Kulturnacht in Reutlingen: Buntes, Poetisches und Musikalisches

Für viele Lacher sorgte das Helge-Thun-Programm mit komischen Sketchen im Tonnekeller.
Jürgen Spieß- Zehnte Reutlinger Kulturnacht: Über 50 Veranstaltungen zogen Tausende Besucher an.
- Start um 15 Uhr mit Familienprogrammen, ab 18 Uhr Eintritt mit Ticketbändel für 18 Euro.
- Highlights: Synchronschwimmen, Krimi-Lesungen, Tango, Taschenlampenführung im Spendhaus.
- Helge-Thun-Programm sorgte mit Sketchen und Wortspielen im Tonnekeller für viele Lacher.
- Veranstalter zufrieden, hoffen auf bessere Bedingungen für künftige Kulturnächte.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ein Event, das regionale Kultur an ungewöhnlichen Locations erlebbar macht und zu Begegnungen anregt: So könnte man die Reutlinger Kulturnacht in einem Satz charakterisieren. Bei der vom Netzwerk Kultur organisierten zehnten Ausgabe gab es aber noch mehr zu entdecken. So gaben sich am Samstag wieder tausende Besucher den Verlockungen hin, durch den Jahrmarkt aus Kunst und Livemusik, Theater und Tanz, Literatur und Comedy zu flanieren. Diesmal verlagerte sich das Geschehen mehr in Richtung Innenstadt und erstmals startete das Kulturevent bereits nachmittags um 15 Uhr.
Der Verein veranstaltete die Kulturnacht 2007 zum ersten und 2019 zum letzten Mal. 2021 und 2023 gab es wegen der Coronapandemie mit dem „Kulturpostfestival“ und der „Hafenrundfahrt“ auf dem Echazhafen-Gelände zwei abgespeckte Ausgaben. Dieses Mal gab es erneut ein erweitertes Spektrum an kulturellen Veranstaltungen. Während von 15 bis 18 Uhr Familien- und Mitmachprogramme für umsonst auf dem Programm standen, kamen die Besucher von 18 bis 23 Uhr nur mit einem Ticketbändel für 18 Euro in die gut 50 Veranstaltungsorte.
Bewährtes Konzept
Beibehalten wurde das bewährte Konzept der kurzen Wege, welche die fußläufig erreichbaren Veranstaltungsorte miteinander verbanden. Die „Kulturnacht-Meile“ zog sich von den Wandel-Hallen über die Innenstadt bis zum Achalmbad und Wendler-Areal im Süden. Konzertgänger wurden ebenso angelockt wie Freunde der leichteren Muse. Sonderausstellungen wechselten mit Lesungen, Livemusik mit theatersportlicher Improshow, Comedy mit Tanz. Und natürlich gab es auch wieder zahlreiche Höhepunkte zu bestaunen.
So bot die SSG Reutlingen Tübingen im Achalmbad Synchronschwimmen, in einem Verhandlungssaal des Amtsgerichts organisierte Uschi Kurz Krimi-Lesungen, das Künstlerduo Johanna Fricke und Tarmor Kühn nahm das Publikum im Heimatmuseumsgarten in verschiedene Klangräume mit, der Jazzclub in der Mitte war mit zwei Oldtimejazzbands erstmals dabei, im „Artspace W 109“ in der Metzgerstraße 59 gab es Tango mit dem Duo Dos Pasitos und Jochen Weeber präsentierte im Café der Bäckerei Berger eine Bäckertüten-Performance.
Außergewöhnlich war auch die Taschenlampenführung im Spendhaus: Dort bekam jeder Kulturnacht-Flaneur erstmal eine Taschenlampe in die Hand gedrückt, um hernach in kompletter Dunkelheit von Barbara Wünsche-Kehle durch die Ausstellung „Das Politische schneiden. HAP Grieshaber und der Bauernkrieg“ geführt zu werden. Dabei wirkten die Grieshaber-Holzschnitte und die Bauernkriegs-Bilder von Künstlern wie Kollwitz, Tübke, Heisig und Hrdlicka anders als bei Tag noch bedrückender und Wünsche-Kehle erzählte dazu spannende Geschichten zu Grieshaber und dem Bauernkrieg.

Die Perkussionsgruppe Cata Combo sorgte auf dem Marktplatz für Trommelwirbel.
Jürgen SpießLachen im Tonnekeller
Für viele Lacher sorgte dagegen das Helge-Thun-Programm im Tonnekeller: Mit komischen Sketchen, Szenen und Monologen, mit kleinen Slapstick-Nummern, Wortspielen und Situationskomik verbanden Magdalena Flade, Rupert Hausner, David Liske und Chrysi Taoussanis die Komik-Ebene des Tübinger Comedian mit Theaterstoff. Ob der Dating-Sketch mit der „wilden Wachtel“ Waltraud und dem „wuchtigen Walross“ Walter oder wortspielerische Che-Guevara-Plaudereien zweier Kiffbrüder: Den leichtfüßigen Pointen, auf die Helge Thun in seinen Gedichten und Wortspielereien stets so minutiös hinarbeitet, gewann das Tonne-Quartett mit feinsinniger Mimik und staubtrockenem Tonfall ganz neue Seiten ab.
Natürlich saßen auch wieder bewährte Spielorte wie die beiden Hauptsponsoren Kreissparkasse und Volksbank, das Zeughaus, mehrere Kirchen, verschiedene Museen und Galerien, die Echazbühne und -terrasse, VHS, Stadtbibliothek, Spitalhof, Tonne-Theater, Haus der Kulturen, das Wendler-Areal und zahlreiche andere Kulturveranstalter mit im Boot und wurden zum Schauplatz der vielfältigen Reutlinger Künstlerszene. Die Veranstalter zeigten sich mit dem Verlauf sehr zufrieden und Geschäftsführerin Edith Koschwitz und ihre ehrenamtlichen Mitstreiter hoffen weiterhin, die Kulturnacht mit verbesserten Rahmenbedingungen auch in Zukunft fortzuführen.
