Lewin Ray Wester aus Eningen: Influencer Lewinray: „Viele glauben, ich würde nur Urlaub machen und den ganzen Tag chillen“

Lewin Ray Wester, in den Medien bekannt als „Lewinray“. Das Foto zeigt ihn bei einem Dreh in New York, wo er sieben Tage lang jeden Tag von 9 bis 9 gearbeitet hat.⇥
PrivatAchtzehn Uhr, Mittwochabend. Lewin schreibt, dass es bei ihm wohl etwas später werden wird. „Sitze noch in einem Call“, schreibt er. Lewin will anrufen, sobald er kann. Um 18.23 Uhr klingelt es schließlich. „Sorry, dass es jetzt später wurde. Aber worum es in dem Call ging, könnte für dich interessant sein.“
Lewin Ray Wester kommt aus Eningen, ist mittlerweile aber in der ganzen Welt zu Hause. Zwei Jahre hat er in Berlin gewohnt und zieht jetzt im März wieder weiter. Vergangene Woche hat er seinen Mietvertrag für eine Wohnung in Köln unterschrieben. Ein halbes Jahr lang hat Lewin jetzt wieder in Eningen gewohnt, hat alte Freunde getroffen, die Familie wiedergesehen und sich um seine Oma gekümmert. Der 21–Jährige spürt seine Wurzeln, wenn er hier ist, aber seine Clique, sein Produzent, die Arbeit, das alles liegt eigentlich in Köln.
„Leute glauben, ich würde nur Urlaub machen“
Um zu verstehen, womit Lewin eigentlich sein Geld verdient, muss man in erster Linie eines tun: die Sache ernst nehmen. „Viele Leute glauben, ich würde nur Urlaub machen und den ganzen Tag chillen“, sagt der 21–Jährige. Neulich erst war er sieben Tage lang in New York, Fotos davon lud er auf Instagram hoch.
Was nach außen wie eine Luxusreise an der Ostküste Amerikas wirkte, war in Wirklichkeit eine siebentägige Kraftanstrengung. „Wir sind jeden Tag um 9 Uhr aufgestanden und haben bis 9 Uhr abends gedreht“, erinnert sich Lewin. In sieben Tagen sind sieben Videos entstanden, obendrauf kamen 20 Kurzvideos. Darin spielt er Sketches, erzählt Geschichten aus seinem Leben, führt die Zuschauer durch seinen Alltag.
Ein Alltag, der einem strikten Zeitplan folgt. Lewin ist sein eigener Chef, wie alle Selbstständigen. Videos zu produzieren zahlt seine Miete. Es gibt Tage, an denen er keine Lust hat, sich zu richten, vor eine Kamera zu stehen und auf Teufel komm raus lustig zu sein. Aber er zieht durch. Wie alle Selbstständigen. Mit dem Unterschied, dass seine Arbeit oft nicht als Arbeit wahrgenommen wird. Eine Kamera aufzustellen, sich zu filmen und am Ende ein Video hochzuladen, das ein paar Minuten lang ist? „Viele sagen, dass das ja nicht schwierig ist, aber es steckt so viel mehr dahinter“, erzählt der junge Mann.
Er kommt nie wirklich zur Ruhe. Über den Tag hinweg denkt er sich in jeder freien Minute, was er als Nächstes produzieren könnte. Manchmal fällt ihm nachts um 3 Uhr ein Sketch ein, ist aber zu müde, um ihn gleich am Laptop auszuformulieren. „Dann nehme ich eine Sprachnotiz auf und stammle im Halbschlaf etwas in mein Handy“, erzählt Lewin lachend. Auch das gehört dazu, wenn man eine Person des öffentlichen Lebens wird, wenn die Followerzahlen ins Siebenstellige gehen und er nirgends mehr anonym unterwegs sein kann. „Meine Arbeit hört nie auf, mein Gehirn schläft quasi nie.“
Wer das hört, muss sich fragen: Steuert der 21–Jährige über kurz oder lang ins Burnout? „Davor gefeit ist man sicher nicht“, sagt Lewin. Aber er hat ein System, nachdem er sich richtet, um den ganzen Workload so gut es geht auszugleichen. Sport gehört da genauso dazu wie ein Tag jeden Monat, den er ohne Bildschirme verbringt; eine kurzzeitige Entgiftungskur vom Internet.
