Kreative Sprachförderung in Reutlingen
: Gemeinsam geht es besser

24 Kinder lernen über die Pfingstferien in der Ypernkaserne bei einem Theaterprojekt „Spielend sprechen“. Diesmal auch mit Tanz und Video-Projektionen.
Von
Matthias Reichert
Reutlingen
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Sprachbarrieren überwinden: Reutlinger Kinder bei den Proben des Theaterprojekts "Spielend sprechen".

Matthias Reichert
  • In Reutlingen lernen 24 Kinder in den Pfingstferien bei „Spielend sprechen“ Theater.
  • TPZ und der Verein Dialog veranstalten das Projekt seit 2012, mit neuem Leitungsteam.
  • Zwei Gruppen entwickeln eigene Stücke mit Texten, Tanz und Video – Proben in Ypernkaserne.
  • Die Kinder kommen aus mehrsprachigen Familien, Teilnahme kostet 75 Euro mit Betreuung.
  • Öffentliche Aufführungen sind im TPZ in der Heppstraße 99 /1 am Samstag, 6. Juni, um 10 und 14 Uhr.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ein tierischer Tanz als rauschendes Finale: Eine coole Hyäne wippt die Pranken, ein träger Frosch hüpft im Takt zur Musik, eine stolze Ente wackelt hurtig mit. Zunächst schreiten die verkleideten Kinder hintereinander in einer kurzen Polonaise über die Bühne, dann recken alle die Hände in die Höhe, hüpfen und springen ausgelassen herum. Am Ende dieses selbst erarbeiteten Theaterstücks steht hier ein rauschendes Fest – nachdem sich die höchst unterschiedlichen Tierfiguren zusammengerauft haben, die zunächst alle allein und für sich gelebt und gehaust haben.

„Spielend sprechen“ lernen auch in diesen Pfingstferien 24 Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren aus dem gesamten Stadtgebiet in der ehemaligen Ypernkaserne im Ringelbach. Veranstalter sind wie schon seit 2012 das Reutlinger Theater-Pädagogik-Zentrum (TPZ) und der migrantische Verein Dialog. In diesem Jahr gibt es freilich ein neues Leitungsteam: Die neue TPZ-Geschäftsführerin Antonia Lehn organisiert das Event mit der ehrenamtlichen Projektleiterin Anna Poliakova von Dialog. „Das Projekt ist in der nächsten Generation und darf weiterwachsen“, sagt Lehn dazu. Die bisherigen Leiterinnen und Projekt-Gründerinnen Monika Hunze vom TPZ und Galina Lerner von Dialog sind voriges Jahr in den Ruhestand gegangen.

Das Grundkonzept des Projekts ist gleichgeblieben: Wie gehabt, erarbeiten zwei Theaterpädagoginnen in zwei Gruppen jeweils ein gemeinsames Theaterstück. Die Leiterinnen geben ein Thema mit literarischem Bezug vor. Die Kinder erarbeiten daraus das Stück und feilen mit den Pädagoginnen an den selbst geschriebenen Texten. Eigene Ideen sind ausdrücklich gefragt und werden in die Aufführungen eingebaut. Die Gruppe der Älteren studiert die tierische Parabel gemeinsam mit der Theaterpädagogin Nicole Haßmann ein. „Im Team sind sie super“, fasst Haßmann die Botschaft des Stücks zusammen. Gemeinsam geht es besser – und die fantasievollen Kostüme haben die Kinder selbst während der Proben gebastelt.

Jedes Tier hat in diesem Stück eine eigene Sprechweise. Die flinke Fliege etwa surrt und summt immer mit Fistelstimme hektisch im Falsett. Und die coole Hyäne spricht im Rapper-Slang. Neu in diesem Jahr: Mit professioneller choreografischer, musik- und medienpädagogischer Anleitung entwickeln die Gruppen in ihren Theateraufführungen eigene Tänze und haben für die Stücke kurze Videoprojektionen erarbeitet, die bei den abschließenden Aufführungen eingeblendet werden. Unter anderem ist dabei ein „Krieg der Knöpfe“ in Stopp-Motion entstanden, berichtet Haßmann.

Diese kreative Sprachförderung vernetzt mehrsprachige Lebenswelten. Mit dabei sind Kinder aus der Ukraine, der Türkei, Rumänien, Russland und aus dem arabischen Raum. Die meisten haben migrantische Eltern und sind in Deutschland geboren. Mit dem Sprachprojekt bekommen sie gegen die geringe Teilnahmegebühr von insgesamt 75 Euro über zehn Tage durchgehende Spielfreude; manche sind auch mit dem städtischen Teilhabe-Gutschein mit dabei. In der Mittagspause gibt es Essen, Betreuung und freie Zeit zum Spielen. Hier helfen ehrenamtlich Jugendliche, die früher teils selbst bei „Spielend sprechen“ mitgemacht haben.

Gefragtes Projekt

Finanziert wird das Projekt mit der städtischen Förderung von 16.000 Euro und einem Zuschuss über 1.000 Euro der Wohnungsgesellschaft GWG. Das jährliche Projekt hat sich längst herumgesprochen, viele Eltern haben schon frühzeitig nachgefragt, ob es auch in diesen Pfingstferien steigt und ihre Kinder mitmachen dürfen. Die Eltern sind so begeistert wie ihre Kinder, manche bringen nachmittags Süßigkeiten und Snacks.

Mit Tanz und Spiel entwerfen nun beiden Gruppen ihre Bühnen-Feste. Zunächst ist in der Ypernkaserne geprobt worden. Dort hat der Dialog-Verein seine Geschäftsstelle; in den alten Kasernengebäuden gibt es viel Platz zum Theaterspielen. Am Donnerstag sind die Gruppen dann ins TPZ in der Heppstraße 99 /1 umgezogen. Dort laufen die finalen Proben. Am Samstag, 6. Juni, um 10 und 14 Uhr sind im TPZ zwei öffentliche Aufführungen geplant. Wie jedes Jahr werden viele Eltern, Verwandte und Bekannte zuschauen, wie die Kinder spielend sprechen oder sprechend Theaterspielen gelernt haben.