Landtagswahl am 8. März
: Phrasen an fast allen Masten

Wie die Parteien in Reutlingen um Stimmen werben und dabei auf ihren Plakaten mehr Fragen aufwerfen als Antworten geben.
Von
Thomas de Marco
Reutlingen
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Plakatives vor der Landtagswahl: Plakate an Reutlnger Masten.

Plakatives vor der Landtagswahl: Plakate an Reutlinger Masten im Ledergraben.

Thomas de Marco
  • Zwei Wochen vor der Landtagswahl: Plakatflut an Reutlingens Masten.
  • Slogans: Grüne „Nicht erst seit gestern. Für morgen“, FDP „Zurück auf vorwärts.“
  • SPD: „Weil es um dich geht!“; Linke: „Krankenhäuser für jeden Ort. Ohne Ausreden.“
  • CDU: „Politik für normale Leute“; Voigt über „Anständige und Fleißige“.
  • Grüne nennen Özdemir, Parteiname klein; AfD: „Du siehst es doch auch.“

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es sind nur noch zwei Wochen bis zur Landtagswahl. Deshalb sollten wir sie in der verbleibenden Zeit noch genießen: die Plakate, die gefühlt an allen Masten dieser Stadt hängen und für die Entscheidungsfindung so unglaublich wertvoll sind. Und die auch in Reutlingen elektrisierende Botschaften verbreiten. Beispielsweise die Plakate der Grünen: „Nicht erst seit gestern. Für morgen“ – ein Gedanke, der bei der Philosophischen Abendstunde einer Volkshochschule aufgeschnappt worden sein könnte.

Den gleichen VHS-Kurs hat wohl auch die FDP besucht. Und diesen Satz mitgebracht: „Zurück auf vorwärts.“ Zudem scheinen die Liberalen die neueste Version des Grafikprogramms Paint unter dem Weihnachtsbaum gefunden und bei der Gestaltung ihrer Plakate gleich mal ausprobiert zu haben.

Die SPD wiederum setzt auf einen Grundton aus herzerwärmendem Rot und auf die unter Genossen übliche Vertrautheit bei der Ansprache: „Weil es um dich geht!“ Und nicht etwa um ihre Kandidatinnen und Kandidaten, die doch eigentlich  gewählt werden wollen. Die Linke wird in ihrem ureigenen Reich der Utopie fündig und fordert: „Krankenhäuser für jeden Ort. Ohne Ausreden.“ Sie selbst werden auch keine Ausreden brauchen. Denn in die Gefahr, in einer Regierung selbst liefern zu müssen, werden sie in Baden-Württemberg kaum geraten.

Die CDU drängt mir die Frage auf, ob ich eigentlich noch ganz normal bin. Denn sie verspricht „Politik für normale Leute“. Und wer entspricht der Norm? Generalsekretär Tobias Voigt kann helfen: „Es geht um die Anständigen und Fleißigen, die jeden Morgen aufstehen und arbeiten und keine Zeit haben, sich festzukleben.“ Auf der Straße vermutlich, nicht an den Masten.

An denen fällt auf, dass die Grünen den Parteinamen nur verschwindend klein ganz unten im Presserechtshinweis verwenden. Signalisiert das maximale Distanz zur Bundespartei? „Keineswegs“, sagt Spitzenkandidat Cem Özdemir dazu, „die Plakate sind grün und die Parteizugehörigkeit ist klar.“ Für die grünen Wahlkampf-Strategen ist vor allem eines klar: „Özdemir – der kann es.“ Aber was? Regierung? Opposition? Oder heiraten?

Das zeigt: Wer sich bei den Plakaten doch tatsächlich auf die Texte einlässt, der landet bei mehr Fragen als Antworten. Deshalb einfach nur die Bilder anschauen: lächelnde Personen, die alle etwas von einem wollen. Besser gesagt: zwei Kreuze. Da hat sogar die AfD recht, wenn sie auf dem Plakat verkündet: „Du siehst es doch auch.“ Und wenn die plakativen Entscheidungshilfen nicht abgerissen sind, dann hängen sie noch heute. Zum Glück allerdings nur noch wenige Tage.