Insektenschutz im Demenzgarten
: Der umschwärmte Mann im Reutlinger  Seniorenheim

Imker Michael Wolf hat die Bienen zur Bruderhaus-Diakonie gebracht und mit dem Nabu einen Lehrpfad im Ringelbachgebiet eingerichtet.
Von
Thomas de Marco
Reutlingen
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Neuer Bienenlehrpfad: Imker Michael Wolf mit einem Bienenkasten im Seniorenzentrum Markwasen.

Imker Michael Wolf mit einem Bienenkasten im Seniorenzentrum Markwasen. Dort ist im Demenzgarten ein Bienenlehrpfad eröffnet worden.

Thomas de Marco
  • Im Seniorenzentrum Markwasen in Reutlingen öffnete ein Bienenlehrpfad im Demenzgarten.
  • Imker Michael Wolf betreut zwei Völker – die Kästen sind vermietet, Honig geht an die Diakonie.
  • Lehrpfad mit zwölf Stationen zeigt Bienenwissen, Schwänzeltanz und einen offenen Bienenkasten.
  • Nabu und Diakonie Deutschland förderten 5000 Euro – zusätzlich kamen 1000 Euro aus Reutlingen.
  • Vogelhecke, Totholz, Sandarium und Wildbienenhotel entstanden, Stiche bei Bewohnern gab es bisher nicht.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Großer Bahnhof für die Bienen: Mit rund 100 Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Gästen im Reutlinger Seniorenzentrum am Markwasen hat die Bruderhaus-Diakonie ihren ersten Bienenlehrpfad eröffnet. Mittendrin Michael Wolf: Er hat die Bienen ins Seniorenheim gebracht, kümmert sich als umschwärmter Mann um zwei Völker und brachte den Bienenlehrpfad auf den Weg.

Wolf ist vor 34 Jahren als Schreiner bei der Bruderhaus-Diakonie eingestellt worden und ist dort danach in die Haustechnik gewechselt. Seit 15 Jahren hält der 60-Jährige aus Dörnach bei Pliezhausen Bienen, vor fünf Jahren brachte er die fleißigen Nektarsammler mit der Bruderhaus-Diakonie zusammen. Eine Einrichtung in Mittelstadt war der erste Standort, das Seniorenzentrum im Markwasen kam als fünfte und bislang letzte Station dazu.

Bruderhaus-Diakonie mietet die Kästen und bekommt den Honig

„Anfangs gab es schon Bedenken, weil der Bienenkasten in der Nähe der Außenplätze des Cafés steht. Aber auf Kuchen fliegen die Bienen gar nicht“, erinnert sich Wolf. Die Verantwortlichen ließen sich überzeugen – sehr zur Freude des Bienenzüchters: „Ich bin dankbar, dass die Bruderhaus-Diakonie das gewagt hat“, sagt Wolf. Einmal pro Woche kontrolliert er die beiden Bienenschwärme mit Schülerinnen und Schülern der zur Diakonie gehörenden Oberlinschule.

Für den Bienenlehrpfad hat Wolf einen zweiten Bienenkasten aufgestellt. Beide Kästen werden der Einrichtung gegen einen monatlichen Betrag vermietet. Im Gegenzug erhält die Bruderhaus-Diakonie den Honig, Wachs fürs Kerzenziehen und die Kooperation mit der Oberlinschule. Pro Kasten kann der Imker zwischen 10 und 30 Kilogramm Honig im Jahr schleudern, das entspricht rund 60 Gläsern zu je 250 Gramm.

„Wir haben tolle Erfahrungen gemacht mit der Imkerei“, sagte Marc Böhringer bei der Eröffnung des Bienenlehrpfads. Er leitet die Altenhilfe der Bruderhaus-Diakonie in der Region Reutlingen-Tübingen. „Der Honig steht auf dem Frühstückstisch der Einrichtung, wird verschenkt und teilweise auch verkauft.“ Der Schutz von Insekten werde immer wichtiger, betonte Nedjeljko Tosic, der Reutlinger Fachbereichsleiter der Altenhilfe. „Das setzt aber Wissen voraus.“

Neuer Bienenlehrpfad im Reutlinger Seniorenzentrum Markwasen.

Station 4: Auf zwölf Tafeln wird Wissenswertes zu Bienen und Honig vermittelt.

Thomas de Marco

Das vermittelt der Lehrpfad an zwölf Stationen: Eine Biene muss 20.000 Ausflüge absolvieren, um 300 Gramm Honig zusammenzubekommen, ist da zu lesen. Oder dass der Honig über 200 verschiedene Inhaltsstoffe enthält. Gezeigt wird das Innere eines unbewohnten und nur mit Bienenbildern bestückten Bienenkastens. Auch das Schwänzeln, die getanzte Sprache der Bienen, wird illustriert.

Bisher sind noch keine Bewohner gestochen worden

Zudem sind eine Vogelhecke, ein Totholzplatz und für Eidechsen ein Lesesteinhaufen angelegt worden. Ein Sandarium bietet bodenbrütenden Wildbienen den dafür notwendigen Sandboden. Außerdem steht eine Behausung für andere Wildbienenarten auf dem Gelände des Lehrpfads. Denn auch an Wildbienen soll bei solchen Anlagen verstärkt gedacht werden, sagt Projektleiter Armin Koch vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

Imker Wolf steht zwar bei der Eröffnung des Pfads ziemlich unter Stress und führt interessierte Gruppen durch den Garten. „Aber es ist auch ein sehr schönes Gefühl. Darauf haben wir zwei Jahre lang hingearbeitet“, sagt er. „Ich möchte die Bienen mehr ins Bewusstsein der Leute bringen. Denn heute wird es immer schwieriger, Blütenhonig zu bekommen“, erklärt Wolf. Und ist froh, dass es bisher in den Heimen noch nie zu einem schmerzhaften Zusammentreffen mit den Insekten gekommen ist: „Der Einzige, der gestochen wird, bin ich!“

Aktion „1000 Gärten“: Nabu und Diakonie Deutschland arbeiten zusammen

Den Bienenlehrpfad im Reutlinger Seniorenzentrum Markwasen haben der Naturschutzbund Nabu und die Diakonie Deutschland mit 5000 Euro gefördert. Beide sind 2002 eine strategische Partnerschaft eingegangen: Mit dem Projekt „1000 Gärten“ werden Außenflächen diakonischer Einrichtungen naturnah und insektenfreundlich gestaltet. Zudem unterstützt das Reutlinger Spendenparlament den Lehrpfad mit 1000 Euro. „Als wir vor zwei Jahren angefragt wurden, sind wir sofort begeistert gewesen!“, sagt Angelika Mehnert, die Vorsitzende der Finanzkommission. Der Demenzgarten mit dem Lehrpfad ist zwar nicht öffentlich zugänglich. „Aber wer sich bei der Altenhilfe anmeldet, kann ihn besichtigen“, sagt Christine Kolb und verweist dafür auf die Telefonnummer (07121) 278 330.