Kulturnacht in Reutlingen
: Familienprogramm gratis vorab

Die zehnte Kulturnacht am Samstag, 27. September, bespielt fußläufig knapp 50 Standorte in der Innenstadt mit Musik, Kunst, Tanz, Illuminationen und weiteren Highlights.
Von
Matthias Reichert
Reutlingen
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Die Reutlinger Kulturnacht lud an 50 Orten zu Musik, Tanz und farbigen Illuminationen ein.

Die Reutlinger Kulturnacht begeistert viele Besucher, unter anderem mit Illuminationen.

Jürgen Spieß (Archivfoto)
  • Die 10. Reutlinger Kulturnacht findet am Samstag, 27. September, mit rund 50 Standorten statt.
  • Eintritt kostet 18 Euro, Nachmittagsprogramm ab 15 Uhr ist kostenlos; Infos online abrufbar.
  • Highlights: Musik, Kunst, Theater, Stelzenläuferin, internationale Vereine und mehr.
  • Budgetkürzungen belasten: Stadt unterstützt mit 20.000 Euro, Sponsoren steuern ebenso viel bei.
  • Zukunft ungewiss: Organisatoren kämpfen mit Finanzierung und fehlenden Räumen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Unter veränderten Vorzeichen steigt am Samstag, 27. September, die zehnte Reutlinger Kulturnacht. Neben den Sparzwängen der öffentlichen Hand hat sich auch das gesellschaftliche Klima verändert, beobachtet das Organisationsteam um Edith Koschwitz vom Netzwerk Kultur. Die Stimmung sei nach der Corona-Pandemie immer noch gedrückt, was der schwächelnden Wirtschaft und den geopolitischen Krisen geschuldet sei, so Koschwitz. Da sei die Kulturnacht förmlich ein Seismograf.

Auch die Finanzierung war eine Gratwanderung. Die Stadt hat nach langem Ringen 20.000 Euro Zuschuss für die Kulturnacht bewilligt; in früheren Jahren waren es 36.000 Euro gewesen. Von regionalen Banken und Firmen als Sponsoren sind weitere 20.000 Euro dazu gekommen, außerdem 5000 Euro aus Anzeigen im Programmheft.

Eintritt soll Künstlern ein Honorar ermöglichen

Der Eintritt wird zudem auf 18 Euro erhöht. Es gibt keine Ermäßigungen im Vorverkauf, weil die meisten Leute ohnehin kurzentschlossen zur Kulturnacht gehen, argumentiert Koschwitz. Menschen mit Handicaps immerhin können sich rabattierte Eintrittsbändel vorab im Kunsthaus in der Metzgerstraße 59 abholen. Dort gibt es am Kulturnachts-Abend internationalen Tanz, Musik und eine Finissage der aktuellen Kunst-Ausstellung. Und auch die Tickets, ebenso an zahlreichen weiteren Stellen in der Stadt. Die Veranstalter hoffen, durch die erhöhten Eintrittspreise am Ende den beteiligten Kunstschaffenden ein kleines Honorar für ihren Aufwand auszahlen zu können.

Nachmittags ist das Programm eintrittsfrei. Die Veranstalter bespielen die Stadt bereits ab 15 Uhr mit vielfältigen Angeboten für Familien und Flaneure. Ab 18 Uhr muss man Eintritt zahlen. Das Programmheft weist rund 50 Punkte an fast ebenso vielen Standorten auf; aktualisiert findet man die Angebote unter www.reutlinger-kulturnacht.de im Internet. Die großen Kulturstandorte sind alle wieder dabei. Die Stadtbibliothek bietet Swing, Funk, Jazz und Kunst sowie Jugendbands der Kulturwerkstatt und Auftritte der Louisiana Funky Butts Brass Band.

Mit Stelzen-Läuferin: Das wird alles geboten

Noch mehr Kunst und Musik sind in der Volkshochschule zu sehen und zu hören. Im Tonnekeller führt Helge Thun seine „komischen Werke“ auf. Im Naturkundemuseum hört man Indie-Musik und Singer-Songwriter Bernhard Haage mit Band. Die Marienkirche lädt zu Blasmusik aus Aarau und Orgelimprovisationen bei einem Stummfilm mit Charlie Chaplin. In der Musikschule sind Schnupper-Angebote, Folklore und Kinderprogramm locken im Haus der Kulturen, Theatersport ist ein weiteres Highlight in der Kreissparkasse am Marktplatz.

Es gibt eine Stelzen-Läuferin, Schnellzeichnen, Poesie To Go sowie Filme im illuminierten Spitalhof, wo außerdem internationale Vereine mit ihren Spezialitäten bewirten. Das Kunstmuseum bespielt seine Ausstellungen mit Extra-Angeboten, ebenso der Kunstverein. Jazz ertönt im Industriemagazin. Im Heimatmuseumsgarten erklingen Panflöte und Gitarre. Am Tübinger Tor baut wieder das Fitnessstudio Cleverfit seine Aktionsbühne auf. Im Spitalhofsaal locken neben Rock, Pop und DJs auch Digitaldrucke und Lichtkunst. Serge Le Goff illuminiert den Zwinger in der Mauerstraße. Im Amtsgericht ist wieder die beliebte Kriminacht. Und im Achalmbad performen die SSG-Synchronschwimmerinnen diesmal im Takt der Neuen Deutschen Welle.

Keine Tanzangebote in der Stadthalle

„Das war ein Kraftakt, aber wir haben es geschafft“, bilanziert Koschwitz. In früheren Jahren waren es freilich deutlich mehr Programmpunkte. Aber damals war es für die Besucherinnen und Besucher auch fast unmöglich gewesen, an einem Abend alles abzuklappern. Die Qualität habe nicht gelitten, unterstreicht Netzwerk-Vorsitzender Gerhard Loew. Und die Bandbreite der Darbietungen sei immer noch immens, ergänzt Simone Möck.

Was fehlt, sind diesmal die vielfältigen Tanzangebote in der Stadthalle. Die Nebenkosten für die Halle waren mit dem geschrumpften Budget schlicht nicht zu finanzieren, bedauern die Organisatoren, die den ganzen Riesenaufwand zu siebt oder zu acht stemmen. Und auch die Paketpost, vormals ein Anker im Kulturnachts-Programm, steht nicht mehr zur Verfügung. Die Stadt will für die Rathaus-Sanierung dort Akten einlagern und prüft aktuell die Statik, sind die Veranstalter beschieden worden.

Ist die zehnte auch die letzte Kulturnacht?

Der Frust sitzt tief bei den Macherinnen und Machern der Reutlinger Kulturnacht. Das provisorische Kunst-Domizil in der Metzgerstraße 59 müssen sie nach dem Event aufgeben; die Bundesförderung lief aus, und die Stadt hat bekanntlich kein Geld. Mit Ach und Krach bekamen die Organisatoren 20.000 Euro städtischen Zuschuss für die diesjährige Kulturnacht bewilligt. Nochmals so viel haben sie über Sponsoren eingeworben. Gibt es nun nach der zehnten Auflage einen neuen Kulturnachts-Anlauf in zwei Jahren? „Die Hoffnung besteht immer“, sagt Edith Koschwitz, Geschäftsführerin des Vereins Netzwerk Kultur. „Aber es hängt an den Rahmenbedingungen. Die müssen stimmen. Wir beuten uns selbst aus, um zu zeigen, wie wichtig und unentbehrlich so ein Event für eine Stadt ist.“