Hoffmannstraße in Reutlingen: Betzinger Brücke befahrbar – sogar für 60-Tonner

70 Zentimeter höher und zugelassen für den Schwerlastverkehr: Die neue Echazbrücke in der Hoffmannstraße in Betzingen.
Maik Wilke- Neue Echazbrücke Hoffmannstraße in Betzingen für Verkehr freigegeben (23. März 2026).
- Brücke 70 cm höher, kein Mittelpfeiler: Hochwasserschutz für „hundertjähriges Hochwasser“.
- Seit 2007 wieder für Schwerlast bis 60 Tonnen freigegeben; Kosten: 3 Mio. Euro.
- Bauphase heikel: 28-m-Provisorium mit 15 Leerrohren/21 Kabeln über Sparkasse gesetzt.
- Nächste Schritte: Beseitigung „Flaschenhals“ bis 2028, Gesamtabschluss Ziel Jahr 2030.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Während der Bauphase gab es mehrere heikle Momente. Einer davon: Im April 2024 musste eine provisorische Brücke über das Sparkassengebäude gehoben und exakt platziert werden. In dieser 28 Meter langen Stahlkonstruktion verbaute die Firma Leonhard Weiss 15 Leerrohre mit 21 Kabeln – hätte der damalige Bauleiter gepatzt, hätten Hunderte Betzingerinnen und Betzinger keinen Strom und keine Internetverbindung gehabt. Doch alles ging gut, die Arbeiten konnten störungsfrei fortgesetzt werden – und am Montag, 23. März 2026, wurde die neue Echazbrücke in der Hoffmannstraße nach langer Bauzeit offiziell für den Verkehr freigegeben.
Die wichtigste Neuerung im Vergleich zur 1908 erbauten und daher maroden Vorgängerbrücke befindet sich unter den Fahrbahnen. Die Echazbrücke in der Hoffmannstraße ist ein elementarer Bestandteil des Hochwasserschutzes in Betzingen. Reutlingens größter Stadtbezirk war in der Vergangenheit oft und schwer von Starkregen betroffen. Regnen wird es auch künftig natürlich noch, aber der entscheidende Unterschied: Die neue Brücke hat keinen Mittelpfeiler mehr. An diesem verfingen sich bei Starkregen Schutt und Äste und verstopften dadurch den Flusslauf – die Gefahr für eine Überschwemmung stieg erheblich.
Silberlinden, Wildblumen und Haselsträucher neben der Brücke
Nun können Wassermassen und Treibgut ungehindert unter der Brücke Hoffmannstraße hindurchfließen; zudem liegt diese 70 Zentimeter höher. All das sorgt dafür, dass ein „hundertjähriges Hochwasser einschließlich eines Klimafaktors von 15 Prozent“ keine Überschwemmung der Brücke mehr auslösen sollte. Klimaresistente Silberlinden wurden neben der Brücke gepflanzt, ebenso Wildblumen und Kräuter sowie Erlen- und Haselsträucher.
Bei der Definition eines hundertjährigen Hochwassers muss man jedoch neue, dem Klimawandel angepasste Einstufungen finden. „Wir haben leider eine traurige Routine, was Hochwasser betrifft“, sagte Betzingens Bezirksbürgermeister Friedemann Rupp gegenüber der SÜDWEST PRESSE in einem früheren Gespräch. „Jahrhunderthochwasser kommen bei uns alle drei Jahre vor.“

Die Brücke Hoffmannstraße liegt direkt an der Julius-Kemmler-Halle und der Friedrich-Hoffmann-Gemeinschaftsschule ist daher eine wichtige Route durch Betzingen.
Maik Wilke3 Millionen Euro Baukosten
Neu ist auch, dass die Brücke seit 2007 nun wieder für den Schwerlastverkehr mit bis zu 60 Tonnen freigegeben ist. Die Brücke kostet drei Millionen Euro, die Hälfte davon steuert das Land Baden-Württemberg bei.
Weil Betzingen regelmäßig von Hochwasser betroffen ist, hat die Stadtentwässerung Reutlingen das Entwicklungskonzept Echaz erarbeitet (wir berichteten mehrfach). Diese Konzeption sieht eine Gewässerveränderung auf insgesamt einem Kilometer Strecke, beginnend ab der Brücke Dieselstraße bis in den Bereich Im Wasen vor und gliedert sich in sechs Maßnahmenbausteine.
Hochwasserschutz: Der Flaschenhals fehlt noch
Abgeschlossen sind der Neubau Brücke Hans-Roth-Weg (2016 und 2017), die naturnahe Umgestaltung der Echaz im Bereich Gaasgarten (von 2020 bis 2022), die naturnahe Umgestaltung der Echaz unterhalb der ehemaligen Gärtnerei Baisch (2022) und nun eben auch der Ersatzneubau für die marode Brücke Hoffmannstraße.
Damit der Hochwasserschutz in Betzingen abgeschlossen ist, muss vor allem noch die Engstelle auf Höhe der VHS beseitigt werden. Dieser „Flaschenhals“ ist ebenso entscheidend – und nach langen Verhandlungen konnte die Stadt im Januar 2024 etwa 400 Quadratmeter Fläche des bisherigen Privateigentümers auf der Lidl-Uferseite kaufen. Auf dieser künftigen Retentionsfläche wird der Flusslauf der Echaz von sieben auf durchgängig 15 Meter verbreitert – „ein Meilenstein und elementarer Baustein für den Hochwasserschutz in Betzingen“, betonte Oberbürgermeister und Betzinger Thomas Keck damals.
Sobald die VHS in das Egelhaaf-Areal umgezogen ist, werde die Stadt die Anbauten Im Wasen 12 und 14 abreißen. 2028 soll die Engstelle am Noch-„Flaschenhals“ beseitigt sein. Anschließend fehlt nur die deutlich kleinere Maßnahme vom Hans-Roth-Weg bis zur Hoffmannstraße, wo die Echaz neu gestaltet und mit einer Hochwasserschutzmauer versehen werden soll. Dann, die Stadt plant mit dem Jahr 2030, ist das Hochwasserschutzkonzept für Reutlingens größten Stadtbezirk komplett umgesetzt.


