Alpakas grasen auf der Alb: Johanna und Herbert Ruch züchten Kleinkamele – nicht nur der Wolle wegen

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Nicht gesetztSie heißen Albus, Anubis und Cappuccino, Shadow, Cloud und Helios, aber manchmal nennt Johanna Ruch ihre Alpakas, die sie alle beim Namen kennt, obwohl die Herde mittlerweile über 90 Tiere zählt, auch „meine Kinder“. Die Namen, sagt die 61-Jährige, finden sie und ihr Mann Herbert ganz intuitiv. Glücklicherweise seien die Vorschriften bei Alpakas noch nicht so streng wie etwa bei Pferden, die Namensgebung bleibe den Züchtern überlassen. Und so darf eine ihrer Stuten Kinder bekommen, die alle nach Göttern benannt sind, eine andere hat Fohlen mit Rosennamen – und dann gibt es noch Winde und Farben. Oder Cherokee, die heißt so, weil ihr Gesicht eine Kriegsbemalung trägt.
Eigentlich ist das Ehepaar Ruch zu den Alpakas gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. Beide waren im IT-Bereich tätig und hatten von Tierhaltung keine Ahnung. Lediglich mit Katzen hatten sie Erfahrung, erzählt Herbert Ruch, während er Rana, die immer gerne als erste zum Schmusen kommt, den schwarzen Schopf krault. Bei einer Amerikareise sahen sie irgendwann eine Alpakaherde und waren von den sanftmütigen Tieren mit ihren großen dunklen Augen, den langen Wimpern und dem flauschigen Pelz sofort begeistert. Zurück an der Achalm, wo sie damals wohnten, hatte sie der Alltag aber rasch wieder – und die Kleinkamele gerieten zunächst in Vergessenheit.
Doch dann verlor die Software-Entwicklerin ihren Job und sie beschloss, noch einmal etwas ganz anderes zu machen. Die Alpakas kamen ihr wieder in den Sinn und so kauften Johanna und Herbert Ruch 2004 drei trächtige Stuten aus Australien, wo die Alpakazucht damals schon recht erfolgreich war. Für den Kauf taten sie sich mit einem deutschen Züchter zusammen, der bereits einen Import vorbereitet hatte. Und der prophezeite ihnen damals: „Die Alpakas werden euer Leben verändern.“
Was Herbert Ruch zunächst als „Lettengeschwätz“ abtat, trat schon wenig später ein. Schon im darauffolgenden Jahr schafften die beiden drei weitere trächtige Stuten an, die Achalm-Alpaka-Zucht nahm ihren Lauf. 2006 zogen die Ruchs dann mit ihrer 12-köpfigen Herde nach Wasserstetten auf die Schwäbische Alb, wo sie einen ideal gelegenen alten Bauernhof kaufen konnten. Mit großen Stallungen und umliegendem Weideland. Die Tiere können selbst entscheiden, ob sie im Stall bleiben oder auf die Weide gehen.
Längst ist, was als ungewöhnliches Hobby begann, ein Volltimejob geworden. Alpakawolle ist eine begehrte hochwertige Naturfaser, die sich nicht nur bei Schurwolle-Allergikern steigender Beliebtheit erfreut. Anders als in Peru oder Chile, wo die sanften Alpakas auch als Fleischproduzenten geschätzt werden, müssen die Kleinkamele auf der Alb den Metzger nicht fürchten. „Wir züchten sie wegen der Wolle“, betont Herbert Ruch, „bei uns dürfen sie alt werden.“
Einmal im Jahr kommen die Tiere, die sonst ein recht beschauliches Leben führen, richtig in Stress – bei der Schur. Kleinkamele, erklärt Ruch, sind Fluchttiere und müssen zum Scheren liegend auf einem Tisch fixiert werden: „Sonst ist die Verletzungsgefahr zu groß.“ Geschoren wird immer nach den Eisheiligen, damit die Alpakas, wenn sie ihren Pelzmantel verlieren, nicht frieren müssen. In den ersten Jahren sei ein Schafscherer gekommen, mittlerweile übernimmt der 64-Jährige diese Arbeit selbst. Aber für die Frisuren und den Schwanz sei seine Frau zuständig, meint er lachend und zeigt auf die unterschiedlich gestylten Alpaka-Köpfe, die uns mit großen Augen neugierig anschauen.
