Vogelgrippe im Kreis Reutlingen: Toter Kranich gefunden! Er war mit dem Virus infiziert

Die Vogelgrippe breitet sich in Deutschland aus, nun wurde auch ein infiziertes Tier im Landkreis Reutlingen gefunden.
Christophe Gateau/dpa (Symbolfoto)- Toter Kranich bei Pfullingen mit H5N1-Virus infiziert, bestätigt Friedrich-Loeffler-Institut.
- Keine weiteren Fälle oder Verdachtsfälle der Vogelgrippe im Kreis Reutlingen bekannt.
- Infektionsrisiko vor Ort unverändert, keine Stallpflicht erforderlich, Biosicherheitsmaßnahmen beachten.
- Bürger*innen sollen kranke oder tote Wildvögel nicht berühren, Funde dem Veterinäramt melden.
- Zunahme von Vogelgrippe-Fällen in Deutschland, vor allem bei Kranichen und gehaltenem Geflügel.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Im Landkreis Reutlingen ist bei einem Wildvogel das hochpathogene aviäre Influenzavirus – auch Geflügelpest oder Vogelgrippe genannt – vom Subtyp H5N1 nachgewiesen worden. Das Untersuchungsergebnis des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) hat das Reutlinger Landratsamt am Donnerstag, 30. Oktober 2025, erhalten. Bei dem infizierten Tier handelt es sich um einen Kranich, der in der Nähe von Pfullingen gefunden wurde.
In einem kurzfristig anberaumten Pressegespräch am Donnerstagmittag nannte Dr. Thomas Buckenmaier, Leiter des Reutlinger Kreisveterinäramts, Details zum Fund. Der Kranich wurde am Freitag, 24. Oktober, von mehreren Passanten auf einer Wiese Richtung Waldcafé in Pfullingen entdeckt. Diese informierten die Polizei und das Kreisveterinäramt. Weil der Kranich erheblich vom Virus geschwächt war, „wurde er aus Tierschutzgründen getötet, um ihn von seinem Leiden zu erlösen“, berichtet Buckenmaier.
Absturz in Pfullingen „reiner Zufall“
Dass der Wildvogel in Pfullingen abstürzte, sei „reiner Zufall“, so der Experte. „Wenn man den Weg der Zugvögel vom Norden in den Süden betrachtet, liegt der Kreis Reutlingen eigentlich nicht auf der üblichen Flugroute.“ Der Leiter des Veterinäramts geht davon aus, dass der vom Virus geschwächte Kranich seine Gruppe verloren und vom richtigen Weg abgekommen ist. „Der Kranich hätte überall in Baden-Württemberg vom Himmel fallen können.“
Im Landkreis Reutlingen sind derzeit keine weiteren bestätigten Fälle oder Verdachtsfälle der Geflügelpest bekannt, so die Kreisverwaltung. Kraniche sind im Südwesten nicht heimisch, sondern machen sich im Herbst auf den Weg in ihre Überwinterungsgebiete im Süden. Diese liegen in Frankreich, Spanien und mitunter in Nordafrika.
Kein erhöhtes Risiko und keine Stallpflicht
Weil der Kranich auf einer Wiese, weit weg von Geflügelhaltungen, gefunden wurde, sei das Risiko einer Ausbreitung durch genau diesen Kranich „sehr, sehr gering“, sagt Buckenmaier. „In der Umgebung des Fundorts befinden sich keine Geflügelbetriebe, für die eine unmittelbare Ansteckungsgefahr bestehen könnte.“ Und es brauche schließlich irgendeinen Kontakt von infizierten Wildvögeln mit hier heimischem Geflügel, um diese anzustecken. „Der Kot der Tiere ist dabei die größte Gefahr.“ Eintragungen der Tierhalter über deren Schuhe und Kleidung sind ebenfalls möglich, aber eben nicht in diesem konkreten Fall.
