Kommunalwahl Pfullingen: Zwei Stimmen entscheiden über ein SPD-Mandat

Die Mehrheit der Pfullinger Fraktionen waren mit ihrem Ergebnis zufrieden – bis auf die Grün-Alternative Liste. Im Vordergrund fotografiert Britta Wayand (FWV) die vorläufigen Ergebnisse ab.
Lea IrionHerzschlagfinale in Pfullingen: Als am Montagnachmittag 19 von 20 Ergebnisse der Kommunalwahlen vorlagen und das große Ganze für die meisten Fraktionen eigentlich entschieden war, bibberten zwei Mitglieder der SPD im Sitzungssaal des Rathauses noch um ihr Direktmandat: Sieglinde Schairer und Walter Fromm.
Am Stehtisch nebenan feierten derweil die Freien und Unabhängigen Wähler ihre Ergebnisse: Auf exakt 28,99 Prozent kam die UWV, die FWV auf 21,77 Prozent. Wenig verwunderlich also, dass Britta Wayand (FWV) ihrem Ratskollegen Martin Fink (UWV) umgehend gratulierte, „zum Kreistag und auch sonst zu allem“. Fink, der bereits 2014 und 2019 Stimmkönig geworden war, schaffte es dieses Jahr erneut – und konnte sein letztes Ergebnis um über 500 Stimmen übertreffen: 7833 waren es 2019, jetzt fuhr der UWV-Rat ganze 8384 Stimmen ein und sicherte sich das Kreistagsmandat.
„Ich bin sehr berührt, damit habe ich nicht gerechnet“, sagte Fink im Anschluss. Er sei zufrieden mit der Wahlbeteiligung in Pfullingen, die mit 57,13 Prozent immerhin etwas über der aus dem Jahr 2019 lag (55,0 Prozent). Neben Fink sitzen künftig wieder Stephan Wörner (7151 Stimmen), Ute Jestädt (4707 Stimmen), Sven Hagmaier (3380 Stimmen), Sandra Bertsch (2836 Stimmen) und neuerdings Bernd Mollenkopf (2446 Stimmen), der seinerseits Walter Mollenkopf ersetzt, welcher im Vorfeld nicht mehr kandidierte. Die Unabhängigen Wähler kommen damit auf sechs Sitze und sind stärkste Kraft im neuen Pfullinger Gemeinderat, wie auch davor.
CDU begrüßt zwei neue Mandatsträger
Die nächst größten Fraktionen sind die CDU und die Freien Wähler, auf die jeweils 24,52 Prozent und 21,77 Prozent der Stimmen entfielen. Bei den Christdemokraten erklärte der Vorsitzende Gert Klaiber bereits im Vorfeld, dass er in diesem Jahr nicht mehr zur Wahl stehen würde. Für die CDU sitzen deswegen künftig wieder Gerd Mollenkopf (5711 Stimmen), Meike Schmied (4459 Stimmen) und Felix Mayer (3451 Stimmen) im Gemeinderat, neu hinzugekommen sind Timo Plankenhorn (4935 Stimmen) und Marcel Renz (3120 Stimmen). Carolin Abele trat – wie auch Gert Klaiber – nicht mehr an.

