Handwerkskammer Reutlingen
: Weiterhin ein Stabilitätsanker trotz verhaltener Nachfrage

Im Mittelpunkt der Vollversammlung im Winterhalbjahr stand jetzt die Feststellung des Wirtschaftsplans 2026 und die Festsetzung des Handwerkskammerbeitrags.
Von
swp
Reutlingen
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Bei der Vollversammlung der Handwerkskammer Reutlingen stand unter anderem die konjunkturelle Lage im Fokus.

Bei der Vollversammlung der Handwerkskammer Reutlingen stand unter anderem die konjunkturelle Lage im Fokus.

Handwerkskammer
  • Handwerkskammer Reutlingen bleibt Stabilitätsanker trotz verhaltener Nachfrage.
  • Wirtschaftslage: 60 % der Betriebe positiv, Kapazitätsauslastung bei 58 % über 80 %.
  • Ausbildungsplus: 1,4 % mehr Verträge, unbesetzte Lehrstellen auf 359 gesunken.
  • Neuer „Meisterclub“ startet 2026 mit Fachvorträgen, Workshops und Mentoring.
  • Finanzplan 2026: Defizit von 2,81 Mio. €, Beitragserhöhungen ab 2027 nötig.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Kürzlich fand die Wintersitzung der Vollversammlung der Handwerkskammer Reutlingen statt. Im Mittelpunkt stand die Feststellung des Wirtschaftsplans 2026 und die Festsetzung des Handwerkskammerbeitrags, des Berufszuschlags und die Erhöhung des Sonderbeitrags „ÜBA-Umlage“ für das Wirtschaftsjahr 2026.

Auch die konjunkturelle Lage, die Stärkung der überbetrieblichen Bildungsstätten, die positive Entwicklung der Ausbildungszahlen sowie strategische Weichenstellungen in den Bereichen Nachwuchs, Unternehmensnachfolge, Digitalisierung und Weiterbildung waren Themen im Gremium, wie es in einer Mitteilung an die Medien heißt.

Zu Beginn der Versammlung ordnete Präsident Alexander Wälde die aktuelle Wirtschaftslage ein. Er betonte, dass sich das regionale Handwerk auch im dritten Quartal 2025 als Stabilitätsanker behauptete. Während die Geschäftslage auf hohem Niveau verharrte, dämpfte eine verhaltene Nachfrage die Umsatzentwicklung. Die Geschäftslage werde von 60 Prozent der Betriebe als gut bewertet, der Anteil mit einer schlechten Lage sei auf 8 Prozent gesunken. Die Kapazitätsauslastung bleibe hoch – 58 Prozent der Betriebe seien zu mehr als 80 Prozent ausgelastet.

19 Prozent der Betriebe habe Personal aufgebaut

Gleichzeitig setze sich die positive Beschäftigungsentwicklung fort: 19 Prozent der Betriebe bauten Personal auf, nur 10 Prozent mussten reduzieren. „Wir sehen eine robuste Ausgangslage und blicken vorsichtig optimistisch auf das Schlussquartal“, sagte Wälde. „Gleichzeitig bleibt die verhaltene Nachfrage unsere Achillesferse. Ohne spürbare Impulse aus der Gesamtwirtschaft werden die konjunkturabhängigen Zuliefererbranchen weiterhin unter Druck stehen.“

Die Vertretenden der Vollversammlung begrüßten, dass die Landesregierung Baden-Württemberg im Rahmen des Nachtragshaushalts 2025/26 die überbetrieblichen Bildungsstätten des Handwerks einmalig aus Mitteln des Sondervermögens unterstützen werde. Dieser Erfolg ist der intensiven und koordinierten Lobbyarbeit der Handwerksorganisationen, insbesondere von Handwerk BW, zu verdanken. „Das ist ein wichtiges Signal für die Zukunftsfähigkeit unseres Handwerks“, unterstrich Wälde. „Jeder Euro für Bildungsinfrastruktur ist eine Investition in die Fachkräftesicherung und die Innovationskraft unserer Region.“

Hauptgeschäftsführerin Christine Nowottny präsentierte eine positive Bilanz der Ausbildung. Zum Stichtag 31. Oktober wurden im Kammerbezirk 1904 neue Ausbildungsverträge registriert. Das entspricht einem Plus von 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gesamtbestand an Ausbildungsverhältnissen stieg auf 4051 und damit um 2,5 Prozent. In den Landkreisen verlief die Entwicklung überwiegend positiv: Sigmaringen legte um 9,6 Prozent zu, Freudenstadt um 7,2 Prozent, Reutlingen blieb mit +0,5 Prozent stabil. Leichte Rückgänge verzeichneten Tübingen (-3,3 Prozent) und Zollernalb (-1,7 Prozent).