Zwischen drei und fünf Kilogramm Wolle produzieren die Tiere im Jahr. Davon sind maximal 800 bis 1500 Gramm 1A-Qualität, weiß Johanna Ruch, die die Fasern sofort nach der Schur nach Farbe und Qualität sortiert und säubert. Rund 30 Euro bekommt sie für ein Kilogramm unversponnenes Vlies. Zu Garn versponnen ist es viel teurer: rund 150 Euro das Kilo. Die Ruchs lassen ihre Wolle in einem kleinen Betrieb im Sauerland verarbeiten und haben die Gewähr, dass sie tatsächlich die Wolle ihrer eigenen Tiere zurückbekommen. In einem kleinen Hofladen verkaufen sie nicht nur eigene Produkte wie Mützen, Stirnbänder und Bettdecken mit Alpakafaserfüllung, sondern auch bunte Strickwaren aus den Anden.
Nicht jedes Tier produziert gleich hochwertige Fasern. Dies wird bei der Auswahl der Zuchtstuten und Hengste berücksichtigt. Um die Zucht weiter zu veredeln und den Ertrag zu steigern, haben die Ruchs nicht nur sechs eigene Deckhengste, sie tauschen die Tiere auch immer wieder mit anderen Züchtern aus. Und sie verkaufen mittlerweile auch selbst Tiere aus ihrem Bestand. Zwischen 4000 und 5000 Euro ist eine Zuchtstute wert, ein guter Hengst noch deutlich mehr. Die Tiere sind alle registriert mit einem Mikrochip am Hals und einer DNA-Probe, sagt Ruch: „Die finden wir auf der ganzen Welt wieder.“
Die Stuten tragen 11,5 Monate, in diesem Sommer gab es bei den Ruchs sechs Mal Nachwuchs. Nächstes Jahr könnten es 15 Fohlen sein, wenn alles klappt. Denn nicht jeder Hengst ist den Alpaka-Damen genehm. Ruch erinnert sich, wie er eine Stute zum Decken zu einem bestimmten Hengst in die Schweiz schickte, doch die konnte den Typ nicht leiden. Glücklicherweise hatte der Züchter noch weitere Hengste zur Auswahl: „Der Vierte hat ihr dann gefallen.“
Die Wollproduktion ist zwar der Hauptzweck der Alpaka-Zucht. Aber da die freundlichen Tiere eine total beruhigende Wirkung auf Menschen haben, sind sie auch für therapeutische Zwecke hervorragend geeignet.
Seit geraumer Zeit bieten die Ruchs Wanderungen mit den Alpakas an. Mit großem Erfolg, wie die beiden berichten: „Alle sind zufrieden, wir haben noch nie einen Ausfall gehabt.“ Um mit den sanftmütigen Alpakas spazieren zu gehen, kommen die Gäste von weither. Manche kommen dann immer wieder.
Mit den Achalm-Alpakas über die Schwäbische Alb
Alpakas gehören wie die Lamas zu den Kleinkamelen. Schon vor 5000 Jahren wurden sie von den Inkas in Südamerika gezüchtet. Wegen ihrer hochwertigen und strapazierfähigen Wolle, die fast so wertvoll ist wie Kaschmirwolle, werden sie mittlerweile weltweit geschätzt. Allein in Deutschland gibt es bereits 400 Alpaka-Züchter. Die Achalm-Alpakas von Johanna und Herbert Ruch in Wasserstetten (Gomadingen) kann man besuchen. Neben Hofführungen bieten die Ruchs unter anderem Einsteiger-Seminare zur Alpakahaltung und bis zu zweistündige Wanderungen mit Alpakas für Kinder und Erwachsene an. Im Hofladen gibt es Strickwaren und Bettdecken aus Alpaka-Wolle. Weitere Informationen unter www.achalm-alpaka.de