Beim Auszählen und Erfassen der Stimmen sei es „völlig entspannt“ zugegangen.
Lea IrionFür die Freien Wähler war es indes eine „phänomenale“ Wahl, wenn man die Pfullinger Fraktionsvorsitzende Britta Wayand fragt. „Wir haben jetzt nämlich einen Sitz mehr“, freute sich Wayand mit Blick auf die Ergebnisse. Das ist insbesondere im Hinblick auf die vergangenen Wahlen eine interessante Entwicklung: 2019 knöpfte die Grün-Alternative Liste der FWV einen Sitz ab, und dieses Mal sind es die Freien Wähler, die ein weiteres ihrer Mitglieder ins Pfullinger Gremium bringen können. Die GAL verliert indes einen ihrer vier Sitze und sieht sich künftig nur noch zu dritt im Gemeinderat vertreten.
Grün-Alternative Liste ist klare Verliererin
Neben Wayand, die wiedergewählt wurde (2816 Stimmen), wird wieder ihre Fraktionskollegin Christine Böhmler sitzen (4204 Stimmen), zudem Christine Zössmayr (2637 Stimmen). Frischen Wind in die Gemeinderatsvertretung der Fraktion bringen künftig Hannes Sebastian Mollenkopf (3022 Stimmen) und Klaus-Jürgen Michalik (2646 Stimmen). Nicht mehr zur Wahl stand Uwe Wohlfahrt, der nach 25 Jahren kommunalpolitischer Tätigkeit abdankte.
Was sich in den Europawahlen schon abzeichnete, wurde für die Grün-Alternative Liste Pfullingens am Montag Gewissheit: Sie verlor im Vergleich zu 2019 fast genau 6 Prozent der Stimmen und kam nur noch auf 12,22 Prozent. Eine „große Enttäuschung“ nannte es GAL-Fraktionsmitglied Antje Schöler, die obendrauf ihr Kreistagsmandat verlor. „Wir sind froh über die drei Sitze, es hätten auch nur zwei werden können“, so Schöler. Auch bei der GAL gab es mit Malin Hagel schon im Vorfeld eine Rätin, die sich nicht mehr aufstellen lassen wollte – ihr Platz wird also unbesetzt bleiben.
Für die Grün-Alternative Liste sitzt folglich wieder Antje Schöler im Gremium (2475 Stimmen), Fraktionsvorsitzende Traude Koch (2596 Stimmen) und Anke Burgemeister (2427). Insbesondere im Vergleich zu 2019 gehört die GAL jedoch zur klaren Verliererin dieser Kommunalwahlen; alle andere Fraktionen haben nur geringe Zuwächse oder Verluste zu verzeichnen, mit Ausnahme der CDU, die – wie auch im bundesweiten Trend erkennbar – mit drei Prozentpunkten am meisten zulegen konnte.
„Die Demokratie lebt davon, dass sich viele verschiedene Menschen einbringen“
Und die SPD? Die wird mit Thomas Mürdter nur eines seiner bisherigen Gemeinderatsmitglieder stellen. Weder Karen Scheck noch Walter Fromm, die bisher für die Fraktion in Pfullingens Gremium saßen, konnten genug Stimmen für sich verbuchen. Besonders bitter war es für Fromm: Bis zuletzt hoffte er auf genügend Stimmen, um den Sprung ins letzte Direktmandat der SPD noch zu schaffen. Doch am Ende überholte ihn seine Fraktionskollegin Sieglinde Schairer – mit nur zwei Stimmen Unterschied: 1798 bekam Schairer, 1796 Fromm.

Bürgermeister Stefan Wörner begutachtet die Ergebnisse.
Lea IrionNur wenige Sekunden, nachdem Bürgermeister Stefan Wörner die Daten ein letztes Mal auf der Leinwand aktualisiert hatte und für Fromm ersichtlich wurde, dass statt seines Namens der seiner Fraktionskollegin die Tabelle zierte, verließ er den Saal – sicherlich aus Enttäuschung über die Wahlniederlage. Doch die SPD hat auch Grund zur Freude: Mit Berkay Temelli hat es ein nun ehemaliges Mitglied des Pfullinger Jugendgemeinderats in den Gemeinderat geschafft. CDU-Mitglied Meike Schmied war dieses Kunststück vor fünf Jahren auch gelungen.
Insofern belegen die drei SPD-Sitze künftig Thomas Mürdter (3313 Stimmen), Berkay Temelli (1928 Stimmen) und Sieglinde Schairer (1798 Stimmen). Bürgermeister Wörner dankte indes allen Kandidatinnen und Kandidaten, die es ins Gremium geschafft haben – aber auch jenen, für die es dieses Mal nicht funktionierte: „Die Demokratie lebt davon, dass sich viele verschiedene Menschen einbringen. Auch wenn es mit dem Mandat dieses Mal nicht gereicht hat.“
