Google Suchtrends
: Google-Trends 2020: Das wurde in Reutlingen im vergangenen Jahr besonders häufig gesucht

Die Google-Suchanfragen der Reutlinger Bürger waren 2020 vorhersehbar und trotzdem interessant. Was das Internet über die Stadt und ihre Einwohner verrät. Ein Jahresrückblick der etwas anderen Art. (Glosse)
Von
Iris Simon
Reutlingen
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Das Coronavirus hat das vergangene Jahr geprägt wie kein anderes Ereignis. Deutlich werden die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf das Leben der Reutlinger anhand der Google-Suchanfragen im Internet.⇥

Dimitri Drofitsch

Man könnte meinen, das Jahr 2020 könne gar nicht schnell genug vorbei gehen.  Eine weltweite Pandemie mit derzeit 1.7 Millionen Toten, Lockdown und Kurzarbeit. Dazu ein überlastetes Pflege- und Krankenhauspersonal auf der einen Seite und zum Nichtstun verdammte Servicekräfte und Kulturschaffende auf der anderen. Und nun zum Jahresende auch noch sämtliche Rückblicke in den Zeitungen, im Fernsehen und im Radio, sodass einem noch einmal alle Ereignisse und Entwicklungen, die man gerne hinter sich lassen oder einfach nur noch in den Untiefen des Vergessens vergraben möchte, erneut vor Augen geführt werden.

Auch der Suchdienstanbieter Google beteiligt sich an diesem alljährlichen Reigen und hat nun die Top Zehn der Suchanfragen für Reutlingen bekannt gegeben. Mit dabei: Alltägliches, Internationales und ganz Praktisches.

Google Suchtrends 2020 Reutlingen: Platz Zehn: „DHL Sendungsverfolgung“

Sage und Schreibe 1,8 Milliarden Pakete hat die Deutsche Post bis Ende Dezember in diesem Jahr transportiert. Der Vorjahresrekord war dabei bereits Ende November gebrochen mit bis zu elf Millionen Sendungen an Spitzentagen, teilte das Unternehmen mit. Der gemeine Reutlinger, geplagt von Neugier und Ungeduld, wollte ganz genau wissen, wo sich das Objekt der Begierde gerade befand. Auch, wenn man dann zähneknirschend feststellen musste, dass es immer noch im Paketzentrum rumlag.

Google Suchtrends 2020 Reutlingen: Platz Neun: „Trump“

An einer Person kam man in diesem Jahr nicht vorbei und nein, es war nicht Jens Spahn. Donald Trump beherrschte die Schlagzeilen wie kaum eine andere politische Figur. Neben rassistischen und sexistischen verbalen Angriffen bei Pressekonferenzen und Veranstaltungen, polterte der amtierende US-Präsident hauptberuflich durch das Internet: Jeder, der nicht für ihn war, war gegen ihn oder ein Lügner. Während der Kurznachrichtendienst Twitter irgendwann die Notbremse zog und Trumps Tweets als Falschmeldungen kennzeichnete, schüttelte der Rest der Welt nur noch entsetzt den Kopf und googelten.

Google Suchtrends 2020 Reutlingen: Platz Acht: „Freibad Reutlingen“

Trotz Pandemie und Hygieneregelungen wollten sich die Reutlinger den Badespaß offensichtlich nicht nehmen lassen. Wer nicht in den Urlaub konnte, musste auf das Freibad ausweichen – mit vorheriger Platzbuchung versteht sich. Doch bis das Prozedere rund um Zeitfenster, Besucherlisten und Abstandsregeln feststand, verging einige Zeit mit Internetrecherche. Zeit, in der die Badeseen überrannt wurden und es zu allerlei Ärger kam. Bis hin zu einer Messerstecherei und einem Täter, der sich im Maisfeld versteckt hielt.

Google Suchtrends 2020 Reutlingen: Platz Sieben: „Curevac Aktie“

Quarantäne und Homeoffice scheinen aus Reutlinger Bürgern Aktionäre und Hedgefonds-Manager gemacht zu haben. Euphorisch wurde der Börsengang von Curevac als deutsches Biotechnologieunternehmen erwartet. Wenn man sowieso zu Hause herumsitzt, wieso nicht in vielversprechende Unternehmen investieren und sich so das Kurzarbeitsgeld aufstocken?

Google Suchtrends 2020 Reutlingen: Platz Sechs: „Wirecard Aktie“

Vielleicht, weil Euphorie eben nur eine zeitweilige und vor allem übersteigerte Hochstimmung ist. Das mussten Aktieninhaber der Wirecard AG schmerzhaft feststellen, als ihre Anlagen von heute auf morgen wertlos waren. Schätzungsweise 1,9 Milliarden Euro (verschwunden), vier Manager (einer untergetaucht) und eine unzureichende Erklärungen des Finanzministers (wäre vermutlich gerne untergetaucht) später, haben alle Beteiligten ihre Lektion gelernt. Oder auch nicht.

