Investoren aus Singapur und China: Jobs gerettet – neue Eigentümer für Betz International

Die Betz International GmbH wird an das neugegründete Unternehmen „Aventra“ verkauft. Der künftige Firmensitz soll zudem von Sonnenbühl nach Reutlingen verlegt werden.
Marijan Murat/dpa- Betz International wird an das neugegründete Unternehmen Aventra mit Sitz in Düsseldorf verkauft.
- Der Standort zieht von Sonnenbühl nach Reutlingen – Geschäftsführer bleibt Sven Hess.
- Die meisten der 140 Jobs bleiben erhalten, einige Stellen entfallen, Fahrer werden gesucht.
- Bestehende Verträge und Ansprechpartner bleiben bestehen, die Flotte mit 72 Lkw soll wieder fahren.
- Aventra steht laut Hess hinter Investoren aus Singapur und China, Registereinträge folgen später.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Anfang April hatte die Betz International GmbH Insolvenz angemeldet. Nun gibt es positive Nachrichten für die Beschäftigten des Speditionsunternehmens aus Sonnenbühl: Betz International wurde an das neu gegründete Unternehmen „Aventra“ mit Hauptsitz in Düsseldorf verkauft. „Wir sind dankbar, dass der Betrieb weitergehen kann“, sagt Geschäftsführer Sven Hess im Telefonat mit dieser Redaktion. „Das ist in der aktuellen Situation nicht selbstverständlich.“ Hess, bisheriger Geschäftsführer der Betz International GmbH, bleibt beziehungsweise wird Geschäftsführer der Aventra Logistics Germany GmbH in Reutlingen.
Über den Verkauf des Unternehmens hatte Insolvenzverwalter Dirk Poff die Medien informiert. „Die Transaktion soll die nahtlose Kontinuität aller bestehenden Kundenbeziehungen, operativen Systeme und Servicestandards gewährleisten“, heißt es in einer auf Englisch verfassten Pressemitteilung. Sämtliche bestehenden Verträge, Servicevereinbarungen und festen Ansprechpartner blieben vollständig erhalten. Darüber hinaus sichere die Transaktion den Erhalt der Arbeitsplätze für die überwiegende Mehrheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Betz International GmbH und schaffe damit eine solide Grundlage für die Fortführung der bestehenden Dienstleistungen.
Fahrer gesucht: komplette Fahrzeugflotte soll wieder auf die Straße
Von der Insolvenz und dem drohenden Jobverlust waren 140 Beschäftigte bedroht. Hess bestätigt, dass die meisten und somit mehr als 100 der Stellen erhalten bleiben. Nur „eine kleine Zahl“ an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern könne nicht weiter beschäftigt werden. Und andererseits hatten kurz nach Bekanntwerden des Insolvenzantrags einige Fahrer des Logistikunternehmens von sich aus gekündigt. „Diese Fahrer hätten wir jetzt gerne wieder. Fahrer sind auf dem Markt ein wertvolles Gut“, sagt Hess. „Die Auftragslage gebe es auf jeden Fall her und wir suchen weiter Fahrer.“ So soll auch die komplette Fahrzeugflotte mit 72 Lastwagen wieder auf den Straßen unterwegs sein.
Mit dem Verkauf kein Teil mehr der Betz-Gruppe
Wichtig: Mit dem Verkauf an „Aventra“ ist die nun ehemalige Betz International GmbH kein Teil der Betz Holding mehr. „Wir sind damit komplett aus der Betz-Gruppe ausgeschieden“, sagt Hess. Die Aventra Logistics Germany GmbH wird ihren Sitz in der Aspenhaustraße 5 im Industriegebiet Reutlingen-West haben. Für Hess kein neuer Standort, weil dort auch bisher schon eine Betriebsstätte der Betz International gewesen ist.
Hinter dem Investorenkonsortium „Aventra“ stehen laut Hess einzelne Personen aus Singapur und China. Noch gebe es „ein paar Themen aus dem Kaufvertrag“, die noch nicht ganz sicher geregelt seien. Daher gibt es auch noch keine Einträge im Handelsregister. „Aber wir hoffen, dass alles spätestens in ein, zwei Monaten abgewickelt ist.“
Dann kann der Neustart der ehemaligen Betz International beginnen. Mit neuem Firmennamen und neuer Aufschrift auf den Lastwagen. Diese sollen weiterhin Kunden in Europa in den Bereichen Automobil, Präzisionsfertigung und Logistik bedienen. Die Stimmung bei den Beschäftigten sei aufgrund der Entwicklung für das Unternehmen „sehr positiv“, sagt Hess. „Es ist wichtig, dass alle wissen, dass es weitergeht.“
Der Hintergrund der Insolvenz
Die Betz International GmbH hatte im April den Insolvenzantrag gestellt und damit auf eine Kombination aus konjunktureller Schwäche und „einer beispiellosen Kostenexplosion im Logistiksektor“ reagiert, wie das Unternehmen damals mitteilte.
Trotz einer jahrzehntelangen Marktpräsenz und einer festen Verankerung in der Branche habe sich die Betz International GmbH laut eigener Aussage mit Rahmenbedingungen konfrontiert gesehen, „die einen weiteren profitablen Geschäftsbetrieb unmöglich machen. Das Marktumfeld war bereits in der Vergangenheit von intensivem Wettbewerb und geringen Margen geprägt. Die seit mehreren Monaten anhaltende allgemeine Konjunkturschwäche in Deutschland hat diese Situation zusätzlich verschärft.“ Hinzugekommen sei die aktuelle, exorbitante Steigerung der Energie- und Dieselpreise. Ebenso ein „intensives Wettbewerbsumfeld“.