Dann geht der baldige Wahl–Kölner gerne mal in die Sauna und widmet sich dem echten Leben, wenngleich sein eigenes natürlich in erster Linie im Digitalen stattfindet. Aber das ist okay für ihn. „Außerdem schauen meine Eltern sehr nach mir und meiner Psyche. Die sind meine größten Supporter“, sagt Eningens Influencer.
Seine Kreativität wirkt unerschöpflich, sein Arbeitsdrang genauso. Lewins Tage enden normalerweise vor Mitternacht, zwischen Aufstehen und Schlafengehen liegen die Videos, die Sketche, die Business–Calls. Und genau so wollte er es. „Influencer zu werden war immer mein Traum, heute darf ich ihn leben“, sagt der umtriebige junge Mann.
Drum will er sich auch nicht über den Stress beschweren, oder dass er vor kurzem in die Eishalle wollte und gar nicht zum Eislaufen gekommen ist, weil er ständig für Selfies angehalten wurde. Das macht er gern, weil es Teil seines Jobs ist. Und scheinbar macht er seine Sache gut, denn vor wenigen Tagen hat er seinen nächsten Meilenstein erreicht.
Es war einmal mehr die Million, die Lewin eigentlich schon gewohnt ist. Auf Tiktok folgen ihm mittlerweile über zwei Millionen Menschen, die drei ist schon in greifbarer Nähe. Aber jetzt hat er die magische Zahl auch auf Youtube geknackt. Überrascht ihn das eigentlich noch? „Na klar, das war sogar die wichtigste Million für mich“, antwortet er entschieden. Denn ganz am Anfang, als der heute 21–Jährige beschlossen hat, dass er Influencer werden möchte, war Youtube sein eigentliches Ziel. Dann ist er einen Umweg über Tiktok gegangen, ist dort medial groß geworden und hat seinen Künstlernamen Lewinray in die Welt getragen. Dass es jetzt endlich auch auf Youtube geklappt hat, ist einer von vielen Träumen, für die der einstige Eninger hart geschuftet hat.
Nächster Meilenstein folgt im August
Es zeichnet ihn aus, dass er sich auf seinen ersten Erfolgen nicht ausgeruht hat. Lewin springt von einem Traum zum nächsten und ackert unermüdlich, bis er sie sich erfüllt hat. So wird es auch in diesem Jahr sein, genauer gesagt Anfang August. Dort will der 21–Jährige den nächsten Meilenstein in seinem noch so jungen Leben setzen.
„Es soll das größte Creator–Event des Jahres werden“, verspricht er. Stattfinden soll es im Europapark, dafür hat er alle nötigen Grundlagen in dem so wichtigen Call geschaffen, der diesem Gespräch am Mittwochabend voranging. Tausende Menschen sollen kommen. Genaueres verrät er dann, wenn alles spruchreif ist. Für den Moment nur so viel: „Es wird krass.“
Im Übrigen macht der junge Wester auch Musik, aber das dürfte nicht verwundern: Sein Vater Harry Wester ist ein musikalisches Urgestein in Eningen, Lewin sieht ihm zum Verwechseln ähnlich. Harry Wester hat schon mit Phil Collins, Nelly Furtado, Heino und Howard Carpendale zusammengearbeitet. Lewin hat also vielerlei Talente in die Wiege gelegt bekommen, denen er allesamt nachgeht.
Nur eines davon zu seinem Beruf zu machen würde den 21–Jährigen wohl langweilen, deswegen erübrigt sich auch die Frage danach, ob er wohl eines Tages hauptberuflich als Musiker unterwegs sein wollen würde. „Wenn man sich die deutschen Sänger von heute anschaut, sind sowieso fast alle auch Influencer“, weiß Lewin. Doch eine konkrete Idee hätte er: eine eigene Tournee, mit seinem eigenen Album und niemand Geringerem als seinem eigenen Vater hinter ihm am Schlagzeug. „Das wäre der Traum schlechthin!“
Man sieht ihn dort, auf einer Bühne in einem Stadion, es ist beileibe nichts Unrealistisches. Es scheint, als würde Lewin Wester alles gelingen, was er angeht. Dass dahinter unermüdlicher Biss und Schufterei steckt, erkennt man erst, wenn man dem 21–Jährigen zuhört. Nach dem Telefonat will er weiterschuften, aber nicht bis nach Mitternacht. Zumindest nicht heute.

