sollen erst schrittweise wiederhergestellt werden, wenn sicher ist, dass von der Infrastruktur des HSZ-BW keine Gefahr mehr ausgeht.
Was Studierende jetzt wissen müssen
Vorlesungen finden an der Hochschule Reutlingen regulär statt. Elektronische Vorlesungspläne gibt es über die Plattform „Relax“ oder ausgedruckt. Notenübersichten und Studiennachweise werden derzeit von Hand ausgestellt, das kann dauern. Erstsemester mit Zulassungsbescheid können beim Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim einen Bafög-Vorschuss für vier Monate bekommen, bis alle Nachweise vorliegen. Abschlusszeugnisse sind von dem Ausfall nicht betroffen.
