Massenentlassung bei Cellforce
: Appell an Merz – „Wir dürfen nicht dieselben Fehler machen“

In einem gemeinsamen Schreiben fordern Reutlingens OB Thomas Keck, Bürgermeister Bernd Haug und IHK-Präsident Johannes Schwörer, den Hochtechnologie-Standort und die Arbeitsplätze bei der Porsche-Tochter zu erhalten.
Von
swp
Kirchentellinsfurt/Reutlingen
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Die geplante Produktionsstätte für Hochleistungsbatterien im Mahden soll 2024 starten.

Neubau der Cellforce Group in Kirchentellinsfurt/Reutlingen Porsche Mahde Industriegebiet

Im Industriegebiet Mahden fertigt das Porsche-Tochterunternehmen Cellforce Hochleistungsbatterien – doch nun sind die Arbeitsplätze in Gefahr.

Visualisierung: Cellforce Group (Archiv)
  • Porsche-Tochter Cellforce will Batterieproduktion in Kirchentellinsfurt größtenteils schließen.
  • 200 von 286 Stellen sollen gestrichen werden – regionale Wirtschaft schwer betroffen.
  • Politiker und IHK fordern staatliche Hilfen, um Arbeitsplätze und Technologie zu sichern.
  • Kritik an Porsche: Beschäftigte dürften nicht „wie Ballast“ behandelt werden.
  • IG Metall plant Kundgebung am 25. August vor dem Cellforce-Gebäude.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Nachricht der Massenentlassung bei der Porsche-Tochter Cellforce schockt die Wirtschaft. Der Sportwagenbauer will laut Bericht des „Spiegel“ seine Batterieproduktion in Kirchentellinsfurt weitgehend schließen und 200 der insgesamt 286 Mitarbeiter entlassen, so berichtet es das Nachrichtenmagazin. Nach mehreren Insolvenzen und Meldungen über den Abbau von Arbeitsplätzen, wie zuletzt 1100 bedrohten Stellen bei Bosch in Reutlingen und Kusterdingen, ist es die nächste gravierende Schwächung der lokalen Wirtschaft.

Die Zukunft des Batteriezellenherstellers Cellforce mit Standort in Reutlingen-Nord/ Kirchentellinsfurt ist ungewiss – daher wenden sich Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck, Kirchentellinsfurts Bürgermeister Bernd Haug und IHK-Präsident Johannes Schwörer in einem gemeinsamen Brief nach Berlin an die Bundesregierung um Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Sie fordern schnelle Hilfen, um Arbeitsplätze und technologisches Know-how in der Region zu sichern.

„Entwicklung und Produktion an China verloren“

„Die hochmoderne Entwicklungs- und Pilotproduktionsanlage von Cellforce im Interkommunalen Wirtschaftsgebiet Reutlingen-Nord/Kirchentellinsfurt gilt als technologisch führend in der Herstellung von Lithium-Ionen-Zellen. Ein Großteil der hochqualifizierten Belegschaft steht nun vor der Entlassung – der Wirtschaftsstandort Deutschland würde damit eine der letzten Batteriezellenfertigungen verlieren“, heißt es in diesem Schreiben.

Sie fordern staatliche Kredite oder Beteiligungskapital, um Cellforce zu erhalten, und warnen vor einem Abwandern der Schlüsseltechnologie ins Ausland. „Die gerade erst fertiggestellte Produktionsanlage ist ein Hightech-Highlight für den Standort und ganz Deutschland. Wenn wir sie verlieren, verlieren wir nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch unsere technologische Souveränität“, sagt Oberbürgermeister Thomas Keck. „Wir dürfen nicht dieselben Fehler machen wie bei der Solartechnologie, bei der wir die technologische Entwicklung und Produktion an China verloren haben. Porsche Cellforce entwickelt und baut nach eigenen Angaben weltweit die innovativsten Lithium-Ionen-Antriebe; diese Technologieführerschaft darf Deutschland doch auf keinen Fall aus der Hand geben.“

Wettbewerber unterstützen Batteriezellfertigung „massiv“

Kirchentellinsfurts Bürgermeister Haug ergänzt: „Unser Wirtschaftsstandort würde erheblichen Schaden nehmen. Die Transformation der Automobilindustrie muss gelingen. Dazu gehört die Batteriezellenfertigung.“ Auch IHK-Präsident Johannes Schwörer warnt: „Internationale Wettbewerber wie China und die USA unterstützen ihre Unternehmen massiv beim Ausbau der Batteriezellfertigung. Wir dürfen nicht ins Hintertreffen geraten und brauchen eine nationale Kraftanstrengung, um die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit als führender Industriestandort Europas nicht zu gefährden.“

Zu den im Brief geforderten Maßnahmen gehören der zügige Ausbau staatlicher Förderprogramme für Batterietechnologie und Zellproduktion, der Abbau regulatorischer Hürden bei Genehmigungen sowie eine gezielte Förderung von Forschung, Entwicklung und Fachkräfteausbildung.

Konzern dürfe Beschäftigte nicht „wie Ballast abwerfen“

In einem Statement äußert sich auch die hiesige SPD-Landtagskandidatin Ronja Nothofer-Hahn zur geplanten Schließung des Cellforce-Werks im Industriegebiet Reutlingen-Kirchentellinsfurt: „Die Entscheidung von Porsche zur Schließung von Cellforce ist ein herber Rückschlag und ein fatales Signal, nicht nur für die Beschäftigten, sondern auch für den Standort Baden-Württemberg. Die Landesregierung und der Bund müssen sich fragen, warum in Deutschland ausgerechnet Zukunftstechnologien im Bereich Elektromobilität scheitern, während der Weltmarkt in genau diese Richtung wächst.“

Von einem Konzern wie Porsche erwarte Nothofer-Hahn, „dass er seine Beschäftigten nicht wie Ballast abwirft. Sozialverträglichkeit muss der Maßstab für unternehmerisches Handeln sein, gerade wenn sich die Beschäftigten nun auf den Weg zu einer Betriebsratswahl gemacht haben. Verantwortung für Mitarbeitende endet nicht beim Quartalsgewinn.“

Kundgebung am Montag vor dem Cellforce-Gebäude

Auch die IG Metall Reutlingen-Tübingen habe nach „deutlichen Signalen aus dem Unternehmen, an den Kündigungen zum Zeitpunkt 25. August festhalten zu wollen“, an den Vorstand der Porsche AG geschrieben. Der Konzern solle von den betriebsbedingten Kündigungen vor Abschluss der Betriebsratswahlen Mitte September 2025 Abstand nehmen und „weitere unternehmerische Maßnahmen einem geordneten und im Konzern üblicherweise mitbestimmten Verfahren unterziehen“. Verbunden ist das Schreiben der Gewerkschaft mit der Aufforderung, zusammen mit dem künftigen Betriebsrat, mit der IG Metall, mit Politik und Wirtschaft nach Lösungen zu suchen.

Am kommenden Montag, 25. August, wird die IG Metall ab 9 Uhr eine Kundgebung vor Cellforce One abhalten. Es sprechen unter anderem Vertreter aus Stadt, Gemeinde, Politik und Gewerkschaft.