Gewalt in Flüchtlingsunterkunft: Bewohner wird erst aus dem Fenster gestoßen und dann vergewaltigt

Gleich zwei Vorfälle gab es innerhalb einer Woche in einem Heim für Geflüchtete in der Reutlinger Ringelbachstraße. Der mutmaßliche Täter in einem der Fälle wurde nun in Hamburg festgenommen.
Mathias Grimm- Ein 29-jähriger Tatverdächtiger wurde in Hamburg festgenommen.
- Er soll in Reutlingen einen 24-Jährigen aus dem Fenster gestoßen und vergewaltigt haben.
- Vorfälle führten zu verschärften Sicherheitsmaßnahmen in der Unterkunft.
- Bewohner der Unterkunft in Reutlingen erlebten im November mehrere Vorfälle.
- Die Stadtverwaltung betont, dass es sich nicht um einen Brennpunkt handelt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der November war bisher ein Monat, der für die Bewohner einer Unterkunft für Geflüchtete im Reutlinger Ringelbach viele Schwierigkeiten brachte: Am Sonntagabend, 10. November, gegen 17 Uhr wurde die Polizei zu einem Einsatz in die Gemeinschaftsunterkunft in der Ringelbachstraße gerufen. Ein 42-jähriger Bewohner hatte randaliert und wurde von Zeugen gemeldet. Beim Eintreffen der Polizei verhielt sich der Mann äußerst aggressiv, spuckte in Richtung der Beamten und griff nach einem Messer sowie einem Wischmopp, die er als Waffen einsetzen wollte. Da er sich nicht beruhigen ließ, legten die Polizisten ihm Handschellen an, wobei es zu erheblichem Widerstand kam. Eine Beamtin und der Mann selbst zogen sich dabei leichte Verletzungen zu. Auch auf dem Weg zu einem Rettungswagen trat und bespuckte der 42-Jährige die Einsatzkräfte. Nach einer Blutentnahme und medizinischen Versorgung verbrachte er die Nacht im Polizeigewahrsam. Sein Messer wurde beschlagnahmt, die Ermittlungen wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte laufen.
Bereits wenige Tage zuvor, am Mittwochabend, 6. November, hatte sich ein schwerwiegender Vorfall in der Unterkunft ereignet. Ein 24-jähriger Bewohner stürzte nach ersten Erkenntnissen im Rahmen eines Streits aus dem Fenster seines Zimmers im ersten Stock. Der Mann hatte zuvor nach Angaben der Polizei zusammen mit einem Bekannten Alkohol und Marihuana konsumiert. Laut Zeugen wurde er von dem Bekannten aus dem Fenster gestoßen. Beim Sturz zog er sich schwere Verletzungen zu. Der 29-jährige Tatverdächtige, ein Landsmann des Opfers, soll den 24-Jährigen anschließend im Freien weiter misshandelt haben, ließ jedoch von ihm ab, als andere Bewohner eingriffen. Die Polizei spricht von einem versuchten Tötungsdelikt und einem Sexualdelikt: Als der Mann im Freien am Boden lag, soll es zu einer Vergewaltigung gekommen sein, heißt es in einer Meldung vom Freitag, 15. November.
Täter in Hamburg gefasst
Die Polizei leitete umgehend eine Fahndung nach dem Tatverdächtigen ein, die Erfolg hatte: Umfangreiche Ermittlungen der Kriminalpolizei führten auf die Spur des Tatverdächtigen. Der 29-Jährige konnte am Abend des 14. November bei einem Angehörigen in Hamburg festgenommen werden. Er wurde am Freitagmorgen einem Haftrichter in der Hansestadt vorgeführt, der den bereits zuvor von der Staatsanwaltschaft Tübingen beantragten Haftbefehl in Vollzug setzte. Der Mann wurde in eine Justizvollzugsanstalt eingeliefert. Nach Angaben der Polizei konnte das Opfer des Mannes nur dank einer sofortigen Notoperation überleben.
Beide Vorfälle haben zu einer Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen in und um die Unterkunft geführt. Wie die Stadtverwaltung auf Nachfrage erklärt, leben derzeit in der besagten Unterkunft 26 Menschen, in unmittelbarer Nähe sind außerdem 65 Menschen mit Fluchthintergrund untergebracht. Tagsüber gibt es in den Einrichtungen Unterkunftsbetreuer sowie Mitarbeiter des Sozialdienstes. Der Sicherheitsdienst, der bisher ab 17 Uhr und am Wochenende eingesetzt wurde, ist seit den Vorfällen ganztägig im Einsatz. Stand Oktober waren in den Unterkünften der vorläufigen Unterbringung des Landkreises Reutlingen knapp 1500 Personen untergebracht. Im Monat September kamen 109 Personen neu im Kreis an, davon 50 Personen aus der Ukraine.
Als einen „Brennpunkt“ bezeichnet die Stadtverwaltung die Unterkunft im Reutlinger Ringelbachgebiet nicht. Es handele sich um eine städtische Anschlussunterbringung. Der nahegelegene „Behnisch“-Bau in der Ringelbachstraße, der ebenfalls aktuell zur Unterbringung von Menschen mit Fluchthintergrund genutzt wird, soll diesem Zweck nur temporär dienen. Aktuell suche man noch nach einem Investor, heißt es aus dem Reutlinger Rathaus.
Wie funktioniert die Unterbringung?
In Baden-Württemberg bezeichnet die Anschlussunterbringung (AU) die Phase, in der Geflüchtete nach ihrem Aufenthalt in einer Landeserstaufnahmeeinrichtung in die Verantwortung der Kommunen übergehen. Ziel ist es, die Integration zu fördern, indem die Betroffenen in Gemeinschaftsunterkünften oder Wohnungen untergebracht und auf ein eigenständiges Leben vorbereitet werden. Anders als in der Erstaufnahme haben sie in der Anschlussunterbringung mehr Freiheiten und oft bessere Wohnbedingungen, während die Kommunen für Betreuung und Unterbringung zuständig sind. Die AU kann länger andauern, insbesondere wenn Asylverfahren noch nicht abgeschlossen sind.


