Energiewende
: Grünes Licht für Verträge zum Eninger Windpark

Finanzielle Vorteile für Kommune und Bürgerschaft ausgehandelt: Firma Sowitec wird das Projekt mit vier Anlagen und einer Leistung von rund 28 MW realisieren.
Von
swp
Eningen
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Windenregie in Mecklenburg-Vorpommern: 10.06.2025, Mecklenburg-Vorpommern, Renzow: Die Rotoren von Windkraftanlagen drehen sich am frühen Morgen in einem Windpark. (Aufnahme mit langer Belichtungszeit) Im Jahr 2024 sind in Mecklenburg-Vorpommern nur 16 neue Windenergieanlagen mit einer Leistung von 89,3 Megawatt (MW) in Betrieb genommen worden. Insgesamt standen im Nordosten 1.845 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 3.797 MW. Foto: Jens Büttner/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Vier Windenergieanlagen sollen auf der Albhochfläche südlich vom Gestütshof St. Johann gebaut werden.

Symbolbild Jens Büttner/dpa
  • Eningen plant Windpark mit vier Anlagen, Leistung von 28 MW, ab 2029 Strom für 20.000 Haushalte.
  • Verträge sichern finanzielle Vorteile für Gemeinde und Bürger, u.a. Schwarmfinanzierungen möglich.
  • Standort: Albhochfläche bei St. Johann, Windgeschwindigkeit 6,5 m/s, nachhaltiger Betrieb gewährleistet.
  • Gemeinde kann bis zu 49,9% Anteile erwerben, EEG-Vergütung pro kWh vorgesehen.
  • Verfahrenserleichterungen dank fristgerechter Einreichung genutzt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Gemeinde Eningen hat einen wichtigen Meilenstein für die lokale Energiewende erreicht: In der Sitzung Ende Juni hat der Gemeinderat mit großer Mehrheit den Weg für den Bau eines Windparks auf der Eninger Albhochfläche freigemacht. Grundlagen dafür sind ein Kooperationsvertrag sowie ein Pachtvertrag mit dem Sonnenbühler Projektentwickler Sowitec, die Bürgermeister Eric Sindek am 30. Juni unterzeichnet hat, wie es in einer Mitteilung der Gemeinde an die Medien heißt.

Die Flächen des Windparkprojekts in Eningen befinden sich im Vorranggebiet RT-18 des Regionalplans Neckar-Alb beziehungsweise dem Teilregionalplan Windenergie, erläuterte in diesem Zusammenhang Sowitec-Geschäftsführer Gerd Hummel. Als Standort sind Waldflächen im Besitz der Gemeinde Eningen südlich vom Gestütshof St. Johann vorgesehen. Die mittlere Windgeschwindigkeit auf Nabenhöhe beträgt nach ersten Abschätzungen etwa 6,5 Meter/Sekunde, so dass ein wirtschaftlicher Betrieb des Windparks sichergestellt werden kann.

Strom für rund 20.000 Haushalte wird produziert

Geplant sind vier moderne Windenergieanlagen mit einer Leistung von jeweils rund sieben Megawatt und einer Nabenhöhe von 175 Metern. Damit kann der Windpark künftig jährlich rund 70 Millionen Kilowattstunden umweltfreundlichen Strom erzeugen – genug, um rechnerisch etwa 20.000 Haushalte zu versorgen. Zum Vergleich: Eningen selbst zählt rund 11.500 Einwohnerinnen und Einwohner.

Die Gemeinde hat bei den Vertragsverhandlungen Wert darauf gelegt, neben den ökologischen Vorteilen auch konkrete wirtschaftliche und finanzielle Vorteile für Eningen und die Bürgerschaft zu sichern. Bürgermeister Sindek betont: „Wir haben mit diesem Beschluss die Grundlage für mehr Unabhängigkeit bei der Energieversorgung gelegt. Der Windpark wird nicht nur Einnahmen für den Gemeindehaushalt bringen, sondern auch unseren Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit zur finanziellen Beteiligung bieten.“

Die Gemeindeverwaltung hatte im April eigens eine Bürgerinformationsveranstaltung abgehalten, um auf die Belange aus der Mitte der Eninger Bevölkerung einzugehen und diese entsprechend im Vertragswerk widerzuspiegeln. „Die Bürgerinformationsveranstaltung hat maßgeblich zur Akzeptanz im Ort beigetragen. Die damalige Resonanz war überwältigend positiv. An diesem Abend haben wir erlebt, dass die Eninger Lust auf das Thema haben und auch finanziell vom Windpark profitieren möchten“, erklärte Sindek weiter.