Bedeutet: Der Landkreis schätzt das Risiko einer Ausbreitung der Geflügelpest im Kreis Reutlingen als genauso hoch ein wie vor dem Fund des Kranichs. Weitere Präventionsmaßnahmen werde es nicht geben; also auch keine Stallpflicht für Geflügel veranlasst.
„Man muss bei solchen Entscheidungen immer die Verhältnismäßigkeit betrachten“, betont Buckenmaier. Eine Stallpflicht hätte für manche Betriebe – gerade für die mit Freilandhaltung – gravierende Folgen. „Das kann im Einzelfall sogar zu Problemen für das Tierwohl führen“, so Buckenmaier. Zudem müsste man die Aufstallungspflicht über einen langen Zeitraum aufrechterhalten – in diesem Fall bis ins Frühjahr hinein, wenn alle Zugvögel ihre Winterquartiere bezogen haben. Das sei aufgrund eines einzelnen Zufallsfunds nicht angemessen. Stattdessen appelliert Reutlingens Kreisveterinäramt an alle Geflügelhalterinnen und -halter, in Eigenverantwortung zu agieren und ihre Tiere vor dem Kontakt mit Wildvögeln zu schützen.
Schwache Wildvögel nicht anfassen
Für die allgemeine Bevölkerung schätzt das Friedrich-Loeffler-Institut das Risiko einer Ansteckung als sehr gering ein. In Deutschland ist bislang kein Fall einer Infektion beim Menschen bekannt geworden.
Bürgerinnen und Bürger sollten Wildvögel, die schwach, teilnahmslos oder auf andere Weise krank erscheinen, nicht anfassen oder mitnehmen. Wenn es sich dabei um einen wildlebenden Wasservogel, Greifvogel oder Rabenvogel handeln, ist das Tier unter Angabe des Fundorts dem Veterinäramt zu melden. Im Landkreis Reutlingen sind Meldungen per E-Mail an vetamt@kreis-reutlingen.de möglich.
Beim Auftreten des Vogelgrippevirus in Nutzgeflügelbeständen besteht ein moderates Ansteckungsrisiko vor allem für Personen mit engem Tierkontakt, wie Beschäftigte in den betroffenen Betrieben oder Tierärztinnen und Tierärzte. Diese sind durch entsprechende Arbeitsschutzmaßnahmen zu schützen.
Situation in Deutschland und Baden-Württemberg
In Deutschland kam es in den letzten Wochen sprunghaft zu vermehrten Vogelgrippe-Ausbrüchen bei gehaltenem Geflügel und Wildvögeln. Insbesondere melden derzeit mehrere ostdeutsche Bundesländer eine erhöhte Sterblichkeit von Kranichen. Andere wildlebende Wasservogelarten, wie Enten und Gänse, zeigen unter Umständen geringere Krankheitssymptome einer Vogelgrippe-Infektion, da sie bereits eine Teilimmunität entwickelt haben könnten. In Baden-Württemberg wurde am 23. Oktober im Alb-Donau-Kreis in einem größeren Geflügelbetrieb in Öllingen das hochpathogene aviäre Influenzavirus vom Subtyp H5N1 nachgewiesen.
Eine aktuelle Übersicht über die Ausbrüche der Vogelgrippe bei Wildvögeln und gehaltenen Vögeln finden sich beim Friedrich-Loeffler-Institut im Tier-Seuchen-Informations-System (TSIS) unter https://tsis.fli.de/cadenza/.
Weitere Informationen finden Bürgerinnen und Bürger auf den Homepages des Landkreises Reutlingen unter www.kreis-reutlingen.de/gefluegelpest sowie des Landes Baden-Württemberg unter https://mlr.baden-wuerttemberg.de/de/unsere-themen/tierschutz-tiergesundheit/tiergesundheit/tierkrankheiten-tierseuchen-zoonosen/vogelgrippe/aktuelles.


