Corona Reutlingen: Was passiert, wenn ein Obdachloser positiv getestet wird? Fragen und Antworten

Die Pandemie trifft manche Menschengruppen ganz besonders hart. Zum Beispiel wohnungslose Menschen. Zusätzlich zum zweiten Lockdown kommen nun auch wieder die Schwierigkeiten durch Kälte und Nässe.⇥Foto: Luca Bruno/AP/dpa
Luca BrunoZuhause bleiben, Kontakte mit Familie und Freunden vermeiden und am besten komplett isolieren: Die Empfehlungen von Wissenschaft und Politik sind klar formuliert, doch wie soll man sich daran halten, wenn man kein Zuhause hat? Heike Hein von der Fachberatungsstelle „Unter den Linden“ der Arbeiterwohlfahrt (AWO) über die derzeitigen Herausforderungen und die Frage, wie man helfen kann.
Frau Hein, wie geht es Ihnen gerade?
Heike Hein: Wir sind mittlerweile geübt. Für den ersten Lockdown hatten wir unsere Arbeit und unsere Angebote ja bereits angepasst. Den Sommer über sind wir auch dabei geblieben, sodass durch den zweiten Lockdown keine weiteren Änderungen nötig waren.
Wie haben Sie Ihre Arbeit an die Pandemie gepasst?
In der Notübernachtungsstelle in der Glaserstraße stehen zu Normalzeiten zwölf Betten für Männer und vier für Frauen. Die Betten haben wir nun allerdings halbiert. Zudem ist der Tagestreff geschlossen. Allerdings ist die Fachberatungsstelle weiterhin geöffnet. Die Menschen sind schließlich auch in der Pandemie auf unsere Arbeit angewiesen und brauchen eine Anlaufstelle.
Was passiert, wenn sich ein Obdachloser infiziert?
Glücklicherweise haben wir als Einrichtung einen kurzen Draht zum Gesundheitsamt und haben so die Möglichkeit, bei Symptomen schnell zu testen. Zusätzlich wurde uns von der GWG und der Stadt eine Wohnung zur Verfügung gestellt, in der die Erkrankten sich dann isolieren können und von uns mit dem nötigsten versorgt werden.
Dann helfen Sie auch präventiv?
Neben den üblichen Aufgaben, die wir nach wie vor haben, etwa die Auszahlung der Sozialhilfe, erhalten die Menschen bei uns alles was sie brauchen. Von Desinfektionsmittel bis zum Mundschutz.
Und wie kann man Ihnen helfen?
Am Besten ist uns mit Spenden geholfen. Egal ob nun Geld, damit wir neue Projekte planen können, Konserven und sonstige unverderbliche Lebensmittel oder auch warme Kleidung, sind bei uns immer willkommen. Und auch über ehrenamtliche Hilfe freuen wir uns sehr. Viele unsere Ehrenamtlichen gehören aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe und können derzeit nicht bei uns eingesetzt werden.