HAP Grieshaber
: Epochales Werk zum Bauernkrieg kehrt nach Reutlingen zurück

Kunstmuseum Spendhaus: Neue Ausstellung zeigt bis 18. Januar Arbeiten des bekannten Künstlers im Umfeld des 500. Jahrestags des Aufstands der Bauern.
Von
swp
Reutlingen
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Das Kunstmuseum widmet seine neue Ausstellung dem Künstler HAP Grieshaber und dessen künstlerischer Aufarbeitung des Bauernkriegs.

Das Kunstmuseum widmet seine neue Ausstellung dem Künstler HAP Grieshaber und dessen künstlerischer Aufarbeitung des Bauernkriegs.

Kunstmuseum
  • Kunstmuseum Reutlingen zeigt HAP Grieshabers Werke zum Bauernkrieg bis 18. Januar.
  • Fokus: 500. Jahrestag des Bauernkriegs und Grieshabers Engagement für Gerechtigkeit und Freiheit.
  • Highlight: Holzschnitt-Diptychon „Bauernkrieg“ erstmals seit 60 Jahren öffentlich zu sehen.
  • Zweite Etage widmet sich Jerg Ratgeb, Maler und Bauernführer, der 1526 hingerichtet wurde.
  • Ausstellung betont aktuelle Relevanz der Forderungen nach Gleichheit und Freiheit.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Mit einer neuen Ausstellung würdigt das Kunstmuseum Reutlingen Spendhaus die künstlerischen und zugleich politischen Arbeiten von HAP Grieshaber zum Bauernkrieg. Dieser war vor 500 Jahren die größte Volkserhebung vor der Französischen Revolution. Dessen Manifest, die im März 1525 in Memmingen verfassten Zwölf Artikel der Bauernschaft, sind nach der Magna Charta das erste schriftliche Dokument in der Geschichte Europas, dem Ideen von Menschen und Freiheitsrechten zugrunde liegen.

HAP Grieshaber (1909 bis 1981), der sich durch Herkommen und Anliegen mit der bäuerlichen Erhebung eng verbunden sah, verstand sich als „homme engagé“, wie es in einer Mitteilung des Kunstmuseums zur Eröffnung der neuen Ausstellung jetzt am Donnerstagabend heißt. Für ihn war der Bauernkrieg mehr als nur ein Thema: „Das ist meine Existenz, das ist die Existenz der Menschen.“ Vor 50 Jahren war ihm daher das mangelnde Interesse in der Bundesrepublik am 450. Bauernkriegsjubiläum ein Ärgernis, das mit einer dem Bauernkrieg gewidmeten Ausgabe des „Engel der Geschichte“ zur künstlerischen Tat wurde. ​

Grieshaber wollte mit seiner Arbeit Grenzen überwinden

Gemeinsam mit Bernhard Heisig erschien zudem in der damaligen DDR die Mappe „Dran dran, weil ir tag habt“. Dass im Arbeiter- und Bauernstaat das Jubiläum in ganz anderer Weise begangen, aber auch für eigene Zwecke instrumentalisiert wurde, hielt Grieshaber nicht von einer Zusammenarbeit ab. Für ihn war es wichtig, Grenzen zu überwinden. Bereits 1963 entstand als erste künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema der großformatige Farbholzschnitt „Bauernkrieg“, den Grieshaber als Diptychon anlegte. Dessen Schwarzplatte und ein Schwarzweiß Abdruck wurden im Folgejahr Teil der Bilderwand „Graphik 1963“, die auf der „documenta III“ in Kassel an prominentem Ort in der Rotunde des Fridericianums ausgestellt war. Hier präsentierte Grieshaber seinen damaligen künstlerischen Kanon, in dem das Bauernkriegs-Diptychon einen großen Raum einnimmt.​

