Hilfe für Suizidgefährdete
: Der Arbeitskreis Leben Reutlingen sucht Krisenbegleiter

Die neuen Ausbildungskurse dafür beginnen im Januar.
Von
Norbert Leister
Reutlingen
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Die Krisenbegleiter Maike Schmid (von links sitzend), Inés Oder und Franz Sebastian fanden mit Hilfe von Bettina Guhlmann (links hinten) und Kerstin Herr eine bereichernde Tätigkeit.

Leister

„Manchmal kommt eine Klientin oder ein Klient und sie erzählen uns zunächst von einer Beziehungskrise„, sagt Inés Oder während eines Pressegesprächs des Arbeitskreises Leben in den Räumen des AKL in der Reutlinger Karlstraße. Inés Oder ist als systemische Therapeutin ebenso wie Maike Schmid als Traumtherapeutin sozusagen „vom Fach“ — sie bringen sich aber wie auch Franz Sebastian als ehemaliger Zahnarzt ehrenamtlich beim AKL ein. Sie sind so genannte Krisenbegleiter. Und Sebastian unterstreicht: „Viele Klienten kommen mit einem Problem, schnell werden daraus aber vier oder fünf.“ Beziehungskrise, Schulden, Alkohol, psychische Probleme, Kind gestorben — vieles ist denkbar.

Offen und neugierig sein

Die Ehrenamtlichen erhalten  eine fundierte Ausbildung, die von Januar bis Juli in rund 60 Stunden absolviert wird. Ein Wochenende ist laut Guhlmann mit dabei, alle 14 Tage trifft sich die Ausbildungsgruppe darüber hinaus drei Stunden lang. „Für die neue Gruppe beginnen wir jetzt mit den Vorgesprächen“, betont Herr. „Man sollte gefestigt und stabil sein, um die notwendige Distanz zu den Klienten aufbringen zu können.“ Empathie, Einfühlungsvermögen, Offenheit und Neugier an anderen Menschen seien Voraussetzungen, die Interessierte mitbringen sollten.

Eine bereichernde Tätigkeit

So unglaublich schwer und belastend, wie sich manche die Arbeit mit Suizidgefährdeten vorstellen, sei die Tätigkeit nicht, wie Inés Oder betont. Wenn mithilfe der Krisenbegleiter die Krisen überwunden werden können, dann „macht das auch richtig stolz„, betont Maike Schmid und berichtet von einem Klienten, der sogar aus dem Hartz–IV–Bezug rausgeflogen war und mit ihrer Hilfe „wieder für sein Leben einstehen konnte, heute hat er einen Vollzeitjob“, so Schmid.  Es handle sich bei der Tätigkeit als Krisenbegleiter um „eine sehr bereichernde Tätigkeit„.

Nicht allein, weil von den Klienten zumeist viel Dankbarkeit zurückkommt, sondern auch „wenn man die Geschichte der Menschen kennenlernt, dann kann man verstehen, warum sie manche Probleme nicht lösen können“, so Oder. „Mein Blick auf mein eigenes Leben hat sich durch die Tätigkeit geändert, ich steigere mich nicht mehr so sehr in Problemchen rein.“

Sich von den Problemen abgrenzen

Allerdings müsse man schon aufpassen, dass man sich von den Klienten abgrenzen kann. Die Probleme der anderen sollten nicht mit nach Hause genommen werden. Auch dazu gibt es Unterrichtseinheiten und in der Supervision, zu der sich die Gruppe alle zwei Wochen trifft, werden all diese Themen besprochen. Auch so was wie Geduld. „Seit der Ausbildung weiß ich, dass ich persönlich viele Probleme der Klienten lösen könnte, aber der andere Mensch mit seinen Fähigkeiten kann das halt nicht“, betont der ehemalige Zahnarzt, der ebenso wie Maike Schmid seit 2017 beim AKL ehrenamtlich dabei ist. Inés Oder bringt sich seit sieben Jahren als Krisenbegleiterin ein. Alle drei Ehrenamtlichen wollten ihre Tätigkeit nicht missen. Etwa ein bis zwei Stunden in der Woche verbringen die Krisenbegleiter mit ihrer Tätigkeit. Und eines müsse auf jeden Fall noch erwähnt werden, da ist sich das Trio einig: „Das ist eine sehr sinnstiftende Arbeit.“ Und bei pro Tag ein bis zwei Anfragen von Klienten an den AKL ist es zudem eine dringend notwendige Tätigkeit.

Der neue Krisenbegleiter-Ausbildungskurs des AKL Reutlingen beginnt im Januar und endet im Juli des kommenden Jahres. Insgesamt um die 70 Stunden sind vonnöten, die aber jede Menge Persönlichkeitsarbeit und auch viel Wissen mit sich bringen. Die finanzielle Eigenbeteiligung liegt bei 140 Euro. Anmelden sollten sich Interessierte bis spätestens Ende Oktober.