Kriminalität in Reutlingen: Zahl der Missbrauchsfälle steigt deutlich

Das Polizeipräsidium Reutlingen, das für die Landkreise Tübingen, Reutlingen, Esslingen und Zollernalb zuständig ist, hat seine Kriminalstatistik für das Jahr 2025 veröffentlicht.
Karl-Josef Hildenbrand/dpa- Polizeipräsidium Reutlingen meldet 2025: 50.330 Straftaten, Rückgang um rund 2000 Fälle.
- Aufklärungsquote stieg auf 65 Prozent; über Landesschnitt, drittes Jahr in Folge.
- Kreis Reutlingen: 12.928 Straftaten (−324); weniger Raub, Körperverletzung, Diebstahl.
- Ausreißer: sexueller Missbrauch 90 Fälle (+47,5%), Pornoschriften 170 (+25,9%).
- Kreis Tübingen: Wohnungseinbrüche 85 Fälle (+165,6%); Fokus auf Prävention bleibt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Polizeipräsident Udo Vogel ist voll des Lobes über seine Polizei. Im Vorwort zum aktuellen Kriminalitätsbericht für das Jahr 2025 stellt er fest, dass die Sicherheitslage in der Region vergleichsweise gut ist und die Zahl der Straftaten deutlich unter dem Landesschnitt liegt.
2025 sank sie gegenüber dem Vorjahr deutlich: im Präsidiumsbereich (siehe Infokasten) um rund 2000 Fälle auf insgesamt 50.330 – deutlich weniger als in den Vor-Corona-Jahren. Die Aufklärungsquote liegt über alle Deliktbereiche gerechnet bei 65 Prozent (2024: 62,9 Prozent). Sie stieg das dritte Jahr in Folge und liegt über dem Landesschnitt. „Dies ist ein Beweis dafür, dass sich unsere Beamtinnen und Beamten tagtäglich mit vollem Engagement und hoher Professionalität für Ihre Sicherheit einsetzen“, schreibt er an die Bevölkerung gerichtet.
In den einzelnen Landkreisen ist die Kriminalität aufgrund der sehr verschiedenen Strukturen unterschiedlich ausgeprägt. Im Kreis Esslingen mit seiner Nähe zu Stuttgart ist die Zahl der Straftaten seit vielen Jahren deutlich höher (23.074 Fälle) als beispielsweise im ländlich geprägten Zollernalbkreis (6264 Fälle). Der Kreis Reutlingen liegt mit 12.928 Straftaten vor dem Kreis Tübingen mit 8064 angezeigten Delikten.
Wie sieht es im Kreis Reutlingen aus?
Die 12.928 Straftaten im Kreis Reutlingen sind 324 Fälle weniger als 2024. Bei den meisten Delikten sinkt die Zahl der Delikte. Bei den „Rohheitsdelikten“ werden 67 Fälle von Raub und räuberischer Erpressung aufgeführt – das sind fast 45 Prozent weniger als im Vorjahr (120). Auch die Zahl der Körperverletzungen ist gesunken: von 1753 Fällen im Jahr 2024 auf 1656 im vergangenen Jahr.
Für die Polizei (und die Bürger) ist ebenso erfreulich, dass die Zahl der Diebstähle zurückgegangen ist: von 4052 Fällen auf 3735. Ausnahme sind in diesem Straftatbestand die Wohnungseinbrüche, die leicht gestiegen sind. 2025 brachen Einbrecher im Kreis Reutlingen in 127 Häuser und Wohnungen ein; 2024 waren es noch 112. Diese Steigerung von 13,4 Prozent ist jedoch gering – vor allem im Vergleich zum Landkreis Tübingen.
Einbruchsserie im Kreis Tübingen
Dort sind die Wohnungseinbrüche in der Kriminalstatistik ein echter Ausreißer. Sie stiegen im Kreis Tübingen um 165,6 Prozent. Nach einem Tiefststand von 32 im Jahr 2024 waren es nun 85. „Das war überraschend, da wir weiter viele Kontrollmaßnahmen durchführen“, sagt Polizeisprecher Lutz Jaksche. Betroffen waren vor allem Rottenburg und Ammerbuch. Eine Erklärung dafür könnte die gute Autobahnanbindung sein: Da viele Fälle zeitnah beieinanderlagen, könnte eine Gruppe sie begangen haben. „Die nutzen die Schnellstraßen als Fluchtrouten.“
Mehr Fälle von sexuellem Missbrauch
Ausreißer in der Statistik für den Kreis Reutlingen sind Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Darunter fallen unter anderem sexueller Missbrauch und die Verbreitung pornografischer Schriften. In 90 Fällen ermittelte die Polizei 2025 wegen sexuellen Missbrauchs – das sind 29 Fälle mehr als 2024 und somit eine Steigerung von 47,5 Prozent. Bei der Verbreitung pornografischer Schriften stieg die Zahl der Delikte von 135 auf 170 (+25,9 Prozent).
Die Aufklärungsquote bei den Sexualdelikten im gesamten Gebiet des Polizeipräsidiums Reutlingen verbesserte sich erneut (+1,6) und lag bei 89,2 Prozent. Mit insgesamt 215 Sexualdelikten im öffentlichen Raum wurden vier Taten weniger als 2024 registriert (2024: 219). „Auch im vergangenen Jahr stand der Bereich der sexualisierten Gewalt im Fokus polizeilicher Präventionsaktivitäten“, erklärt das Präsidium.
Insbesondere zum Thema sexualisierte Gewalt gegen Kinder und zur Eindämmung der Verbreitung von Kinder- und Jugendpornografie fanden unter anderem Elternabende, Fortbildungen für Erzieherinnen und Erzieher sowie verschiedene Impulsvorträge statt. „Hierbei sind unsere Kolleginnen und Kollegen mit den Jugendämtern, dem Opferhilfeverein Weisser Ring sowie der Psychosozialen Prozess- und Zeugenbegleitung eng vernetzt.“
Das Polizeipräsidium unterteilt in seiner Statistik auch Tatverdächtige nach Staatsangehörigkeit. Im vergangenen Jahr nahm die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen demnach mit 12.427 (2024: 11.815) um 5,2 Prozent zu. Ohne Berücksichtigung der Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz, Asylgesetz oder Freizügigkeitsgesetz EU, die fast ausschließlich von Ausländern begangen werden können, liegt die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen mit 9.247 jedoch unter dem Vorjahreswert (2024: 9.344). Die Zahl tatverdächtiger Asylbewerber und Flüchtlinge verringerte sich – ungeachtet ausländerrechtlicher Verstöße – um 6,5 Prozent auf insgesamt 2.183 (2024: 2.335).
Zahlen zum Reutlinger Polizeipräsidium
Das Polizeipräsidium ist für die Landkreise Tübingen, Reutlingen, Esslingen und den Zollernalbkreis und 110 Kommunen zuständig. Das ist eine Fläche von 3172 Quadratkilometern, darauf leben rund 1,26 Millionen Menschen. Das Präsidiumsgebiet ist damit größer als das Saarland. 2025 arbeiteten 2388 Beschäftigte bei der hiesigen Polizei, 2065 davon sind Polizistinnen und Polizisten.

