Bundesgartenschau 2039: Bürgermeister aus dem Echaztal errechnen sich gute Chancen

Die Echaz ist das verbindende Element in der Planung, sagt Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck.
Maik Wilke (Archivfoto)- Sechs Kommunen im Echaztal bewerben sich um die Bundesgartenschau 2039
- DBG-Delegation besuchte zwei Tage die Region – Bürgermeister zeigen sich zuversichtlich
- Leitidee ist die Echaz, dazu Biosphäre, Albtrauf und Wirtschaft als weitere Schwerpunkte
- Geplante Projekte: Park am Markwasen, Seen, Seilbahn, breitere Ufer, Renaturierung, Radweg
- Kosten laut Studie: Reutlingen rund 73 Mio., Pfullingen etwa 33 Mio., Zuschüsse bis 50 Prozent möglich
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Pralinen gibt es an diesem Abend keine. Stattdessen einen ganzen Stapel Papier: 250 bedruckte Seiten. Die sechs Bürgermeister aus dem Echaztal stehen bei der Übergabe der Machbarkeitsstudie in einer Reihe. Auf dem Tisch vor Ihnen: eine Geschenkbox mit rosa Schleife. Darin in seitenlanger Ausführung der Realitätscheck des Großereignisses.
Die Bundesgartenschau sei eine „einmalige Chance“, sagt Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck. Er beschreibt die Ausrichtung als „einen kraftvollen Motor“. Noch ist ungewiss, ob die sechs Kommunen den Zuschlag bekommen. Gute Chancen rechnen sich die Rathauschefs nach dem Besuch der Delegation der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft (DBG) aber aus.
Zwei Tage lang war die Gruppe in der Region unterwegs, hat Stopps an Sehenswürdigkeiten und in Cafés eingelegt. Im Mittelpunkt stand dabei die Echaz als verbindendes Element. Weitere Leitthemen sind Biosphäre, Albtrauf und Wirtschaft. Die Kriterienliste der Bundesgartenschau ist lang. Unter anderem geht es um Themen wie soziale Teilhabe und Nachhaltigkeit.
Ob die Achalmstadt, Pfullingen, Eningen unter der Achalm, Lichtenstein, Wannweil und Kirchentellinsfurt diese erfüllt haben? Er sei „positiv gestimmt“, sagt Thomas Banzhaf bei der Übergabe der Machbarkeitsstudie am Mittwochabend. Der Verwaltungsratsvorsitzenden der Deutschen Bundesgartenschaugesellschaft bescheinigt den sechs Männern neben sich, dass sie ihre Region fantastisch präsentiert haben. Zudem sei Baden-Württemberg bereits sehr erfahren, was die Ausrichtung des Megaevents angehe.

In einer Geschenkebox verpackt nimmt Thomas Banzaf die Machbarkeitsstudie entgegen. Er ist der Verwaltungsratsvorsitzenden der Deutschen Bundesgartenschaugesellschaft.
Sophie HolzäpfelMotor für Verwandlung
Dabei geht es um weit mehr als um Blumen. Die Bundesgartenschau sei ein Antrieb für die Verwandlung ganzer Regionen, sagt der Oberbürgermeister. Die Achalmstadt profitiere noch heute von der Landesgartenschau im Jahr 1984. Klimaschutz und Bauprojekte wollen die Kommunen gemeinsam umsetzen: etwa die Gestaltung eines großen Parks am Markwasen, künstlich angelegte Seen, eine Seilbahn und breitere Ufer für die Echaz sowie renaturierte Flächen. Ein großes Projekt ist zudem ein durchgängiger Radweg durch das ganze Echaztal. Keck hebt das freundschaftliche Miteinander und die konstruktive Zusammenarbeit unter den Bürgermeisterkollegen hervor.
Es sei nicht selbstverständlich, dass Eningen mit dabei ist, betont Bürgermeister Eric Sindek. Sein Amtskollege Stefan Wörner aus Pfullingen betont die interkommunale Zusammenarbeit, die schon jetzt durch die Zusammenarbeit nachhaltig gestärkt worden sei. „Die Schau ausrichten zu dürfen, wäre ein Höhepunkt für uns alle.“ Sein Ziel, schiebt er mit einem Augenzwinkern hinterher, sei dann eine Saisonkarte. „Wir sind BUGA-ready“, ruft Lichtensteins Noch-Bürgermeister Peter Nußbaum.
Kirchentellinfurts Rathausoberhaupt Bernd Haug sieht die Bundesgartenschau als Möglichkeit, sie für Besucher außerhalb der Region zu öffnen und damit den Tourismus anzukurbeln. Es gehe darum, Kräfte zu bündeln und Synergieeffekte zu nutzen.
Wie geht es jetzt weiter?
Die Pläne haben allerdings auch eine erhebliche finanzielle Dimension. Für die Ausrichtung der Bundesgartenschau müssten die Gemeinden tief in die Tasche greifen: Laut Machbarkeitsstudie werden für Reutlingen Investitionen von rund 73 Millionen Euro veranschlagt, auf Pfullingen entfallen etwa 33 Millionen Euro. Ein Teil der Kosten könnte allerdings durch Zuschüsse von Bund und Land aufgefangen werden. Üblicherweise übernehmen Bund und Land zwischen 30 und 50 Prozent der Kosten. Gleichzeitig setzen Handel, Gewerbe sowie die Hotel- und Gastronomiebranche auf zusätzliche Einnahmen durch die vielen Besucher.
Ob die sechs Kommunen tatsächlich den Zuschlag für die Bundesgartenschau 2039 bekommen, soll sich am 30. November entscheiden. Dann will die Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft bekannt geben, welche Bewerbung den Zuschlag erhält.
Vertrag soll 2027 geschlossen werden
Rund 1,75 Millionen Besucher werden für die Bundesgartenschau erwartet. Die sechs beteiligten Kommunen müssen dafür mindestens 40 Hektar Ausstellungsfläche nachweisen – diese Vorgabe erfüllen sie. Vorgesehen ist unter anderem der Sport- und Freizeitpark Markwasen. 2027 sollen dafür Durchführungs- und Gesellschaftsvertrag geschlossen werden.
