Künftiger Betriebshof der Stadtbahn: Vier Nisthilfen für Kohlmeisen in Reutlingen angebracht

Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs entlang der Sondelfinger Straße in Reutlingen soll der neue Betriebshof der Regional-Stadtbahn gebaut werden.
Maik Wilke (Archivfoto)- Vier Nisthilfen für Kohlmeisen am 27. Februar in Reutlingen angebracht
- Maßnahme als Ausgleich nach Strauch- und Gehölzrückschnitt im Januar
- BUND und Nabu begrüßen Vorgehen; Kästen rechtzeitig vor Brutzeit montiert
- Kartierungen: Turmfalke, Klappergrasmücke, Kohlmeise, Wildbienen nachgewiesen
- Brombeerheckenreste bis Mai/Juni gelagert; Insektenhotels und Blühbrachen geplant
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Im Böschungsbereich des ehemaligen Güter- und Containerbahnhofs in Reutlingen, wo der Betriebshof der Regional-Stadtbahn Neckar-Alb (RSBNA) entsteht, wurden am Freitag, 27. Februar, vier Nisthilfen für Kohlmeisen angebracht. Vor Ort waren Vertreterinnen und Vertreter der Regional-Stadtbahn Neckar-Alb Projektgesellschaft, des BUND, des Nabu sowie ein Experte des Umweltplanungsbüros HPC. Die Nisthilfen sind eine Ausgleichsmaßnahme im Zuge des im Januar erfolgten Rückschnitts von Sträuchern und Gehölzen auf dem Gelände.
„Uns ist es sehr wichtig, nicht nur die artenschutzrechtlichen Vorgaben konsequent umzusetzen, sondern dabei auch aktiv zum Schutz heimischer Vogel- und weiterer Tierarten beizutragen“, erklärt Lydia Papkalla von der RSBNA-Projektgesellschaft. „Nicht nur die Vermessung, sondern auch alle weiteren Planungs- und Bauphasen werden natur- und artenschutzrechtlich begleitet, um sicherzustellen, dass die Lebensräume von Tieren und Pflanzen berücksichtigt werden.“
Rechtzeitig vor der Brutzeit
Die anwesenden Umweltverbände konnten sich vor Ort ein Bild von den durchgeführten Maßnahmen machen und begrüßen das grundsätzliche Vorgehen: „Es ist ein positives Signal, dass die vorgesehenen Ausgleichsmaßnahmen zeitnah und fachgerecht umgesetzt wurden“, sagt Reinhard Beneken, Vorsitzender des BUND-Kreisverbands Reutlingen. „Der Dialog zwischen Projektträger, Fachbehörden und Naturschutzverbänden ist ein wichtiger Baustein für einen verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Landschaft, gerade in Projekten, die selbst in hohem Maße nachhaltig sind, wie die Regional-Stadtbahn Neckar-Alb.“
„Die neu angebrachten Nisthilfen sind eine sinnvolle Unterstützung für höhlenbrütende Vogelarten“, bestätigt Thomas Höfer, Vorstand der Nabu-Gruppe Reutlingen die Ausgleichsmaßnahme. „Die Kästen wurden fachgerecht angebracht und stehen nun rechtzeitig zum Beginn der Brutzeit zur Verfügung. So wird auf der Fläche ein konkreter und wirksamer Beitrag zum Artenschutz geleistet.“
Turmfalke, Klappergrasmücke, Kohlmeise und Wildbienen
In Vorbereitung auf die geplante Umgestaltung der Fläche sowie die für die Vermessungsarbeiten erforderliche Gehölzentnahme wurden zwischen Februar und November 2025 im Auftrag der RSBNA Projektgesellschaft eine Habitatpotenzialanalyse sowie vertiefte artenschutzrechtliche Untersuchungen durchgeführt, schreibt der Zweckverband in einer Pressemitteilung. Die Kartierungen ergaben im Bereich des Gehölzbestands entlang der Sondelfinger Straße Vorkommen von Turmfalke, Klappergrasmücke, Kohlmeise sowie verschiedener Wildbienenarten.
Jeanette Hauenstein von der HPC AG, die die Untersuchungen zusammen mit einem Projektteam aus Artenexperten durchgeführt hat und die Arten- und Umweltschutzthemen fachlich begleitet, erklärt: „Im Rahmen der Kartierungen wurden geschützte Arten vor Ort systematisch erfasst und ihre Lebensstätten bewertet. Auf dieser Grundlage haben wir gezielte Vorschläge für Vermeidungs- und Ausgleichsmaßnahmen entwickelt. Die nun aufgehängten Nisthilfen sind eine sinnvolle und fachlich begründete Maßnahme.“
Geschnittene Brombeerhecke bleibt vorerst auf dem Gelände
Als weitere Tierschutzmaßnahme wird das Gestrüpp der zurückgeschnittenen Brombeerhecken, in dem sich Wildbienennester befinden können, zur Sicherung der Nester bis nach der Schlüpfzeit im Mai/Juni auf dem Gelände gelagert. Zudem ist geplant, für die Wildbienen weitere Ausgleichsmaßnahmen auf dem Gelände umzusetzen, zum Beispiel sollen Biotop-Strukturen für Bodenlebende und Insektenhotels errichtet sowie Blühbrachen angelegt werden.
Vom Lost-Place zum Vorzeigeareal
Seit mehr als 25 Jahren liegt der ehemalige Güterbahnhof in Reutlingen brach und wird lediglich als Lager- und Abstellfläche genutzt. Doch aus dieser wüsten Fläche, aus diesem Lost Place, soll in wenigen Jahren ein „Herzstück“ der Regional-Stadtbahn Neckar-Alb werden. er Zweckverband und die Stadtverwaltung Reutlingens haben das 5,5 Hektar große Areal entlang der Sondelfinger Straße als künftigen Ort für den Betriebshof der Stadtbahn ausgewählt (wir berichteten mehrfach).
Die zentrale Lage als Mittelpunkt des Tram-Train-Netzes, der direkte Anschluss an die bestehenden Gleise der Neckar-Alb-Bahn, die Widmung der Fläche, die Eisenbahn-affine Nutzungen vorgibt: „Alles spricht dafür, dass das der beste Ort für den Betriebshof ist“, betonte Zweckverbands-Geschäftsführer Prof. Tobias Bernecker bei einer Vor-Ort-Besichtigung im Juli 2025.