Google Suchtrends 2020 Reutlingen: Platz Fünf: „Corona aktuell“

Selten war es wohl so wichtig aktuell informiert zu sein, wie während der Covid-19-Pandemie. Zu Hochzeiten trudelten fast stündlich Nachrichten über steigende Infektionszahlen, neue Verordnungen und Beschränkungen ein, die direkte Auswirkungen auf das alltägliche Leben hatten und haben. Für die Reutlinger wurde aus einem Osterfest der besonderen Art so ein Weihnachten und ein Silvester der besonderen Art.

Google Suchtrends 2020 Reutlingen: Platz Vier: „Erdbeben“

„Und es hat Bumm gemacht“: Anfang Dezember kam es auf der Schwäbischen Alb mal wieder zu einem Erdbeben. Mit einer Stärke von 3,9 auf der Richter-Skala schreckte die Erschütterung vermutlich auch den ein oder andere Reutlinger aus dem Bett und sorgte für panische Anrufe beim Innenministerium. Doch die Erdbeben im Zollernalbkreis sind keine Seltenheit. Grund für die Beben ist eine tektonische Schwächezone rund um Albstadt, die seit jeher emsig vor sich hin arbeitet und dabei die Bewohner der Neckar-Alb-Region um ihren Schlaf und vor die Suchmaschine bringt.

Google Suchtrends 2020 Reutlingen: Platz Drei: „Dax“

Der Deutsche Aktienindex hat wohl ein ähnlich anstrengendes Jahr hinter sich wie die Bürger des Landes, dessen Unternehmen er bewertet. Während die Infektionen in Deutschland neue Höhen erreichten, nahm der DAX die genaue Gegenentwicklung und entschied sich für ein neues Tief mit rund 8400 Punkten am 18. März. Mittlerweile hat sich der Aktienindex wieder erholt und ist sogar auf ein Allzeithoch geklettert. Wohl auch, weil die Wirtschaftsprognosen für das kommende Jahr mit Konjunkturpaketen und Impfstrategie nicht allzu schlecht aussehen dürften.

Google Suchtrends 2020 Reutlingen: Platz Zwei: „US-Wahl“

Wer in zehn Jahren gefragt wird: „Und wo warst du als Donald Trump 2020 abgewählt wurde?“, wird vermutlich antworten „Im Bett.“ Während die Amerikaner ihr Schicksal für die nächsten vier Jahre besiegelten, schlummerte Europa im Land der Träume. Nur so konnte man dem Wahlkrimi der Vereinigten Staaten irgendwie ertragen, ohne in Endzeitstimmung zu verfallen. Von angeblichen Wahlbetrug bis zu bewaffneten Milizen vor Wahllokalen, ließen die USA nichts aus, das nicht auch in einem Politikthriller hätte geschehen können. Und man fragt sich beim Googlen: Wäre so etwas in Deutschland möglich? Am Abend des 26. September 2021 wissen wir mehr.

Google Suchtrends 2020 Reutlingen: Platz Eins: „Coronavirus“

Mit 2020 geht ein historisches Jahr zu Ende. Mit Blick auf die  zurückliegenden Geschehnisse gab es in diesem Jahr viele „Erste Male“, aber auch ebenso viele „Letzte Male“. Von den mittlerweile rund 1,65 Millionen Covid-19-Infizierten, haben rund 30 000 Patienten den Kampf gegen das Virus nicht überlebt. Und das derzeitige Infektionsgeschehen erscheint düster.

Doch es gibt auch eine andere Seite. Die der Solidarität, des Verantwortungsbewusstseins und des Hintenanstellens eigener Bedürfnisse. Weltweit wurde im Internet mehr denn je nach „Wie kann ich helfen“ gesucht. Die häufigsten Anfragen kamen dabei in Bezug auf die Bränden in Australien, im Rahmen der Black Lives Matter-Bewegung, nach der Explosion in Beirut (Libanon) und in Verbindung mit der Corona-Pandemie auf. „Die Welt verändern“ wurde im vergangenen Jahr doppelt so oft gesucht wie „Zurück zur Normalität“ und trotz Ausgangsbeschränkungen, Mundschutz und Kontaktbeschränkungen, gab es hierzulande noch nie so viele Suchanfragen zum Thema Blutspenden wie in diesem Jahr.

Info Google listet bei seinen Suchtrends  die sogenannten „Trending Searches“ auf. Dabei handelt es sich um Suchbegriffe, bei denen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum der größte Anstieg hinsichtlich der Suchanfragen zu verzeichnen war.