ÖPNV Baden-Württemberg
: Günstigere Monats- und Jahreskarten ab Dezember: Das müssen Pendler jetzt wissen

Ab 13. Dezember brauchen Pendler mit nur noch ein Ticket, auch wenn sie über die Grenzen der Verkehrsverbünde hinaus fahren. Was ändert sich mit dem neuen BW-Tarif?
Von
David Nau
Stuttgart
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„Ein Ziel, ein Ticket“ – diese Grundregel gilt in Baden-Württemberg ab Dezember auch für die Inhaber von Monats- und Jahreskarten.

Sebastian Gollnow/dpa

Schon seit Dezember 2018 können die Menschen in Baden-Württemberg mit nur einem Ticket im Nahverkehr unterwegs sein – auch wenn sie dabei eine der vielen Grenzen zwischen den insgesamt 22 Verkehrsverbünden überqueren. Damals wurde der sogenannte BW-Tarif für Einzeltickets und Tageskarten eingeführt. Zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember folgen nun auch die Monats- und Jahreskarten, sodass die Fahrt über Verbundgrenzen auch für Pendler einfacher wird. Was ändert sich genau? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie war die Lage bisher?

Bislang brauchte eine Berufspendlerin, die beispielsweise täglich von einem Ulmer Stadtteil in einen Stuttgarter Stadtteil pendelte drei verschiedene Tickets: Eines für die Bahnfahrt zwischen Ulm und Stuttgart und je eines für Bus und Straßenbahn in Stuttgart und Ulm.

Was ändert sich mit den neuen BW-Tarif-Zeitkarten?

Laut Verkehrsministerium wird das Pendeln mit dem Zug damit deutlich einfacher. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) spricht von einem „Streaming-Abo für den Regional- und Nahverkehr“. Vom 13. Dezember an brauchen Pendlerinnen und Pendler, die über die Grenzen der Verkehrsverbünde hinweg unterwegs sind, nicht mehr die Tickets verschiedener Verbünde kombinieren. Die neue BW-Tarif-Zeitkarte umfasst dann sowohl die Bahnfahrt zwischen Ulm und Stuttgart, als auch die Fahrten mit Straßenbahn und Bussen in Stuttgart und Ulm. Die neuen Zeitkarten im BW-Tarif gibt es als einfache Monatskarte, als Monats- und Jahresabo, sowie als Jobticket.

Werden die Tickets billiger oder teuerer?

Die Tickets werden meist billiger. Unsere Pendlerin auf der Strecke Ulm–Stuttgart zahlt bislang für die Zeitkarte der Deutschen Bahn 275 Euro im Monat. Bezieht sie das Monatsticket als Jahresabo, kostet sie das Ticket 225 Euro im Monat. Darin sind aber die Kosten für die Straßenbahnen und Busse in Stuttgart und Ulm nicht enthalten. Mit dem neuen BW-Tarif kostet das klassische Monatsticket künftig 260 Euro, im Jahresabo noch 217 Euro. Die geringeren Einnahmen für die Verkehrsverbünde trägt das Land, das die BW-Tarif-Zeitkarten mit 8,6 Millionen Euro pro Jahr fördert. Für Pendler, die auch eine Bahncard besitzen, können allerdings Einzeltickets im BW-Tarif günstiger sein als das Monatsticket. Bei dem gilt nämlich der Rabatt der Bahncard nicht. Einen Tarifrechner für Ihre individuelle Strecke gibt es auf der Website von Bwegt.

Was ist mit Schülern und Azubis?

Für diese Gruppe werden die neuen Tickets erst zum Schuljahr 2021/22 eingeführt. Einer Sprecherin der Baden-Württemberg-Tarif GmbH zufolge, hätte eine Umstellung während des Schuljahrs zu viel Mehraufwand bedeutet.

Warum führt das Land den BW-Tarif auch für Jahres- und Monatskarten ein?

Der Geschäftsführer des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV), Alexander Pischon, hofft, dass man mit den neuen Tickets mehr Kunden für den ÖPNV gewinnen kann. Man leiste damit einen „entscheidenden Beitrag dazu, um Fahrgäste wieder zurückzugewinnen“, die man durch die Corona-Pandemie verloren habe. Verkehrsminister Hermann sagt: „Das umweltfreundliche Pendeln mit Bus und Bahn wird so noch einfacher und preiswerter.“ Das findet auch der Verkehrsclub VCD. Es sei jedoch wichtig, dass auch der Fernverkehr gegen Aufpreis integriert werde. „Auf vielen Strecken fahren schnelle Züge des Nah- und Fernverkehrs im Wechsel“, sagt VCD-Chef Matthias Lieb. Zum Beispiel zwischen Karlsruhe, Stuttgart und Aalen, entlang der Rheintalbahn sowie der Filstalbahn. Viele Fahrgäste im Land seien deswegen mit Fernverkehrskarten unterwegs.

Wie fällt die Bilanz bei den Einzeltickets aus?

Seit 2018 gibt es den BW-Tarif schon für Einzeltickets und Tageskarten. 2019 seien insgesamt 15,6 Millionen Fahrten im BW-Tarif unternommen worden. das entspreche einem Jahresumsatz von 123,4 Millionen Euro – zwei Prozent mehr als im Vorjahr, obwohl die Fahrpreise deutlich gesenkt worden seien.

Was ändert sich sonst zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember?

Die Deutsche Bahn dünnt ihr Liniennetz etwas aus und bietet Pendlern in Baden-Württemberg vom 13.Dezember an weniger Alternativen als bisher. So wird im Fernverkehr beispielsweise das Angebot für Reisende zwischen Stuttgart und der Rhein-Neckar-Region reduziert, wie eine Bahn-Sprecherin am Mittwoch in Stuttgart auf Anfrage bestätigte. Auch bestimmte Verbindungen ins Rheinland fallen weg. Als Grund für die Maßnahme nannte die Sprecherin neue Corona-Beschränkungen und gesunkene Passagierzahlen.

Die Verbindungen nach Frankreich werden wegen Corona bereits ab Donnerstag stark eingeschränkt. Betroffen sind die Verbindungen Stuttgart–Paris und Mannheim–Marseille.