Bosch eBike Systems: Geschäftsleiter: Politik muss Ausbau vorantreiben

Der kurvige Holzbau erinnert etwas an „Wodan“, die Holzachterbahn im Europa-Park. Im Trailpark in Kusterdingen probt und prüft Bosch eBike Systems Antriebssysteme und neue Produkte.
Thomas Kiehl (Archivfoto)eBikes sind als das meistverkaufte Elektrofahrzeug in Europa nicht mehr aus dem Straßenbild wegzudenken. Allein in Deutschland gibt es nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands bereits rund elf Millionen eBikes, 2023 wurden erstmals mehr davon verkauft (53 Prozent) als konventionelle Fahrräder (47 Prozent). Gleichzeitig stieg die Zahl der geleasten Diensträder zwischen 2019 und 2023 kontinuierlich an und wuchs jährlich im Durchschnitt um 45 Prozent, sodass die Dienstradleasing-Flotte inzwischen 1,9 Millionen Räder umfasst. Allein im letzten Jahr kamen 0,79 Millionen neu geleaste Räder hinzu, davon 80 Prozent eBikes. Das erklärt Bosch eBike Systems in einer Pressemitteilung.
„eBikes sind ein wichtiger Treiber für eine nachhaltige Mobilitätswende und auf kurzen und mittleren Distanzen bereits heute eine bedeutsame Alternative zum Auto. Dies bestätigt die von Bosch eBike Systems durchgeführte repräsentative Studie in acht europäischen Ländern sowie den USA“, schreibt die Bosch-Tochter. In dieser Studie geben 49,7 Prozent der eBike-Fahrenden an, die Hälfte ihrer bisherigen Autofahrten mit dem eBike zu ersetzen. Außerdem fahren sie häufiger (69,4 Prozent) und legen weitere (69,8 Prozent) Entfernungen als mit dem konventionellen Fahrrad zurück. Mit der zunehmenden Nutzung der eBikes steigt auch die Relevanz für den Ausbau einer sicheren Fahrradinfrastruktur. Über 70 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich von der Politik mehr Engagement für den Ausbau der Fahrradinfrastruktur wünschen.
Geschäftsleiter: „Brauchen eine positive Fahrradkultur“
„Unsere Studie zeigt, dass für eBikerinnen und eBiker sowie Fahrradfahrer das Thema Sicherheit im Straßenverkehr eine hohe Priorität hat und die Sorge vor Unfällen weiterhin stark ausgeprägt ist“, sagt Claus Fleischer, Geschäftsleiter Bosch eBike Systems. „Damit das persönliche Sicherheitsempfinden steigt und noch mehr Menschen auf eBikes umsteigen, brauchen wir eine ganzheitliche, positive Fahrradkultur. Das bedeutet konkret: Der Ausbau der Infrastruktur muss stärker gefördert und weiter vorangetrieben werden – und zwar auf allen politischen Ebenen.“
In Reutlingen wird das seit Jahren forciert; der Radverkehr soll attraktiver werden, damit mehr Menschen auf das Auto verzichten. Dadurch soll die Verkehrsbelastung in der Innenstadt reduziert werden. Jüngstes Beispiel des Radausbaus, der vor allem mit der Task-Force Radverkehr umgesetzt wird: In der Planie haben Radfahrer nun die Vorfahrt und Autofahrer müssen an den Kreuzungen Kaiser- und Bismarckstraße warten. „Die Verkehrswende muss mit großen Schritten angegangen werden. Unser Ziel ist, den umweltfreundlichen Verkehr zu stärken. Dabei gilt: Gute Radinfrastruktur bringt mehr Radverkehr“, sagte Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck bei der offiziellen Eröffnung der Radstraße.
Mehr als jeder vierte eBikefahrer hatte bereits einen Unfall
In der Umfrage von Bosch eBike Systems erklären 78,7 Prozent der Befragten, es sei ihnen wichtig, sich während der Fahrt auf dem Pedelec sicher zu fühlen. Tatsächlich haben aber 77,3 Prozent der Umfrageteilnehmer Sorge vor einem Unfall. Mehr als ein Viertel der Befragten (27,8 Prozent) war bereits an einem Unfall beteiligt, zumeist innerorts (70,3 Prozent) und auf der Straße (48,8 Prozent) – auf dem Radweg waren es hingegen knapp ein Drittel (28,4 Prozent).
Rund die Hälfte der Befragten meiden deshalb bestimmte Strecken (48,4 Prozent), hohe Geschwindigkeiten (48,1 Prozent) sowie bestimmte Wettersituationen (46,3 Prozent) oder Uhrzeiten (32,8 Prozent). Auf der Straße fahren zu „müssen“, beeinflusst die Sicherheitswahrnehmung maßgeblich: Von Lastwagen überholt zu werden (60,9 Prozent) oder sich die Fahrspur mit Autos und Lkws teilen zu müssen (59,5 Prozent), löst bei den Befragten das größte Unbehagen aus.
Die Niederlande als Vorbild
Dass der konsequente Ausbau der Fahrradinfrastruktur in der Stadt und auf dem Land sowohl die Verkehrssicherheit als auch die Sicherheitswahrnehmung verbessern kann, zeigt das Beispiel der Niederlande, wie Bosch in der Pressemitteilung schreibt. Laut der European Cyclists' Federation (ECF) führt ein gut ausgebautes Netz von Radwegen und spezifischen Radfahrspuren zu einer signifikanten Reduktion von Unfällen und einem gesteigerten Sicherheitsgefühl der Radfahrenden. Dies bestätigt auch die Umfrage von Bosch eBike Systems, in der sich nur 24,8 Prozent der niederländischen Befragten vor einem Unfall sorgen, während es bei den deutschen Befragten 55,0 Prozent sind.
Antriebssysteme für mehr als 100 Fahrradmarken
Bosch eBike Systems „gestaltet die Zukunft der eBike-Mobilität mit innovativen Produkten und digitalen Services, die von hocheffizienten Antriebssystemen über das erste serienreife ABS fürs eBike bis hin zu Connected Biking Lösungen reichen“, erklärt das Unternehmen mit Sitz in Reutlingen. Bosch eBike Systems bietet eBikern für jeden Einsatzbereich das passende Antriebssystem (Drive Unit, Akku, Display und App). Heute vertrauen mehr als 100 weltweit führende Fahrradmarken dem aufeinander abgestimmten, modularen Produkt-Portfolio. Als eigenständiger Geschäftsbereich innerhalb der Bosch-Gruppe nutzt Bosch eBike Systems auch das Technologie- und Fertigungs-Know-how des Konzerns.

