Fast ein Jahr nach Brand: Reutlinger Gartenprojekt feiert seine Helfer

Sven Plietzsch (67) kümmert sich seit einigen Jahren um das Urban-Gardening-Projekt der Reutlinger Arbeiterbildung (ArBi). Auf dem neuen Container wurde die Achalm verewigt.
Mathias Grimm- Nach Brand 2024: Reutlinger Urban-Gardening-Projekt feiert Wiederaufbau mit Fest am 19. September.
- Neues Gartenhaus durch Spende: Firma Stecker Express stiftete Container im Wert von 2500 Euro.
- 1500 Euro Spenden ermöglichten Ersatz für zerstörte Werkzeuge und Samenbank.
- Projekt vereint Menschen unterschiedlichster Herkunft und Altersgruppen – soziales Engagement im Fokus.
- Teilnahme an Reutlinger Kulturnacht am 27. September: Gartenbesichtigung von 15 bis 18 Uhr.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Sven Plietzsch erinnert sich genau: „Nach dem Brand waren wir eigentlich am Boden.“ Was der 67-Jährige meint: Den Zeitpunkt, als in der Nacht des 22. Oktober 2024 das Urban-Gardening-Projekt der Arbeiterbildung (ArBi) in Flammen stand. „Zu einhundert Prozent“ gehe er davon aus, dass es sich um Brandstiftung handele – auch deshalb, weil bereits am Vorabend des Brandes entsprechende Spuren gefunden wurden. Verhindert werden konnte das Feuer trotzdem nicht. „Gerade gestern bekam ich eine neue Nachricht von der Polizei wegen des Brandes“, erzählt Plietzsch dieser Zeitung. Es gebe einen neuen Verdacht, wer hinter dem Feuer stecken könnte. „Da bewegt sich also was“, verrät Plietzsch.
Vor einem Jahr lag das Urban-Gardening-Projekt der ArBi wegen des Brandes komplett in Schutt und Asche: Das Feuer hatte die Gerätehütte und die Möbel und Werkzeuge darin zerstört. Doch es kehrte neues Leben zurück ins grüne Refugium hinter dem Achalmbad: jetzt ragen dort wieder Sonnenblumen in die Luft und neben Tomaten gedeihen auch Erdbeeren und Kohlrabi auf dem kleinen Gartengrundstück, das der Stadtverwaltung gehört – und die Mitglieder wollen „Danke“ sagen. Am Freitag, 19. September, laden sie zu einem Fest auf ihrem Gartengrundstück ein, um Unterstützern und Spendern für die Hilfe beim Wiederaufbau zu danken (siehe Infokasten).
Das ganz eigenständige Projekt, das unabhängig vom Verein läuft, existiert seit rund zehn Jahren. Plietzsch, der den „urbanen Garten“ inmitten der Reutlinger Oststadt betreut, weiß, was harte Gartenarbeit bedeutet.
Neuinteressierten erzählt er deshalb immer, dass am Anfang des Jahres angepflanzt wird – bis zur Ernte könne dann in Ruhe den Pflanzen beim Wachsen zugesehen werden. „Stimmt natürlich nicht, schreckt aber nicht so ab“, sagt er mit einem Schmunzeln. Was er meint: So ein Garten, der macht Arbeit – so viel, dass die aktuell 13 Helferinnen und Helfer des städtischen grünen Flecks alle Hände voll zu tun haben. Das war erst recht nach dem Brand so: Nahezu alles musste neu aufgebaut werden, eine neue Hütte sollte her. Aber viele der Engagierten sind armutsbetroffen, Plietzsch nennt das Gartenprojekt ein „soziales Auffangbecken“. Mit dabei sind Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten: 80-jährige Zwillinge, die regelmäßig mit anpacken, ein Mann aus Afghanistan, der eigens seine eigene Schaufel aus der Heimat mitgebracht hat, um den Boden auf Vordermann zu bringen, und die älteste Helferin stand noch mit 86 Jahren im Beet. „Bei uns hilft jeder so mit, wie er oder sie kann“, sagt Plietzsch.

Passend zur nahenden Herbstzeit wachsen auch schon Kürbisse auf dem Gartengrundstück.
Mathias GrimmFirma spendierte neue Hütte
Hilfe gab es vor allem nach dem Brand: Einen neuen Container, der zur Gartenhütte wurde, spendierte die Firma Stecker Express für 2500 Euro. Der ist mit drei Metern Länge sogar noch größer, als ursprünglich angedacht. Die Firma war so großzügig, die neue Gartenhütte zusammenzubauen und per Kran an den endgültigen Standort in der Kelterstraße zu heben. Rund 1500 Euro gab es an Bargeld-Spenden für den Inhalt des Schuppens – also zum Beispiel die zerstörten Werkzeuge und die verbrannte Samenbank. Das ist mehr, als sich Plietzsch und seine Helferinnen und Helfer erhofft hatten: „Wir sind so dankbar und mich macht es stolz, wie weit wir gekommen sind“, sagt er.
Künftig will sich das Gardening-Projekt noch weiter vernetzen – etwa mit der Initiative Lebenswerte Oststadt (ILOS). Und weil die Helferinnen und Helfer gemeinsam mit einer Künstlerin die Achalm an der Außenseite ihrer neuen Gartenhütte verewigten, ist auch eine Teilnahme an der Reutlinger Kulturnacht sicher.
Spenderfest und Kulturnacht
Seit 10 Jahren pflegt der Verein Arbeiterbildung ein Urban-Gardening-Projekt hinter dem Achalmbad in Reutlingen. Im Vorjahr zerstörte ein Brand die Gerätehütte sowie Möbel und Werkzeuge des Gemeinschaftsgartens. Dank vieler Spender konnte das Projekt wiederaufgebaut werden – einschließlich eines neuen Schuppens. Am Freitag, 19. September, ab 15 Uhr feiert ArBi ein Dankeschön-Fest auf dem Gartengrundstück, Äußere Kelterstraße 10. Alle Unterstützer, Nachbarn und Interessierten sind herzlich eingeladen mitzufeiern. Spenden sind weiter möglich an: Arbeiterbildung, IBAN: DE17 6405 0000 0000 1593 60, BIC: SOLADES1REU.
Außerdem wird das Urban-Gardening-Projekt auch bei der Kulturnacht am 27. September dabei sein: von 15 bis 18 Uhr können Interessierte den Garten besuchen.

