Jahresrückblick Reutlingen: Razzia, Rathaus-Evakuierung und Reichsbürger-Prozess

Der Parkplatz vor dem Kreuzeichestadion in Reutlingen war der Verladeplatz für eine georgische Hehlerbande. Das bayerische LKA durchsuchte das Diebesgut direkt vor Ort.
Maik Wilke (Archivfoto)- Im Oktober 2024 zerschlägt das Bayerische LKA eine georgische Hehlerbande in Reutlingen.
- Jessica Tatti wechselt von den Linken zum Bündnis Sahra Wagenknecht und wird Co-Vorsitzende.
- Im Frühjahr startet der Prozess gegen Reichsbürger Markus L., der in Stammheim schweigt.
- Im Juli wird das Reutlinger Rathaus wegen eines bewaffneten Mannes evakuiert.
- Richtfest für das umstrittene Glashaus in der Oberamteistraße im November.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Razzia gegen georgische Hehlerbande
In voller Montur stehen die Polizisten des Landeskriminalamts in der Eberhardstraße. In den maroden Gebäuden einer ehemaligen Schraubenfabrik lagern Kriminelle Diebesgut – und zwar in einer Menge, die einen besonderen Einsatz erforderlich macht.
200 Einsatzkräfte des Bayerischen LKA durchsuchen am Mittwoch, 9. Oktober 2024, sechs Objekte in Baden-Württemberg, Hamburg und Berlin. Zwölf Personen werden festgenommen, davon wichtige Drahtzieher in Reutlingen. Der Vorwurf: Die georgische Hehlerbande soll Diebesgut in Millionenhöhe zusammen mit legalen Waren über ein Subunternehmen der georgischen Post nach Georgien gebracht und dort verkauft haben. In Reutlingen durchsucht das LKA drei Lagerstätten und einen Verladeplatz direkt neben dem Stadion an der Kreuzeiche. „Pakete aus ganz Deutschland wurden hierher gebracht, um dann mit dem Lastwagen nach Georgien gefahren zu werden. Reutlingen war folglich der zentrale Umschlagplatz für Diebesgut aus ganz Deutschland“, sagt Ludwig Waldinger, Pressesprecher des Bayerischen Landeskriminalamtes, vor Ort gegenüber der SÜDWEST PRESSE.
Um zu kontrollieren, welche Pakete Diebesgut enthalten, setzt das LKA einen Scan-Van der Kontrolleinheit Verkehrssicherung des Hauptzollamts Heilbronn ein. Wie am Flughafen werden die Pakete über ein „Gepäckband“ in den Sprinter geleitet und geröntgt. „Alle verdächtigen Pakete werden händisch von den Beamten kontrolliert, ob sie für ein Verfahren relevant sind.“
Für das LKA ist es eine medienwirksame Razzia und ein großer Schlag gegen die russische Mafia.
Jessica Tatti wechselt zum Bündnis Sahra Wagenknecht
Es ist eine Personalie, die das Lager der Linken spaltet: Die Reutlinger Bundestagsabgeordnete Jessica Tatti ist nach ihrem Ausstieg bei den Linken nun Parlamentarische Geschäftsführerin bei Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) und baut in Baden-Württemberg den Landesverband als Co-Vorsitzende auf. Während viele von den Linken aus dem Reutlinger Kreisverband zum BSW mitgegangen sind, hadern andere frühere Mitstreiter mit Tattis Wechsel zu Wagenknecht und fordern sie zur Rückgabe ihres Mandats auf.
Bei der Kommunalwahl im Juni hat die CDU den Grünen wieder den Rang als stärkste Kraft im Reutlinger Gemeinderat abgelaufen. Dafür warten die Grünen mit einem absoluten Novum auf: Eleanor Weber wird mit 16 Jahren die jüngste Stadträtin in der Geschichte dieses Gremiums. Ohnehin verjüngt sich der Gemeinderat bei dieser Kommunalwahl stark: Das Durchschnittsalter sinkt von 61,3 auf 54,3 Jahre. Jürgen Fuchs von der FWV und Sarah Zickler (FDP) werden überrascht nicht wiedergewählt, die AfD legt dagegen von drei auf fünf Mandate zu. Seit dem 9. Juni sind sogar erstmals acht Parteien im Gemeinderat vertreten: Andreas Schwarz von „Die Partei“ hat den Sprung ins Reutlinger Stadtparlament geschafft und bildet mit den beiden Linken-Stadträten eine Fraktion. Im Reutlinger Kreistag bleibt die FWV mit 18 Sitzen am stärksten vertreten, vor der CDU mit 16 Mandaten und den Grünen (9).
Reichsbürger Markus L. schweigt in Stammheim
Im Frühjahr beginnt im Oberlandesgericht in Stuttgart-Stammheim der Prozess gegen die mutmaßliche Reichsbürgergruppierung um Heinrich XIII. Prinz Reuß. Im Juni und Juli hört der Senat viele Zeugen an, die Aussagen über den Reutlinger Markus L. machen, der am 22. März 2023 bei der Durchsuchung seiner Wohnung in der Peter-Rosegger-Straße durch das Spezialeinsatzkommando einem SEK-Beamten in den Ellenbogen schoss und diesen schwer verletzte.
Markus L. selbst schweigt und äußert sich nicht. Daher muss das Gericht um den Vorsitzenden Richter Joachim Holzhausen Menschen aus dem Umfeld L.s vernehmen. Von diesen wird der Reutlinger als unauffällig und nett beschrieben. Lediglich beim Thema Corona-Politik äußere sich L. ablehnend. Seine Leidenschaften: Waffen und Autos.
In den Vernehmungen der anonymisierten SEK-Beamten wird vor allem der Schusswechsel im Detail erläutert. Die Videos der Bodycams und Tonaufnahmen verdeutlichen die Dramatik, die an diesem Morgen herrscht. Für die Verteidigung L.s ist die Art des Einsatzes nicht gerechtfertigt und verhältnismäßig.

Die Polizei hatte das Reutlinger Rathaus großräumig abgesperrt. Vor der Tiefgarage des Rathauses patrouillierten Einsatzkräfte.
Mathias Grimm (Archivfoto)Rathaus wird evakuiert
Ein bewaffneter Mann betritt am 16. Juli das Rathaus in Reutlingen. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen das Gebäude verlassen, das Rathaus wird evakuiert. Einsatzkräfte der Polizei sichern das Objekt, suchen über mehrere Stunden in jedem Raum nach dem Unbekannten. Etwa zwei Wochen später folgt die Auflösung: Ein Mitarbeiter einer von der Verwaltung beauftragten Sicherheitsfirma war der Mann mit Waffe, den drei Beschäftigte gemeldet hatten.
Der Rohbau für das umstrittene Glashaus steht
Viele große, neue Bauprojekte gibt es in Reutlingen aktuell aufgrund der Finanzlage nicht. Aber ein heftig diskutiertes Bauprojekt nimmt Formen an: Im November wird Richtfest gefeiert für den Neubau des Eckhauses in der Oberamteistraße 34, das eine der ältesten Häuserzeilen Süddeutschlands stabilisieren soll. Die Stadt will das Gebäude nächstes Jahr fertigstellen – nur dann fließen die Fördermittel. Kalkuliert wird mit fünf Millionen Euro, doch die Verantwortlichen rechnen mit Mehrkosten. Die Geschichte der Häuserzeile, von der 1972 das stabilisierende Eckgebäude für einen Parkplatz abgerissen wurde, reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück.