„Unser Anliegen war es, möglichst waldschonend und unter Berücksichtigung verschiedenster Interessensgruppen ein entsprechendes Windparklayout zu erstellen. Es freut mich, dass wir in dieser Ausschreibung als regionaler Projektentwickler von der Alb den Zuschlag erhalten haben und unsere Expertise aus der Region einbringen können“, hob Hummel hervor.

Verschiedene Möglichkeiten zur finanziellen Beteiligung

Die Bürger sollen sich daher in Form einer Schwarmfinanzierung oder vergleichbarer Beteiligungsmodelle wie zum Beispiel einer Genossenschaft beteiligen können und somit direkt vom Erfolg des Projekts profitieren. Die Gemeindeverwaltung teilte mit, dass hierzu entsprechende Informationsabende veranstaltet werden sollen.

Das von der Freiburger Kanzlei „Sterr-Kölln & Partner“ mit ausgehandelte Vertragswerk sieht zudem vor, dass die Gemeinde oder ein lokaler Akteur nach Inbetriebnahme bis zu 49,9 Prozent der Anteile an der Betreibergesellschaft erwerben kann. Damit kann Eningen nicht nur von den jährlichen Pachteinnahmen profitieren, sondern auch an den Erträgen aus dem laufenden Betrieb der Anlagen beteiligt werden.

Zusätzlich erhält Eningen nach Inbetriebnahme eine finanzielle Beteiligung nach Paragraf 6 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Demnach wird der Betreiber des Windparks der Gemeinde eine Vergütung von 0,2 Cent pro erzeugter Kilowattstunde zahlen. Bei einer modernen Sieben-Megawatt-Anlage entspricht das je nach Windaufkommen etwa 25.000 bis 40.000 Euro pro Jahr – pro Anlage.

Gemeinde profitiert von befristeten Erleichterungen

Die rechtzeitige Unterzeichnung der Verträge bis Ende Juni 2025 war für die Gemeinde auch deshalb wichtig, weil sie damit von aktuellen Verfahrenserleichterungen profitiert. Aufgrund einer gesetzlichen Übergangsregelung nach dem Windenergieflächenbedarfsgesetz (WindBG) entfallen für das Projekt bestimmte Prüfpflichten wie Umweltverträglichkeitsprüfung und spezielle Artenschutzprüfungen. Voraussetzung dafür ist die – wie jetzt von Seite der  Gemeinde erfolgt – fristgerechte Einreichung des Genehmigungsantrags bis 30. Juni dieses Jahres, heißt es in der Mitteilung weiter.

„Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit unserem Projektierer Sowitec. Gemeinsam zeigen wir Verantwortung für die Zukunft unserer Region. Mit dem Windpark stärken wir die regionale Wertschöpfung, sichern dringend benötigte Einnahmen für den Gemeindehaushalt und leisten einen konkreten Beitrag zum Klimaschutz“, bilanzierte Sindek. Die Inbetriebnahme des Windparks ist für das Jahr 2029 geplant.

Informationen zum Projektentwickler Sowitec

Als einer der global führenden Projektentwickler für Erneuerbare Energien ist Sowitec in zehn Ländern tätig mit aktuellem Schwerpunkt auf dem süddeutschen Raum. Mit circa 100 Mitarbeitenden deckt Sowitec alle Bereiche der Solar- und Windkraft-Projektentwicklung ab: von der Planung und Konzeption, den Ertrags- und Wirtschaftlichkeitsberechnungen, über die Baubetreuung, den Vertrieb und die Finanzierung bis hin zur technischen und kaufmännischen Betriebsführung von Wind- und Solarparks. Mehr als 60 von Sowitec entwickelte Wind- und Solarprojekte mit über 3.100 MW sind derzeit in acht Ländern in Betrieb oder im Bau. Im süddeutschen Raum werden derzeit mehrere Windparks auf der Schwäbischen Alb realisiert.