Direkt nach der „documenta III“ wurden neun der zehn Teile der „Graphik 1963“ im oberfränkischen Barockschloss Erkersreuth fest montiert. Seither zieren sie das „Kupferzimmer“ im ersten Obergeschoss, in dem die Wohn- und Repräsentationsräume des Porzellanunternehmers Philip Rosenthal lagen. Dort empfing er Gäste wie Willy Brandt, Helmut Schmidt, Walter Gropius und Andy Warhol. Manfred Schneckenburger, 1977 und 1987 künstlerischer Leiter der „documenta“, umreißt die Bedeutung von Grieshabers Werk: „Sein Holzschnitt hatte sich nicht nur das Bild, sondern über den Druckstock auch die Skulptur, ja die Architektur erobert.“ ​

Erstmals seit 60 Jahren ist die Arbeit öffentlich zu sehen

Nach über sechzig Jahren kommt der Bauernkrieg wieder an seinen Ursprung zurück und ist erstmalig seit der „documenta III“ für einige Monate öffentlich zu bewundern. Das Werk bildet den Höhepunkt der ersten Ausstellungsetage. Die zweite Ausstellungsetage ist Grieshabers Auseinandersetzung mit dem Maler und Bauernführer Jerg Ratgeb gewidmet, der 1526 in Pforzheim wegen seiner Beteiligung am Bauernkrieg grausam hingerichtet wurde. Der Name geriet in Vergessenheit, sein Herrenberger Altar wurde 1890 für wenig Geld an die Staatsgalerie Stuttgart verkauft. Auf einer der sieben Holzrelieftafeln, die Grieshaber 1973 für den Pforzheimer Ratssaal schuf, ist die Vierteilung des Jerg Ratgeb dargestellt. Grieshaber führt damit den Stadtoberen auch heute noch das einst in Pforzheim begangene Unrecht vor Augen. ​

Den Holzschnitt „Für Jerg Ratgeb“ gestaltete Grieshaber 1976 für den AStA in Hohenheim anlässlich der Einweihung der Thomas-Müntzer-Scheuer. Das Motiv diente später als Plakat für den von HAP Grieshaber gemeinsam mit Rolf Szymanski gestifteten Jerg-Ratgeb-Preis, mit dem er sehen wollte, „ob nicht auch die Maler einen Preis im Range des Büchner-Preises wert sind“, zum Gedächtnis „eines Großen, der Revolutionär und Künstler gleichermaßen war.“ ​

Bäuerlicher Aufstand soll lebendig in Erinnerung bleiben

Ratgeb diente Grieshaber als Projektionsfläche für drei Anliegen: Gegen das Vergessen anzugehen, gegen Unrecht und Unterdrückung aufzustehen und sich für die Freiheit – auch die der Kunst – einzusetzen. Dementsprechend führt Grieshabers Einsatz über das Erinnern an den Bauernkrieg hinaus. So engagierte er sich stark gegen die von 1967 bis 1974 in Griechenland herrschende Militärdiktatur. Zum Dank veranstaltete Athen 1977 eine Grieshaber-Ausstellung, die anschließend, erweitert, auch in Berlin gezeigt wurde (Mahnbilder für die Freiheit und die Menschenrechte). Auf Grieshabers Wunsch enthält der damalige Katalog einen ausführlichen Teil zur neueren griechischen und chilenischen Geschichte sowie zum Bauernkrieg. ​

Grieshabers Blick auf den Bauernkrieg ist kein Blick zurück. Die Reutlinger Ausstellung veranschaulicht sein eindringliches Anliegen, die immer noch nicht voll eingelösten Gerechtigkeits- und Gleichheitsforderungen der bäuerlichen Erhebung lebendig und aktuell zu halten. Die Initiatoren der Ausstellung im Kunstmuseum Reutlingen dankten in Verbindung mit der Eröffnung der „Kultur Erbe Bayern Stiftung und Verein“ für die Möglichkeit, Teile der Graphik 1963 erstmals seit über 60 Jahren außerhalb von Schloss Erkersreuth zeigen zu können. Eine Begleitpublikation zur Ausstellung ist in Vorbereitung. Ein digitales Angebot erscheint unter: „https://www.das-politische-schneiden.de“.