Mehrwert-Tour im Doppelpack: Schloss Lichtenstein glänzt im Laternenschein

Im Schein der Laternen entfalten die Räume von Schloss Lichtenstein eine ganz besondere Atmosphäre: Am Mittwoch und Donnerstag durften 20 Gewinnerinnen und Gewinner bei der Mehrwert-Tour der SÜDWEST PRESSE eine spezielle Führung mitmachen.
Thomas Kiehl- Schloss Lichtenstein bietet abends mystische Laternenführungen durch private Gemächer.
- 20 Leser*innen der SÜDWEST PRESSE gewannen exklusive Touren mit historischen Einblicken.
- Graf Wilhelm sammelte Waffen, Rüstungen und Kunstschätze von unschätzbarem Wert.
- Ein 1,93 Meter großes Trinkglas fasst drei Flaschen Champagner – ein Highlight der Führung.
- Restaurierte Räume zeigen eindrucksvoll das Leben des Grafen und seine Vision für Denkmalschutz.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es ist eine seltsame Prozession von Personen, die sich mit Laternen in den Händen die geschwungene Holztreppe nach oben bewegen. Doch die Menschen, deren Schatten an der Wand mitwandern, gehören zu keinem Geheimbund, der eine Verschwörung plant. Sie sind Gewinner bei der Mehrwert-Tour der SÜDWEST PRESSE, die eine Laternenführung im Schloss Lichtenstein ergattert haben. Und sie kommen in einen ganz besonderen Genuss bei dieser Tour.
„Das ist eine aktive Führung, sie müssen was tun: leuchten!“, sagt Susanne Zimmerer und leitet eine von vier Gruppen, die am Mittwoch und Donnerstag das Schloss bei fast mystischem Licht besuchen dürfen. Gut, dass niemand aus Reutlingen dabei ist. Denn Zimmerer erzählt, dass die erste Burg aus dem 11. Jahrhundert zweimal von Reutlingern zerstört worden ist. „Die sind heute nicht besser als früher“, meint die Führerin, die freilich selbst in Reutlingen wohnt.
Bilder von unschätzbarem Wert
Mit die weiteste Anfahrt hatten Rudi und Elsbeth Gompper aus Winterlingen, die seit fast zwei Jahren die SÜDWEST PRESSE lesen. „Ich wollte schon ewig zum Lichtenstein, aber es hatte bisher nicht geklappt. Ich gewinne nie, aber diesmal war ich erfolgreich“, sagt Elsbeth Gompper.
Das Besondere an dieser Mehrwert-Tour: Die früheren Privaträume von Graf Wilhelm dürfen besichtigt werden. Er hat das Märchenschloss 1840 nach dem Roman von Wilhelm Hauff erbaut: die oberen Räume für seine Familie samt Diener, die unteren als Museum. Denn er und seine erste Frau Theodelinde von Leuchtenberg waren begeisterte Sammler. „Leuchten!“, fordert Zimmerer. Im Schein der Laterne erstrahlen die Heiligenscheine auf einem 600 Jahre alten Altarbild in der katholischen Kapelle, der goldene Bilderrahmen glänzt. „Die vielen Bilder sind von unschätzbarem Wert“, sagt die Führerin.
„Bei der Laternenführung sieht man zwar weniger als bei Tageslicht, aber dafür einiges viel intensiver“, erklärt Eberhard Etter. Er hatte vor zwei Jahren die Idee zu dieser Attraktion jeweils freitags in den Monaten November und Dezember. Etter ist seit 2010 Schlossverwalter, seither stiegen die jährlichen Besucherzahlen von 95.000 auf 166.000 in diesem Jahr.
Graf Wilhelm war in seiner militärischen Laufbahn erfolgreich, wurde Kommandant der Bundesfeste in Ulm. Auf Schloss Lichtenstein sammelte er auch Waffen und Ritterrüstungen, die nun den Schein der Laternen widerspiegeln. Der 1,93 Meter große Generalleutnant ließ für sich sogar zwei Ritterrüstungen passgenau anfertigen. In einer Zeit, als in denen schon längst nicht mehr gekämpft wurde.
War der Graf von Urach also ein Sonderling oder Spinner? „Nein!“, sagt Zimmerer entschieden. „Er war ein Visionär, der eine Vereinigung zur Erhaltung des Altertums gründete. Die kann als Vorläufer des Denkmalschutzes gesehen werden.“ In der Waffenkammer steht auch eine 500 Jahre alte Donnerbüchse, die zwei Mann bedienen mussten. Abgefeuert wurde das schwere Gewehr nur alle 20 Minuten, da der Lauf glühend heiß wurde.
Drei Flaschen Champagner passen in den Riesen-Kelch
Die Leserinnen und Leser der SÜDWEST PRESSE hören in der Trinkstube gebannt zu, wie die Führerin erklärt, dass für die Benutzung des 1,93 Meter langen Glases drei Mann nötig waren: einer, der trank, einer, der das Glas hielt – und einer, der den Trinker anschließend tragen musste. Schließlich passen in den Riesen-Kelch drei Flaschen Champagner! Immer wieder staunen die Gäste über die besondere Atmosphäre, die das Laternenlicht schafft: Im Gästezimmer spiegelt die Tapete mit üppigen Ornamenten aus Blattgold den Schein als magisches Licht zurück, Schalen und Kannen aus Keramik entfalten eine ganz besondere plastische Wirkung.
Die Privaträume waren lange nicht mehr betreten worden. Erst nachdem das Schloss viele Jahre bis 1999 umfassend restauriert worden war, wurden die Gemächer wieder geschätzt. „Die Restaurierung ist so gut gelungen, dass man meint, Graf Wilhelm wäre gerade mal eine Stunde weg“, sagt Zimmerer. Die Mundartdichterin führt seit 2006 hauptberuflich durch das Schloss. „Ich bin jedes Mal froh, dass ich hier arbeite.“
Ihre Tour kommt bestens an. „Die Führerin ist sehr kompetent. Es war schön, dass wir die Privatgemächer sehen konnten“, meint die langjährige SÜDWEST-PRESSE-Leserin Cornelia Löffler aus Tübingen. Sie hatte sich auf eine schöne Stunde gefreut – am Ende sind es fast anderthalb geworden. „Ich bin hellauf begeistert und würde hier am liebsten wohnen!“, sagt Elsbeth Gompper nach der Führung.








