Energiewende
: Entscheidung für Windkraft fällt mit einer großen Mehrheit

Verbandversammlung des Regionalverbandes Neckar-Alb schafft Vorzeige-Region mit der Ausweisung von 32 Windvorranggebieten in der Region Neckar-Alb.
Von
swp
Region
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Neue Windkraftanlagen in der Eifel: ARCHIV - 05.06.2024, Rheinland-Pfalz, Obergeckler: Während dichte, dunkle Wolken am Himmel ziehen, werden im Windpark Obergeckler riesige Windkraftanlagen errichtet. (zu dpa: «Mittelfeldplatz beim Windenergie-Ausbau - viel genehmigt») Foto: Harald Tittel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der Ausbau der Windenergie in der Region kann jetzt Fahrt aufnehmen.

Harald Tittel/dpa Symbolbild
  • Der Regionalverband Neckar-Alb hat 32 Windvorranggebiete mit 7.035 Hektar Fläche beschlossen.
  • Die Gebiete umfassen 2,78 % der Regionsfläche, verteilt auf Reutlingen, Tübingen und Zollernalbkreis.
  • 676 Stellungnahmen führten zu redaktionellen Anpassungen, jedoch ohne Änderungen der Flächenkulisse.
  • Pro-Windkraft-Initiative betont soziale und ökologische Vorteile sowie Bürgerbeteiligung am Ausbau.
  • Entscheidung fördert Energiewende und Unabhängigkeit von ausländischen Energielieferanten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Verbandsversammlung des Regionalverbands Neckar-Alb hat am Dienstag, 20. Januar, den Teilregionalplan Windenergie mit großer Mehrheit beschlossen. Damit erfüllt der Regionalverband seinen gesetzlichen Auftrag, mindestens 1,8 Prozent der Regionsfläche für den Ausbau der Windenergie festzulegen, wie der Regionalverband gegenüber den Medien mitteilte.

Der Teilregionalplan weist insgesamt 32 Vorranggebiete für Windenergie mit einer Gesamtfläche von 7.035 Hektar aus. Dies entspricht rund 2,78 Prozent der Regionsfläche. Davon entfallen 4037 Hektar auf den Landkreis Reutlingen, 1334 Hektar auf den Landkreis Tübingen und 1664 Hektar auf den Zollernalbkreis.

„Ich freue mich sehr, dass wir diesen intensiven Planungsprozess erfolgreich abschließen konnten. Mein ausdrücklicher Dank gilt den Städten und Gemeinden für die konstruktive und offene Zusammenarbeit sowie allen, die sich am Planungsprozess beteiligt haben. Sie haben wesentlich dazu beigetragen, dass der Teilregionalplan Windenergie nun auf soliden Beinen steht. Wir haben sehr damit gerungen, welche Flächen geeignet sind. Letztendlich traf die finale Entscheidung die Verbandsversammlung“, sagte Eugen Höschele, Verbandsvorsitzender des Regionalverbands Neckar-Alb.

Flächenkulisse von Stellungnahmen unbeeinflusst

Im Rahmen des formellen Beteiligungsverfahrens zum Teilregionalplan Windenergie (Entwurf 2025) sind insgesamt 676 Stellungnahmen von 490 Personen sowie 127 Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange eingegangen. Aus der Beteiligung haben sich vor allem redaktionelle Anpassungen im Textteil und im Umweltbericht ergeben, jedoch keine Änderungen an der Flächenkulisse.

Die Planung entfaltet bereits ihre Steuerungswirkung: Alle dem Regionalverband bis dato bekannten Standortplanungen für Windenergieanlagen liegen innerhalb der nun beschlossenen Flächen. „Damit sichern wir die räumliche Steuerung des Ausbaus der Windenergie in der Region Neckar-Alb und vermeiden, dass Anlagen außerhalb der regionalplanerisch festgelegten Flächen entstehen“, erklärte Dr. Dirk Seidemann, Verbandsdirektor des Regionalverbands Neckar-Alb.

Der Teilregionalplan Windenergie sowie die Abwägung aller eingegangenen Stellungnahmen sind unter www.rvna.de/wind abrufbar.

Windkraftbefürworter begrüßen die Entscheidung

Die Initiative Pro-Windkraft Neckar-Alb begrüßt die Entscheidung als wichtigen Schritt hin zu einer nachhaltigen, dezentralen Energieversorgung und als möglichen Startpunkt für echten Natur-, Umwelt- und Menschenschutz durch eine soziale und ökologische Zukunft der Region, wie es in einer Mitteilung an die Medien heißt.

„Die Verbandsversammlung des Regionalverbandes Neckar-Alb hat unserer Region heute eine ganz große Chance eröffnet. Nun liegt es an uns und an den Kommunen, diese zu nutzen“, betonte Susanne Horn, Mitglied der Initiative Pro-Windkraft Neckar-Alb. An die Adresse der Kommunen appelliert die Initiative deshalb, bei künftigen Ausschreibungen das Wohl von Menschen, Natur und Wirtschaft gleichermaßen im Auge zu behalten.

Bürger sollen von den Erträgen profitieren können

„Der Ausbau muss sozial- und naturverträglich erfolgen. Besonders wichtig ist uns, dass Bürgerinnen und Bürger auch die Möglichkeit bekommen, von den Erträgen zu profitieren und sich auch finanziell beteiligen zu können. Dafür gibt es inzwischen eine Vielzahl von Modellen wie Bürgerwindparks oder Energiegenossenschaften. Manche Kommunen in unserer Region haben sogar schon Stromkostenzuschüsse für Anwohner durch die Betreiber ausgehandelt“, so Markus Schenk von Pro-Windkraft Neckar-Alb.

Dabei gelte es, möglichst viel von der Wertschöpfung in der Region zu halten. „Das kann zum Beispiel durch die Verpflichtung erfolgen, Aufträge im Rahmen der anfallenden Bauarbeiten und bei der künftigen Wartung der Anlagen vorrangig an lokale Unternehmen zu vergeben“, ergänzt Angela Schur, Mitglied von Pro-Windkraft.

Ebenso wichtig ist der Initiative Pro-Windkraft Neckar-Alb, dass Energiewende und Artenschutz bei dem kommenden Ausbau von Windkraft und PV zusammen gedacht werden. „Die notwendigen Eingriffe in die Natur müssen auf das Mindestmaß begrenzt werden und Ausgleichsmaßnahmen müssen ortsnah erfolgen“ erklärt Initiativen-Mitglied Tanja Leinweber. „Auch hier tragen die Kommunen mit ihrer Gestaltungsmacht eine wichtige Verantwortung.“

Deutschland wird unabhängiger vom Ausland

Lobenswert findet die Initiative auch die Tatsache, dass die Region nach der heutigen Entscheidung einen wichtigen Beitrag dazu leistet, Deutschland von ausländischen Energielieferanten unabhängiger zu machen. „Mit der Umstellung auf heimisch produzierte erneuerbare Energien reduzieren wir den Treibhausgasausstoß und verhindern, dass wir weiter menschenverachtende Autokraten mit unseren Energiekäufen finanzieren“, betont Frithjof Rittberger, Pfarrer aus Tübingen-Weilheim.