Hochwasser in Reutlingen
: So ist die Lage in Pfullingen, Eningen und Lichtenstein

Das Wasser hält die Region auf Trab. Während die Stadt Reutlingen vom Regen gebeutelt ist, geht es den umliegenden Städten und Gemeinden nicht wirklich besser. Ein Überblick.
Von
Lea Irion
Pfullingen/Eningen/Lichtenstein
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Installation des mobilen Hochwasserschutzes in Lichtenstein

Kampf gegen das Wasser: Installation eines mobilen Hochwasserschutzes in Lichtenstein.

Feuerwehr Lichtenstein

Die Feuerwehren im Kreis Reutlingen hatten sich das erste Juni-Wochenende sicherlich etwas ruhiger vorgestellt: Seit Freitag steht das Einsatztelefon der Wehrkräfte nicht still. Vollgelaufene Keller, Hangrutsche und geflutete Örtlichkeiten erforderten Sandsäcke, Wasserpumpen und das schnelle Errichten eines Hochwasserschutzes. Die guten Nachrichten vorweg: Weder in Pfullingen noch in Eningen oder Lichtenstein kamen Menschen zu Schaden.

Trotzdem ist die Echaz in weiten Teilen Reutlingens um über einen Meter angestiegen, und das freilich nicht folgenlos. „In Pfullingen beschränken sich die Hochwasserschäden maßgeblich auf vollgelaufene Keller und überflutete Wegabschnitte in der unmittelbaren Flussnähe“, sagt Pfullingens Pressesprecher Markus Hehn auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE. Die Echaz sei in Pfullingen durchschnittlich um einen Meter angestiegen und halte diesen Pegel nun relativ stabil seit dem Samstag.

110 Tonnen Sand in Säcke umgefüllt

16 Einsätze arbeitete die dortige Feuerwehr am Samstag und Sonntag ab, 13 Fahrzeuge waren mit 70 Wehrleuten unterwegs. Hierbei habe man entlang der Echaz Sandsackbauten errichtet, um gefährdete Gebäude und Straßen vor Überflutungen zu schützen. Keller seien obendrauf ausgepumpt worden, Einlaufbauwerke habe man von Treibgut befreit.

Doch damit nicht genug: Ebenso wurden für das Stadtgebiet und für die Feuerwehren des Landkreises an die 6000 Sandsäcke gefüllt, wozu 110 Tonnen Sand verarbeitet worden seien. „Hiervon wurden 3700 Sandsäcke an die Feuerwehr Reutlingen, 1500 Sandsäcke an die Werkfeuerwehr Sika in Bad Urach und 800 Sandsäcke an die Feuerwehr Lichtenstein geliefert“, schreibt Pfullingens Feuerwehr in ihrem Lagebericht.

Im Vogelsang in Honau musste ein Spielplatz abgepumpt werden.

Im Vogelsang in Honau musste ein Spielplatz abgepumpt werden.

Feuerwehr Lichtenstein

Aufgrund des stetig steigenden Pegels der Echaz habe man außerdem am Samstagabend die Gönninger Straße gesperrt, im Bereich zwischen Klemmenstraße und Großer Ziegelstraße, um im Brückenbereich Schutzvorkehrungen zu treffen. Hier wurde seitens der Feuerwehr zur Sicherheit ein Hochwasserwall errichtet, um überströmendes Wasser zu kanalisieren. „Zusätzlich wurde eine Person als vorübergehende Notunterkunft in eine städtische Wohnung gebracht“, schreibt Markus Hehn. „Weiterhin weisen wir dringend darauf hin, dass die aktuelle Situation bei gleichbleibend hohen Wasserständen nach wie vor Gefahren birgt.“

Pegelstände sind teils rapide angestiegen

Etwas glimpflicher ging die Situation in Eningen aus. „Zwei Keller mussten ausgepumpt werden und Sandsackbarrieren im Obtal und im Arbachtal errichtet werden“, gibt Hauptamtsleiterin Ute Petrick bekannt. Darüber hinaus habe man aber weder Personen- noch Sachschäden verzeichnen können. „Die Pegelstände werden an verschiedenen Stellen im Gemeindegebiet gemessen. Diese sind bei starken Regenfällen zwar schnell angestiegen, aber glücklicherweise nach kurzer Zeit auch relativ schnell wieder gesunken, beziehungsweise ist das Wasser abgelaufen“, so Petrick.

Trotzdem wurde aus Sicherheitsgründen das Eninger Waldfreibad zeitweise gesperrt. Das Freibad war von Freitagnachmittag bis Sonntag geschlossen, auch das Frühschwimmen am Montag musste ausfallen. „Im Freibad wurde nach dem Hochwasser 2016 eine Flutmulde gebaut, die gut funktioniert hat. Zusätzlich wurden noch Sandsackbarrieren errichtet. Dadurch konnte das Hangwasser von den Becken abgehalten werden“, führt Eningens Hauptamtsleiterin aus.

Und in Lichtenstein? Dort wütete das überlaufende Wasser mehr als in Pfullingen und Eningen zusammen. „Die Feuerwehr Lichtenstein musste seit Freitag zu 50 hochwasserbedingten Einsätzen in den Ortsteilen Unterhausen und Honau ausrücken und ist auch noch weiterhin im Einsatz“, schreibt Lichtensteins Pressesprecher Kai Bitz. Durch den Dauerregen der letzten Tage seien die Pegel der Echaz in Lichtenstein „extrem stark“ gestiegen.

Ein mobiler Damm mit Sandsäcken im Drosselweg von Unterhausen.

Ein mobiler Damm mit Sandsäcken im Drosselweg von Unterhausen.

Feuerwehr Lichtenstein

Der Normalpegel der Echaz liege am Messstandort bei circa 0,4 Metern. „Durch den ergiebigen Regen ist der Pegel um mehr als einen Meter auf bis zu 1,57 Meter angestiegen“, so Bitz. Teilweise sei die Echaz über die Ufer getreten. Der stark gestiegene Grundwasserspiegel sorgte zusätzlich für überflutete Wiesenflächen und vollgelaufene Keller. Die Verwaltung arbeite laut Bitz noch immer in enger Zusammenarbeit mit der Feuerwehr und dem Bauhof daran, durch präventive Maßnahmen Schlimmeres zu verhindern.

Geologe musste wegen Hangrutsch zurate gezogen werden

Auch in Lichtenstein wurden mobile Hochwasserschutzsysteme und Sandsackbarrieren installiert, um die Bewohnerinnen und Bewohner samt kritischer Infrastruktur vor Überflutungen zu schützen. Die Feuerwehr Lichtenstein sei mit insgesamt 65 Einsatzkräften im Einsatz gewesen.

Aufgrund drohender Hangrutsche wurde die Schlösslessteige unterhalb des Gießsteins vorübergehend gesperrt. „Die fachliche Begutachtung durch einen hinzugezogenen Geologen lieferte allerdings keine Anhaltspunkte für bevorstehende Hangrutsche“, erläutert Lichtensteins Pressesprecher. Die andauernde Gefahr durch umstürzende Bäume erfordere hingegen weiterhin eine Sperrung. Immerhin: „Es zeigt sich, dass insbesondere die Hochwasserschutzmaßnahmen und Modernisierungen, die nach dem Hochwasser 2013 durchgeführt wurden, Wirkung zeigen.“