Der neue „Meisterclub“ ist offiziell an den Start gegangen

Zugleich sank die Zahl der unbesetzten Stellen in der Lehrstellenbörse von 461 auf 359. „Die Zahlen zeigen: Unsere Vermittlungsbemühungen wirken“, sagte Nowottny. „Damit Betriebe maximal profitieren, sollten offene Ausbildungs- und Praktikumsplätze konsequent über das Kundenportal der Kammer gemeldet werden.“

Mit dem offiziellen Startschuss bei der Meisterfeier hat die Handwerkskammer den neuen Meisterclub auf den Weg gebracht. Das Netzwerk richtet sich an alle Meisterinnen und Meister der Region und startet ab 2026 mit Fachvorträgen, Workshops, Mentoring sowie Gründungs- und Nachfolgetagen. „Der Meisterclub stärkt die Bindung zu unseren Mitgliedern, fördert den Wissenstransfer und macht die Handwerkskammer Reutlingen als modernen, zukunftsorientierten Partner sichtbar“, sagte Nowottny. Geplant ist zudem, Meisterinnen und Meister verstärkt als Dozentinnen und Dozenten sowie als Prüferinnen und Prüfer einzubinden.

Die Ergebnisse der ZDH-Strukturumfrage 2025 bestätigen die großen strukturellen Aufgaben im Handwerk. Zwei Drittel der Betriebe beschäftigen maximal vier Personen, die durchschnittliche Betriebsgröße liegt bei 8,6 Mitarbeitenden. Fast die Hälfte erzielt Jahresumsätze unter 250.000 Euro. 57 Prozent der Inhaberinnen und Inhaber sind älter als 50 Jahre. Bundesweit stehen in den nächsten fünf Jahren rund 125.000 Betriebsübergaben an.

Betriebe ganz gezielt für die Nachfolge vorbereiten

Daraus leitet die Kammer klare Schwerpunkte ab: die gezielte Nachwuchsgewinnung, die Stärkung von Gründungen über das Starter-Center, die Begleitung von Unter-nehmensnachfolgen – unter anderem durch die beantragte Förderung für einen Nachfolgemoderator und die Mitwirkung am Landesprojekt „Next Generation Handwerk“ –, die Unterstützung bei der digitalen Transformation sowie der Ausbau bedarfsgerechter Qualifizierungsangebote, unter anderem über eine standortunabhängige Online-Akademie.

Auch der Beschluss des Wirtschaftsplans für das Jahr 2026 war Gegenstand der Wintervollversammlung. Für das Jahr 2026 plant die Handwerkskammer ein Defizit in Höhe von 2,81 Millionen Euro. Dieses kann jedoch noch durch den Gewinnvortrag aus dem Jahr 2024 sowie eine Entnahme aus der Betriebsmittelrücklage ausgeglichen werden. Ab 2027 wird dies nicht mehr möglich sein, sodass strukturelle Anpassungen erforderlich werden. Gleichzeitig wird die Kammer 2026 umfangreiche Investitionen tätigen. Die größte Maßnahme betrifft die Kühlung des Kammergebäudes in Tübingen, die aufgrund der zunehmenden Klimaerwärmung insbesondere für den Lehrbetrieb unerlässlich ist. Hierfür sind rund 1 Million Euro veranschlagt. Zudem plant die Kammer Investitionen in die IT-Infrastruktur über alle Standorte hinweg von etwa 500.000 Euro.

Kammerbeitrag wird 2027 angehoben werden müssen

Der Handwerkskammerbeitrag bleibt im Jahr 2026 nochmals stabil. Für 2027 werden jedoch Beitragserhöhungen notwendig, um die finanzielle Handlungsfähigkeit zu sichern. Im Landes- und Bundesvergleich liegt der Beitrag der Handwerkskammer Reutlingen weiterhin auf einem niedrigen Niveau, was die sparsame und wirtschaftliche Arbeitsweise der Kammer unterstreicht. Um die Finanzierung der Überbetrieblichen Ausbildung sicherzustellen, wurde der Sonderbeitrag „ÜBA-Umlage“ für das Wirtschaftsjahr 2026 von 35 Prozent um 5 Prozentpunkte auf 40 Prozent angehoben.

Geschäftsbereichsleiter Finanzen und Controlling, David Blank, hob hervor, dass die Jahre 2027 und 2028 für die Handwerkskammer herausfordernd werden, da die Ertragslage der Mitgliedsbetriebe sinke, was sich unmittelbar auf die Höhe des Beitragsvolumens auswirke. Nach einer langen Phase stabiler Beiträge werden daher für 2027 Anpassungen unvermeidlich sein. Gleichzeitig bleibe die Kammer ihrem sparsamen Ressourceneinsatz verpflichtet. Um die zunehmenden hoheitlichen Aufgaben mit dem bestehenden Personalstamm bewältigen zu können, setze sie weiterhin konsequent auf Digitalisierung und Effizienzsteigerung, so Blank.