Corona in Reutlingen
: Mittlerweile neun Tote in Alten- und Pflegeeinrichtungen der Bruderhaus-Diakonie

In den Einrichtungen der Bruderhaus–Diakonie sind bislang neun Menschen in Verbindung mit dem Virus gestorben. Ebenso gibt es nach Auskunft der Stiftung „einige“ infizierte Beschäftigte.
Von
Ralph Bausinger
Reutlingen
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Die Bruderhaus-Diakonie informierte, wie sie mit der Corona-Pandemie in ihren Einrichtungen umgeht.

⇥Symbolfoto: dpa

In den vergangenen Wochen waren zahlreiche Alten- und Pflegeheime in der Bundesrepublik aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus in die Kritik geraten. In einer Webkonferenz informierte am Donnerstag die Leitungsebene der Bruderhaus-Diakonie in einer Zwischenbilanz, wie sie mit der Pandemie umgeht.

In den Einrichtungen des Sozialdienstleisters in der Region Reutlingen sind momentan, wie der fachliche Vorstand Dr. Tobias Staib sagte, 34 Bewohner mit dem Coronavirus infiziert. Besonders stark betroffen waren in den vergangenen Wochen das Seniorenzentrum Göningen (30 laborbestätigte Fälle), das Gustav-Werner-Stift (zwei bestätigte Fälle), das Seniorenzentrum Herzog Christoph in Bad Urach (19 infizierte Personen) und das Sozialpsychiatrische Fachpflegeheim Haus Liesental in Münsingen-Buttenhausen (20 bestätigte Fälle).

Neun Personen gestorben und weitere Infizierte

35 Bewohner, die in der Vergangenheit positiv getestet wurden, sind inzwischen genesen. Bislang neun Personen sind gestorben, davon sieben Personen in der Altenhilfe (eine Person im Gustav-Werner-Stift Reutlingen, zwei Personen im Seniorenzentrum Gönningen, vier Personen im Seniorenzentrum Herzog Christoph) sowie zwei Personen im Sozialpsychiatrischen Fachpflegeheim Haus Liesental. „Wir bedauern dies sehr“, sagte Staib.

In allen vier aufgeführten Einrichtungen seien, so der fachliche Vorstand, auch einige der Beschäftigten positiv getestet worden, von denen ebenfalls ein Großteil bereits genesen sei. Genaue Zahlen wollte Staib aus Datenschutzgründen nicht nennen.

Die weiteren Einrichtungen der Bruderhaus-Diakonie in Baden-Württemberg sind bisher unauffällig. Lediglich im Fachpflegeheim Nagold sind zurzeit zwei Bewohner mit dem Coronavirus infiziert.

Kein Aufnahmestopp für Einrichtungen aus „Solidarität“

Der Sozialdienstleister hat keinen Aufnahmestopp für seine Einrichtungen beschlossen, allerdings werden Neuankömmlinge 14 Tage von den Heimbewohner isoliert. „Ein Aufnahmestopp wäre unsolidarisch“, erläuterte Staib. Dies gelte um so mehr, als viele ältere Menschen, die bislang zu Hause betreut wurden, jetzt ohne Pfleger dastünden.

Was die Schutzausrüstung angeht, sei die Bruderhaus-Diakonie gut ausgestattet, berichtete Michaela Stoeckl, Leiterin Innenrevision und des Corona-Krisenstabs. So verfüge die Sozialeinrichtung derzeit über 21 500 Einweg-Schutzkittel, 27 300 Masken der Kategorien FFP 2 und 3, über 41 000 Stück Mund-Nasen-Schutz sowie rund 30 000 Stoffmasken, die von mehreren Produzenten in der Region genäht werden.

Erhebliche Zusatzkosten durch Wegfall von Einnahmen

Die Beschaffung von Schutzbekleidung und -masken verursachen erhebliche Zusatzkosten. Allein dafür habe die Bruderhaus-Diakonie in den vergangenen vier Wochen mehr als 700 000 Euro ausgegeben. Dazu kommen noch weitere Kosten für Artikel wie Handschuhe oder Desinfektionsmittel. Noch sei unklar, wie hoch die Erstattung ausfalle, sagte der Kaufmännische Vorstand Andreas Lingk.

Als Folge der Corona-Pandemie rechne die Bruderhaus-Diakonie durch den Wegfall von Einnahmen bis zum Jahresende mit einem Defizit, das zwischen einer und zwei Millionen Euro betragen werde.

Zwar erhält die Bruderhaus-Diakonie im Bereich der Altenhilfe die zusätzlichen Kosten zu 100 Prozent erstattet. In den anderen Segmenten wie beispielsweise Werkstätten oder tagestrukturelle Angebote sind es allerdings nur 75 Prozent, wie Andreas Lingk ausführte.

Wissenswertes zur Bruderhaus-Diakonie

Die Bruderhaus-Diakonie bietet in Baden-Württemberg vielfältige Assistenz- und Unterstützungsleistungen, Pflege und Beratung sowie Angebote zu Bildung, Erziehung und Arbeit. Rund 5000 Mitarbeiternde stellen die Versorgung von rund 10 000 Klienten an 150 Standorten in der Altenhilfe, Behindertenhilfe, Sozialpsychiatrie, Jugendhilfe sowie im Bereich Arbeit und berufliche Bildung sicher.

Rund 2200 Beschäftigte sind allein in der Region Reutlingen in 15 Pflege- und Fachpflegeheimen mit 750 Plätzen tätig. ⇥rab