BMT-Tierheim Pfullingen
: Wo Horsti, Holgi und Pommes auf ihr Glück warten

Im Tierheim des Bundes gegen Missbrauch von Tieren ist immer was los. Jedes Tier hat seine Geschichte. Manche brauchen ein ganz besonderes Zuhause.
Von
Natalie Eckelt
Pfullingen
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Horsti (links) und Gisi (rechts) haben zusammen viel durchgemacht. Deshalb werden sie nur gemeinsam vermittelt.

Horsti (links) und Gisi (rechts) haben zusammen viel durchgemacht. Deshalb werden sie nur gemeinsam vermittelt.

Nathalie Eckelt
  • Im Tierheim Pfullingen warten Horsti, Gisi, Holgi und Pommes auf passende Plätze.
  • Horsti und Gisi kamen aus schlechter Haltung, leben unzertrennlich zusammen und sind älter.
  • Holgi ist ein fünf Meter langer Tigerpython-Hybrid, der nur schwer vermittelbar ist.
  • Mini-Schwein Pommes gilt als aggressiv, Vermittlung scheitert bisher an der Haltung.
  • Tierheim lehnt ungeeignete Anfragen ab und erlebt Druck – trotzdem bleiben Pfleger bei den Tieren.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Horsti und Gisi sind ein altes Ehepaar“, sagt Heidi Riekert vom Pfullinger Tierheim. „Die zwei machen alles gemeinsam und wehe, man holt mal den einen ohne den anderen aus dem Gehege. Dann wird laut geschimpft.“ Horsti ist ein zehnjähriger Zwergspitz und Gisi seine siebenjährige Terrier-Mix-Freundin. „Wir haben die zwei im Juli aus unserem Partner-Tierheim aus Kassel übernommen, wo sie schon einige Jahre waren. Sie kamen aus einer ganz miserablen Haltung.“

Das Pfullinger Tierheim gehört zum Verein Bund gegen Missbrauch von Tieren. Wegen ihres Alters, und weil die beiden nur zusammen vermittelt werden, hatten sie bisher keine Interessenten. „Die zwei zoffen sich auch mal, aber weil sie so viel durchgestanden haben, brauchen sie sich. Wo Gisi unsicher ist, ist Horsti der Stärkere und umgekehrt.“ Dabei hat Horsti einen durchaus festen Charakter. „Typisch Spitz eben“, sagt Heidi Riekert. „Er hat nur vier Zähne, zeigt aber lautstark, was er will.“

Momentan leben 23 Hunde und 23 Katzen im Tierheim, das 2005 zwischen Pfullingen und Gönningen errichtet wurde. 15 Mitarbeiter kümmern sich hier rund um die Uhr um alle großen und kleinen Tiere, von denen manche schon lange hier zu Hause sind. „Unser längster Mitbewohner ist Holgi“, erzählt die Assistentin der Tierheimleitung. Holgi ist eine fünf Meter lange Würgeschlange, ein Tigerpython. „Er kam als Privatabgabe vor zehn Jahren zu uns. Seither ist er ordentlich gewachsen. Deshalb haben wir einen unserer Büroräume aufgegeben und daraus ein Exotenzimmer mit einem eigenen Apartment für Holgi gemacht.“

Keine Angst, aber Respekt

Angst hätten die Tierpfleger nicht vor ihm. „Aber Respekt“, so Heidi Riekert. „Holgi ist eigentlich ein ruhiger Zeitgenosse, aber er hat auch mal einen pissigen Tag“, sagt sie und muss lachen. „Das merken wir, wenn er unruhiger ist als sonst. Dann lassen wir die Türe lieber zu.“ Ein Zuhause für Holgi zu finden, ist sehr schwierig. „Zoos nehmen ihn nicht auf, weil er ein Hybride ist, also aus einer Zucht stammt. In einer Privatwohnung könnte man ihn kaum artgerecht halten. Das müsste jemand sein, der sehr gute Kenntnisse im Umgang mit Würgeschlangen hat.“ Eine Anfrage gab es in den zehn Jahren nicht.

Ab und an schlechte Laune hat auch ein anderer Tierheim-Bewohner namens Pommes. „Das ist eines unserer Mini-Schweine.“ Pommes kam im Bauch seiner Mama ins Tierheim. Das Mini-Schwein stammte aus einer Beschlagnahmung und bekam ihre Ferkel im Tierheim. Einige davon konnten vermittelt werden. Nur bei Pommes ist die Vermittlung schwierig. „Er ist sehr aggressiv. Da sind schon einige unserer Tierpfleger über den Zaun gesprungen.“ Verletzt wurde niemand.

Egal wie aufregend und aufwendig die Pflege ihrer Schützlinge ist, was der Tierheimmitarbeiterin wirklich zusetzt, sind oft die Menschen. „Die Tiere und ihre artgerechte Haltung stehen bei uns an oberster Stelle.“ Deshalb müsse man manchmal auch Anfragen ablehnen, was nicht selten zu Beschimpfungen und lauten Telefonanrufen führt. „Das halten wir schon aus“, sagt sie. „Ich geh dann für zehn Minuten in unser Katzenzimmer, streichle unsere Katzen, und dann geht es wieder.“

Aber manchmal kommt auch die erfahrene Tierpflegerin an ihre Grenzen. „Wir bekommen auch jetzt noch viele Tiere, die in der Corona-Zeit angeschafft wurden. Und besonders schlimm ist es, wenn wir eine Anfrage abgelehnt haben, sich derjenige dann anderswo ein Tier beschafft und es dann bei uns aus genau den Gründen abgibt, warum wir ihm kein Tier gegeben haben.“

Vor einiger Zeit habe ein Mann seine beiden Katzen abgegeben, weil er sie nicht mit in eine neue Wohnung nehmen könne. „Zwei Tage später hat seine Schwiegermutter angerufen, dass das mit dem Umzug gar nicht stimme und er die Tiere nur loswerden wollte.“ Glücklicherweise hat die Schwiegermutter die beiden Katzen aufgenommen. „Wir wissen also oft gar nicht mehr, was wir noch glauben können.“

Zum Sterben abgegeben

Immer wieder bringen Leute ihre Tiere auch zum Sterben ins Tierheim. „Da hatten wir unseren Amaro, ein völlig abgemagerter Bengalkater. Die Besitzer sind nicht mit ihm zum Tierarzt, obwohl mehrere Organe entzündet waren. Er war so ein fröhlicher Kater und wollte leben. Aber er hat es trotz aller Bemühungen nicht geschafft. Er hat aber noch die ganze Nacht gewartet, bis ein Tierpfleger morgens kam und ist dann in seinen Armen gestorben.“

Eines der Versprechen, das die Tierpfleger den Tieren geben: „Dass wir sie nicht alleine lassen. Wir sind auch beim Einschläfern immer dabei, manchmal zu dritt oder viert.“ Zum Glück kommen auch immer wieder echte Tierfreunde ins Tierheim, die sich ein neues Familienmitglied wünschen. Mit etwas Glück finden auch Horsti und Gigi ein neues Zuhause, das sie gemeinsam als altes Ehepaar genießen können.

Tierheimfest am 5. und 6. September

Das Tierheim feiert am Samstag, 5. September, von 14 bis 17 Uhr und am Sonntag, 6. September, von 12 bis 17 Uhr sein großes Tierheimfest mit einer Tombola und Verkaufsständen. Mehr Informationen gibt es im Internet auf www.tierheim-pfullingen.de oder telefonisch unter Telefon (07121) 8201720.