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: Kreiskliniken Reutlingen werden Mitglied im Verein „Medicus“

Die landesweite Plattform vernetzt medizinische Einrichtungen und ermöglicht als zentrale, geschützte Cloudplattform die Nutzung von relevanten Patientendaten. Welche Vorteile hat das für Patientinnen und Patienten im Landkreis Reutlingen?
Von
Maik Wilke
Reutlingen
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Die Station B5 im Klinikum am Steinenberg ist  bis auf Weiteres geschlossen.

Kreiskliniken Reutlingen Krankenhaus Klinikum am Steinenberg

Die Kreiskliniken Reutlingen werden Mitglied des von der Landesregierung gegründeten Vereins „Medicus“. Das hat der Kreistag in seiner Sitzung am Mittwoch beschlossen.

Thomas Kiehl (Archivfoto)
  • Kreiskliniken Reutlingen treten dem landesweiten Verein „Medicus“ bei.
  • Ziel ist eine sichere Cloud, die Kliniken vernetzt und Datenaustausch erleichtert.
  • Vorteile für Patienten: weniger Doppeluntersuchungen, besser abgestimmte Behandlungen.
  • Forschung profitiert, da relevante Daten sicher nutzbar werden – mit hohen Datenschutzstandards.
  • Mitgliedsbeitrag: 42 Euro pro Bett, insgesamt 31.920 Euro pro Jahr; Projekt läuft bis Ende 2026.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Bei der Digitalisierung im Gesundheitssektor ist Deutschland nicht gerade Vorreiter. Während in anderen Ländern Ärzten in Krankenhäusern und Fachkliniken seit Jahren, teils Jahrzehnten Patientendaten schnell und unkompliziert zur Verfügung stehen, hat sich die Einführung einer digitalen Patientenakte in der Bundesrepublik immer wieder verzögert. Um in diesem Bereich besser zu werden, hatte das Land Baden-Württemberg 2023 das Projekt „Medicus“ gestartet. Vor wenigen Wochen wurde der entsprechende Verein gegründet, der die Gesundheitsplattform als dauerhafte Organisationsstruktur führen soll.

Die Kreiskliniken Reutlingen werden Mitglied in diesem Verein „Medicus“. Das hat der Kreistag in seiner Sitzung am Mittwoch beschlossen. Im ersten Schritt geht es laut Kliniken-Geschäftsführer Dominik Nusser darum, dass Krankenhäuser in Baden-Württemberg mit einer gemeinsamen Ausschreibung von Dienstleistungen der IT-Infrastruktur Kosten und Zeitaufwand sparen. „Aktuell werden Daten zwischen verschiedenen Systemen hin- und hergeschoben. Dadurch können manche IT-Firmen gleich drei Mal verdienen: am Verkauf der Software, der Dienstleistung selbst und zudem noch für die Herstellung von digitalen Schnittstellen zwischen Systemen“, erklärte Nusser im Kreistag.

Behandlungen besser aufeinander abstimmen

Ziel von „Medicus“ ist es also, Krankenhäuser, Universitätskliniken und weitere Einrichtungen wie Fachkliniken über eine gemeinsame, sichere Cloud-Infrastruktur besser miteinander zu vernetzen. Die einzelnen Häuser wie das Klinikum am Steinenberg in Reutlingen und die Albklinik in Münsingen werden entlastet. Patientinnen und Patienten profitieren, weil medizinische Informationen künftig leichter zwischen den behandelnden Einrichtungen ausgetauscht werden können. Das kann die Zusammenarbeit der Ärzte verbessern, Doppeluntersuchungen vermeiden und Behandlungen besser aufeinander abstimmen.

Neue Erkenntnisse in der Forschung schneller in die Behandlung bringen

Perspektivisch soll „Medicus“ zudem den sicheren Zugang zu relevanten Gesundheitsdaten für Versorgung und medizinische Forschung ermöglichen. Dadurch könnten neue Erkenntnisse schneller in Behandlungen einfließen und innovative Therapien rascher verfügbar werden. Hohe Sicherheits- und Datenschutzstandards sollen dabei den verantwortungsvollen Umgang mit sensiblen Gesundheitsdaten gewährleisten.

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Die Kreiskliniken Reutlingen sind im Verein „Medicus“ in guter Gesellschaft. Neben den Universitätskliniken Heidelberg, Ulm, Freiburg und Tübingen sind unter anderem die Kliniken in Stuttgart, Karlsruhe, Heilbronn und die RKH sowie der Bosch Health Care Campus Gründungsmitglieder von „Medicus“. Die Kreiskliniken Reutlingen selbst sind nicht Gründungsmitglied. Dieses Datum hat man mit dem gestrigen Beschluss um wenige Tage verpasst. „Aber wir sind somit das erste Mitglied, das neu beitritt“, sagte Nusser mit einem Lächeln.

Kreiskliniken Reutlingen zahlen jährlich 32.000 Euro als Mitgliedsbeitrag

Das Projekt wird federführend durch das Innenministerium Baden-Württemberg unter Beteiligung des Gesundheits-, Wissenschafts- und Wirtschaftsministeriums umgesetzt und bis Ende 2026 mit insgesamt rund 26 Millionen Euro durch das Land finanziert.

Der jährliche Mitgliedsbeitrag, den nun auch die Kreiskliniken Reutlingen und der Landkreis als Träger finanzieren müssen, beträgt 42 Euro pro Bett. Bei 760 Betten im Klinikum am Steinenberg in Reutlingen und der Albklinik in Münsingen ergibt sich ein jährlicher Beitrag von 31.920 Euro.

Ausfallbürgschaft auf 70 Millionen Euro erhöht

Die Mitgliedschaft im Verein „Medicus“ war nicht der einzige Beschluss des Kreistags am Mittwoch, der die Gesundheitsversorgung im Landkreis Reutlingen betrifft. Zum einen wurde auch die angestrebte Gründung einer Einkaufsgesellschaft mit der Zollernalb Klinikum gGmbH beschlossen. Dadurch könnten die Kreiskliniken künftig etwa eine Million Euro jährlich sparen, wie Kliniken-Chef Dominik Nusser in einem früheren Gespräch mit dieser Zeitung erklärte.

Zum anderen hat der Landkreis als Träger der Kreiskliniken die Ausfallbürgschaft für den Kontokorrentkredit erhöht. Dieses sperrige Wort bezeichnet den Kreditrahmen, mit dem die Kreiskliniken ihr „Konto“ beim Landkreis als Träger überziehen dürften. Dieser Betrag wurde von 50 Millionen Euro auf 70 Millionen Euro erhöht. Dabei geht es allerdings nur um ein Worst-Case-Szenario.