Blutspenden in Reutlingen: Warum es im Moment so wenige Blutkonserven gibt

Im Sommer gingen erheblich weniger Menschen zur Blutspende als normal. (Symbolfoto)
Patrick Pleul/dpaFür das Rote Kreuz sind die Sommermonate eine tückische Zeit. Die vielen Stunden, die die Menschen im Freien verbringen, führen dazu, dass weniger Menschen zur Blutspende gehen. Vor wenigen Wochen schlug das Rote Kreuz schließlich Alarm: Der Vorrat der Blutkonserven neigt sich dem Ende zu. Das bedeutet zwar nicht, dass für Notfälle in Krankenhäusern nichts mehr übrig ist. Aber planbare Operationen werden wegen des Engpasses bereits verschoben.
Doch wie ist die Lage in Pfullingen und Umgebung? Ganz so einfach lässt sich diese Frage nicht beantworten. „Insgesamt werden in Baden-Württemberg und Hessen aber täglich etwa 3000 Blutspenden benötigt, um den Bedarf zu decken“, schildert Leonie Hain, die beim Roten Kreuz für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.
Liegen blieben über den Sommer teils unbelegt
Der Bedarf an Blut lasse sich nicht pauschalisieren: Unfälle, Erkrankungen sowie geplante und ungeplante Operationen kommen nicht täglich, wöchentlich, monatlich oder jährlich in gleichbleibendem Umfang vor. Der DRK-Blutspendedienst arbeitet hingegen bedarfsorientiert. Das heißt, dass bei Blutspendeterminen idealerweise so viel Blut abgenommen wird, wie es die Krankenhäuser benötigen. „Was man aber sagen kann: Wenn bei Blutspendeterminen alle angebotenen Liegen belegt sind, können wir beruhigter schlafen“, sagt Hain mit einem Augenzwinkern.
Doch ebendiese Liegen sind über den Sommer größtenteils unbelegt geblieben. „Besonders im Sommer konkurriert die Blutspende mit zahlreichen Freizeitangeboten: Großereignisse, Festivals, Sommerferien und Hitze – all das führt zu weniger Spenden“, verdeutlicht Hain. Und dazu komme noch das fehlende Bewusstsein für die Blutspende an sich, da viele Menschen in ihrer Lebensrealität keine Berührungspunkte damit hätten. „Viele Menschen kommen meist erst mit dem Thema Blutspende in Kontakt, wenn sie selbst oder ein naher Angehöriger schwer erkrankt und auf die lebensrettende Blutspende angewiesen ist.“
Doch es gebe auch jene Menschen, die sich gar nicht erst trauen, zur Blutspende zu gehen. Grund dafür kann zum Beispiel die Angst vor Nadeln sein. Daran soll es aber nicht scheitern, sagt Leonie Hain. „Am besten einfach zu zweit Blut spenden, zum Beispiel mit der besten Freundin oder dem Partner – und zwar nicht nur als emotionale Stütze, sondern auch für die Ablenkung bei Nervosität“, so Hain. Vielen Menschen helfe es auch, sich vor Augen zu halten, dass es nur ein kleiner Piks und dafür „eine gute Tat mit einer großen Wirkung“ ist.
Reine Blutentnahme dauert nur 15 Minuten
Wer sich auf die Blutspende vorbereiten möchte, solle einfach im Vorfeld darauf achten, dass er oder sie ausreichend isst und vor allem viel trinkt. Das sorge für einen stabilen Kreislauf. Viel getrunken zu haben könne auch im wahrsten Sinne des Wortes dafür sorgen, dass das Blut besser „laufe“. Im besten Fall dauert die Blutentnahme dann nicht so lange wie geplant. Dazu kursieren im Übrigen auch Mythen.
Viele Menschen denken zum Beispiel, dass Blutspenden sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. „Dabei gehört die Blutspende zu den einfachsten und schnellsten guten Taten: Benötigt wird maximal eine Stunde Zeit, davon dauert die reine Blutentnahme nur knapp 10 bis 15 Minuten“, verdeutlicht die Rotkreuzlerin. Abgenommen werden 500 Milliliter Blut. Gespendet werden darf mehrfach im Jahr im Abstand von 56 Tagen. Was auch ein Mythos sei: Zur Blutspende gehe man nüchtern. „Das ist falsch“, konstatiert Hain. Im Vorfeld der Blutspende sei es wie erwähnt sogar wichtig, dass ausreichend gegessen und vor allem getrunken werde.
Patric Nohe, Bundessprecher der DRK-Blutspendedienste, verdeutlichte die prekäre Lage kürzlich auch gegenüber dem ZDF: „Das Fundament der Blutspender in Deutschland bilden aktuell die Babyboomer.“ Doch ebendiese Menschen seien nun in einem Alter, in dem sie selbst zum Beispiel aufgrund von Medikamenteneinnahme nicht mehr Blut spenden können. Deswegen sei die jüngere Generation umso gefragter. „Bereits zwei Blutspenden pro Jahr könnten helfen“, so Nohe. Denn sollte sich die Situation nicht bessern, müssten noch mehr Operationen verschoben werden. Das Rote Kreuz formuliert es noch drastischer: „Grundsätzlich ist Blut nicht künstlich herstellbar. Wenn niemand mehr Blutspenden gehen würde, würde das ziemlich schnell in einer großen Katastrophe enden.“
Wann man in Reutlingen wieder Blut spenden kann
17.09.2024 in der Julius-Kemmler-Halle, Reutlingen/Betzingen (14.30 bis 19.30 Uhr)
20.09.2024 in der Gemeindehalle, Pliezhausen (14.30 bis 19.30 Uhr)
24.09.2024 in den Pfullinger Hallen (14.30 bis 19.30 Uhr)
02.10.2024 in der Wittumhalle, Reutlingen (14.30 bis 19.30 Uhr)
22.10.2024 in der Laura-Schradin-Schule, Reutlingen (10 bis 14.00 Uhr)
05.11.2024 im Pavillon/Gebäude 17 der Hochschule Reutlingen (10.30 bis 14.30 Uhr)

