Friedhof Römerschanze
: Keine Trauerfeiern mehr auf dem größten Reutlinger Friedhof

Weil sich der Boden hebt: Vom 26. Mai an dürfen Aussegnungshalle und weitere Räume während der Sanierung nicht betreten werden.
Von
swp
Reutlingen
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Durch Löcher im Kellerboden wird der Untergrund bewässert, um die Ausdehnung des Lias Epsilon und damit weitere Gebäudeschäden zu verhindern.

Durch Löcher im Kellerboden wird der Untergrund bewässert, um die Ausdehnung des Lias Epsilon und damit weitere Gebäudeschäden zu verhindern. Links steht Leiterin Andrea Strasser von der Abteilung Friedhofswesen, rechts Dirk Kurzschenkel, Chef der städtischen Betriebsdienste.

Stadt Reutlingen
  • Reutlinger Friedhof Römerschanze schließt zentrale Gebäude ab Dienstag, 26. Mai.
  • Grund ist Hebung des Lias Epsilon im Untergrund, die starke Gebäudeschäden verursacht.
  • Aussegnungshalle, Aufbahrung, Abschiedstrakt, Bestattungsdienst und Verwaltung sind gesperrt.
  • Trauerfeiern und Aufbahrungen finden in „Unter den Linden“, Rommelsbach, Betzingen, Degerschlacht statt.
  • Erdbestattungen und das Krematorium laufen weiter – Sperrung kann drei bis fünf Jahre dauern.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Schon lange ist klar: Die denkmalgeschützten Gebäude auf dem Reutlinger Friedhof Römerschanze müssen saniert werden. Doch jetzt schlägt der Statiker Alarm. Die Folge: Ab Dienstag, 26. Mai, dürfen Aussegnungshalle, Aufbahrungs- und Abschiedstrakt sowie die Räume des Bestattungsdienstes und der Friedhofsverwaltung nicht mehr betreten werden.

Der natürliche Untergrund der Gebäude auf dem Friedhof Römerschanze besteht aus Tonmaterial der Sorte Lias Epsilon. Dessen Eigenschaft, sich beim Austrocknen zu heben, hat in Reutlingen schon öfter für Gebäudeschäden gesorgt. Betroffen ist auch das in den 1950er-Jahren entstandene Gebäudeensemble auf dem größten Friedhof der Stadt, auf dem jährlich mehr als die Hälfte der insgesamt rund 1100 Reutlinger Bestattungen stattfinden. „Von den Technischen Betriebsdiensten Reutlingen in den vergangenen Jahren beauftragte Gutachten ergaben, dass entsprechende Sanierungsmaßnahmen technisch sehr aufwendig und kostspielig sind“, berichtet TBR-Chef Dirk Kurzschenkel. Vor dem Hintergrund der finanziellen Nöte der Stadt stand die Sanierung daher nicht ganz oben auf der Agenda: „Wir haben die Schäden aber stets im Auge behalten“, sagt er.

Die Gebäudeschäden haben deutlich zugenommen

Doch nun spitzte sich die Situation zu: „Gegenüber den Vorjahren haben sich die Hebungen im Untergrund verstärkt, wodurch die Schäden an den Gebäuden deutlich zugenommen haben“, sagt der TBR-Chef. „Laut Fachgutachter haben wir den Zeitpunkt erreicht, an dem die zusammenhängenden Gebäude nicht mehr betreten werden dürfen.“ Denn inzwischen sind die allgegenwärtigen Risse in den Wänden und die gesprungenen Fußbodenfliesen, die zu gefährlichen Stolperfallen werden können, nicht mehr die einzige Herausforderung. Auch die Dächer sind in Mitleidenschaft gezogen. Um mögliche Gefahren für Nutzerinnen und Nutzer des Friedhofs und der Mitarbeitenden zu vermeiden, entschied die Betriebsleitung: Das Ensemble wird so bald wie möglich gesperrt.

Das hat Auswirkungen auf die Abläufe. Hinterbliebene von Verstorbenen müssen sich ab dem 26. Mai auf geänderte Rahmenbedingungen einstellen. Die Erdbestattungen selbst und auch die Feuerbestattungen im nicht von den Gebäudeschäden betroffenen Krematorium sind zwar weiterhin auf der Römerschanze möglich. Aber die Aufbahrungen und die Trauerfeiern müssen künftig auf den Friedhof „Unter den Linden“ sowie die Friedhöfe in Rommelsbach, Betzingen und Degerschlacht verlegt werden.

„Ob der Verstorbene dann für die Beerdigung auf den Friedhof Römerschanze transportiert oder dort beerdigt wird, wo auch Aufbahrung und Trauerfeier stattgefunden haben, können die Angehörigen frei entscheiden“, bekräftigt Betriebsleiter Kurzschenkel. Und Andrea Strasser, Leiterin der Abteilung Friedhofswesen, ergänzt: „Unserem hoch motivierten Team ist sehr daran gelegen, dass die Bestattungen würdevoll bleiben und Trauernde die Unterstützung bekommen, die sie in diesen schweren Stunden benötigen.“

Die Sperrung kann bis zu fünf Jahre dauern

Ebenfalls in andere Räumlichkeiten umsiedeln müssen Friedhofsverwaltung und Bestattungsdienst. Für Letzteren, gewissermaßen das städtische Bestattungsinstitut mit zahlreichen Hinterbliebenenkontakten, wird derzeit noch nach einem Ladengeschäft in der Innenstadt gesucht. Denn das Ausweichquartier für die Verwaltung, das sogenannte „Insel-Haus“ an der Echaz in der Lederstraße 76/1, ist nicht barrierefrei – und das wäre gerade bei älteren Hinterbliebenen wichtig. „Auf Wunsch kommen die Mitarbeiter unseres Bestattungsdienstes aber auch gerne ins Trauerhaus“, sagt Andrea Strasser.

Wie lange es dauern wird, bis das Gebäudeensemble auf der Römerschanze wieder genutzt werden kann, ist noch ungewiss. Dirk Kurzschenkel rechnet mit drei bis fünf Jahren. „Wir werden jedoch sehr genau beobachten, wie unsere Interimslösung funktioniert. Gegebenenfalls suchen wir auch nach Alternativen.“