Enges Votum beim Bürgerentscheid: Die Stadtbahn soll durch die Innenstadt Pfullingens fahren

Sie waren offensichtlich für die Innenstadttrasse – und durften um 18.45 Uhr jubeln. Die Regional-Stadtbahn fährt durch Pfullingens Zentrum, das hat der Bürgerentscheid am Sonntagabend, 21. Juni 2026, entschieden.
Jürgen Herdin- Bürgerentscheid in Pfullingen: Mehrheit für Stadtbahn durch die Innenstadt.
- 3935 stimmten dafür, 3646 dagegen – das Quorum wurde erreicht.
- Der Beschluss ist bindend und ersetzt die „Alte Bahntrasse“ als Route.
- Zweckverband-Chef kündigt Auswertung der Hinweise und weitere Planung an.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Pfullingens Bürgerinnen und Bürger haben entschieden: Die Regional-Stadtbahn soll durch die Innenstadt fahren und nicht wie vom Gemeinderat entschieden über die „Alte Bahntrasse“. Das Ergebnis des Bürgerentscheids am Sonntagabend fiel knapp aus. 3935 stimmberechtigte Personen sagten „Ja“ zur Innenstadt-Strecke und 3646 sagten „Nein“. Das Quorum wurde erreicht und somit ist der Bürgerentscheid bindend.
Logisch also, dass die Aktiven der Interessengemeinschaft Innenstadttrasse (IGI) auf dem Marktplatz jubelten. Um 18.50 Uhr erschienen die finalen Zahlen auf dem Großbildschirm neben der Martinskirche: Bei einer Wahlbeteiligung von 49,8 Prozent hatten sich die Befürworter durchgesetzt: Die Schiene und die Züge der Regional-Stadtbahn sollen mitten durch die City fahren. IGI hatte den ersten Bürgerentscheid in der Geschichte Pfullingens erwirkt – und war siegreich. Mit dem Ja für die City-Trasse wurde der Beschluss des Gemeinderats der Stadt Pfullingen vom 18. November 2025 gekippt.
Bei sengender Hitze und einem drohenden Gewitter hatten sich nur rund 400 Menschen auf dem Marktplatz versammelt. Und so knapp das Ergebnis letztlich erschien: Die Wahllokale meldeten von Beginn an fast nur Ergebnisse, bei denen die Nein-Sager knapp den Kürzeren zogen. Die „Initiative für Pfullingen“ wollte, dass die Hightech-Tram durchgehend rund 200 Meter östlich verläuft, auf der „Alten Bahntrasse“ aus dem späten 19. Jahrhundert. Nachdem in den 1980er Jahren die Bundesbahn die Strecke aufgab, wurde die Trasse stets freigehalten – für spätere Projekte.
Grundlage für weitere Planungen des Zweckverbands
Nun soll die Regional-Stadtbahn (RSB) im Rahmen des Jahrhundertprojekts mit ihrem Schienennetz, das die Landkreise Tübingen, Reutlingen und den Zollernalbkreis verbindet, in Pfullingen die Menschen buchstäblich dort abholen, wo sie ihren alltäglichen Tätigkeiten nachgehen. Sie passiert im Norden das Gewerbegebiet Steinge, fährt dann durch die Marktstraße, führt nahe von Dienstleistern, Schulen und den Geschäften weiter in Richtung Kulturhaus Klosterkirche.
Und, ganz praktisch: Vom Freibad soll die Haltestelle der RSB nur 30 Meter entfernt sein. Die Konjunktive sind angebracht: Denn mit dem Bürgerentscheid wurde zunächst nur festgelegt, mit welcher der beiden Trassen die Planenden des Zweckverbands Regional-Stadtbahn Neckar-Alb (RSBNA) als Bauherr das Projekt weiter voranbringen soll.
Streit, Spannungen im Vorfeld – und sogar Anfeindungen
„Ihr habt das so toll gemacht“, sagte Traude Koch, Stadträtin der Grün-Alternativen GAL – und umarmte, wie viele Leute an dem Abend, Cornelia Gekeler. Sie zeichnet verantwortlich für das Bürgerbegehren, mit dem IGI den Bürgerentscheid erwirkt hatte. „Ich bin total glücklich, dankbar und auch ein bisschen stolz“, sagte diese, um sogleich anzufügen: „Ja, wir wollen eine Bahn für alle, und ich hoffe, dass jetzt wieder ein gutes Miteinander möglich ist.“ Zuvor hatte es viel Zwist und persönliche Angriffe gegeben. „Am Freitag vor der Abstimmung kamen dann bei uns anonyme Mails an.“ Über den Inhalt schweigt Gekeler.
Recht einsilbig gab sich Pfullingens Bürgermeister Stefan Wörner. Er gehört auch zu den Fürsprechern der City-Trasse, vermied in seiner Rede jedoch jeglichen Jubel. „Wir erleben heute einen besonderen Moment für die kommunale Demokratie“, sagte Wörner. „Aufreibend“ für viele seien die letzten Wochen gewesen. Er begrüßte es, dass eine „Entscheidung mit einer solchen Tragweite“ auf einer möglichst breiten demokratischen Grundlage getroffen wurde.
Das sagt der Zweckverband zum Bürgerentscheid
Der Zweckverband Regional-Stadtbahn Neckar-Alb teilte mit: Dass unterschiedliche Bewertungen am Ende in einer demokratischen Entscheidung zusammengeführt werden, gehöre zu einem solchen Prozess dazu. „Nun haben wir nicht nur eine klare Grundlage für die nächsten Schritte. Aus den vergangenen Wochen nehmen wir zudem weit mehr mit als nur ein Abstimmungsergebnis“, erklärt Prof. Dr. Tobias Bernecker, Geschäftsführer des Zweckverbands Regional-Stadtbahn Neckar-Alb, in einem Statement nach dem Entscheid. „Die vielen Gespräche, Debatten und Perspektiven geben uns zahlreiche Hinweise, wie sich die Pfullingerinnen und Pfullinger die Regional-Stadtbahn im Detail wünschen. Das wollen wir nun gemeinsam mit der Stadt und dem Landkreis in Ruhe analysieren und in die weitere Planung einfließen lassen.“
