Auszeichnung: Dokudrama „Frauen von Pfullingen“ erhält Hauptpreis in Cannes

Nach Jahren des Krieges begehren die Frauen in Pfullingen auf. Unter anderem Luise Walker, gespielt von Schauspielerin Lisa Däumler.⇥
AV Medien AGDer Widerstand der Pfullinger Frauen gegen die NS–Machthaber ist in der französischen Festival–Stadt Cannes ausgezeichnet worden. Das Dokudrama „Unbekannte Helden — Widerstand im Südwesten“ erhielt beim Festival „Corporate Media & TV Awards“ einen der Hauptpreise, den silbernen Delphin. Die dramatischen Tage kurz vor Kriegsende 1945, als viele Frauen den NS–Stadthalter von Pfullingen aus der Stadt vertrieben und die Barrikaden abgebaut haben, ist eine der fünf Episoden des Filmes. Gedreht wurde im Januar mitten in der Pfullinger Innenstadt (wir berichteten).
Pfullinger Bürger als Statisten
Das 90–minütige Dokudrama (Erstausstrahlung am 3. Mai 2020) erzählt vom Widerstand gegen das NS–Regime in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges. Es ist eine Koproduktion der Produktionsfirma AV Medien in Stuttgart mit dem SWR und wurde von der MFG Baden–Württemberg gefördert. Neben Ulrike Folkerts, Walter Sittler, Karl Kranzkowski und Sebastian Blomberg wirken rund 200 StatistInnen mit, viele davon auch aus Pfullingen und Umgebung.
Brettheimer Bürger, die Hitlers letztes Aufgebot entwaffnen und dafür hingerichtet werden, die Pfullinger Frauen, die den NS–Statthalter vertreiben, die mutigen PfarrerInnen, die jüdischen Flüchtlingen Unterschlupf gewähren, eine Gruppe von Jugendlichen aus der Vulkaneifel und der Major Günter Zöller, der das württembergische Allgäu durch beherzten Einsatz vor einer Giftgaskatastrophe bewahrt — das sind die fünf bewegenden Geschichten des Films. Mit dem ihm wurde zum 75. Jahrestag des Kriegsendes den unbekannten Widerständlerinnen in Baden–Württemberg und Rheinland–Pfalz ein filmisches Denkmal gesetzt.
In Spielszenen werden die Tage im April und Mai 1945 nacherzählt und durch aufwendig inszenierten Szenen mit bisher unveröffentlichtem Archivmaterial, Augenzeugen–Berichten und erläuternden Statements von Expertinnen ergänzt. Für die Episode über die Frauen von Pfullingen konnten Hans Klenk als Augenzeuge sowie Lisl Brändle und Brigitte Keinath als Nachfahrinnen von Sofie Schlegel gewonnen werden. Die Rolle von Sofie Schlegel spielt Barbara Stoll, die Rolle des NS–Statthalters Julius Kieß verkörpert der Schauspieler Dominik Weber, bekannt aus dem Volksfest–Drama „Das Jahr ohne Sommer“.
Das Drehbuch stammt von Ulrike Stegmann, Regie führten Bernhard Stegmann und Samuel Ackermann, Produktionsleiter war Holger Bergmann, alle von AV Medien in Stuttgart. Die Idee zu dem Film stammt von Norbert Bareis, der auch Redakteur der Sendung ist.
Info Der Delphin ist der Hauptpreis beim jährlichen „Cannes Corporate Media & TV Awards“– Festival, bei dem sich im Corona–Jahr über 850 Produktionen aus 41 Ländern um die begehrten Preise bewarben.
