Trauer um Ingrid Weichsberger: Langjährige Reporterin der SÜDWEST PRESSE verstorben

So kannten viele Vöhringer Ingrid Weichsberger: unterwegs auf einer dienstlichen Radtour zu einem SWP-Termin. Ihre Kamera hat sie auf den Gepäckträger geklemmt.
Rainer Melichar„Hallo Frau Weichsberger…“ Wie viele Telefonate über die Jahre so begannen, kann der Autor dieses Nachrufs nicht mehr sagen. Es waren sicher hunderte. Als Jungredakteur fiel Vöhringen in seinen Zuständigkeitsbereich, zu diesem Zeitpunkt war Ingrid Weichsberger schon lange dabei. Lange Vereinssitzungen, Feste, Märkte, Auftritte und die nicht immer sehr vergnüglichen Stadtratssitzungen: Ingrid Weichsberger war gefühlt immer im Einsatz. Sie hatte einen kritischen Kopf und ein großes Herz für ihre Heimatstadt. Und sie kannte die Leute. Selten gelang es, mit einer vermeintlichen Exklusiv-Meldung aus Vöhringen bei der Lokalmatadorin Eindruck zu machen: Ihr war zumeist alles längst bekannt. Auch die Nachbargemeinde Bellenberg hatte es ihr angetan.
Über die Jahre blieb es bei „Frau Weichsberger“. Es fühlte sich einfach richtiger an. Was aber den herzlichen Umgang miteinander nicht schmälerte. Zusätzlich wurde dies dadurch erleichtert, dass sie über einen soliden und schwarzen Humor verfügte.
Jahrzehntelang war Ingrid Weichsberger in Vöhringen und Umgebung das Gesicht der SÜDWEST PRESSE. Aus gesundheitlichen Gründen hörte sie vor einigen Jahren als Reporterin auf, als Ansprechpartnerin blieb sie noch eine ganze Weile länger erhalten. Wegen ihres tiefen Wissens unter anderem in der Lokalpolitik war dies unglaublich nützlich, um Entwicklungen einordnen zu können.
Ihre selbstgebackenen Plätzchen wurden heiß ersehnt
Die Nachricht über ihren Tod am 15. April in Vöhringen hat die Redaktion betroffen und traurig gemacht. Die 82-Jährige sei jemand vom „alten Kaliber“ gewesen, sagen alte Weggefährten. Eine hohe Form der Anerkennung. Wehe, ein Vöhringer Thema wurde einmal von der Redaktion anderweitig vergeben. Dann folgte verlässlich ein Rüffel. Heiß ersehnt waren auch ihre selbstgebackenen Weihnachtsplätzchen, die Tochter Ute Gallbronner in der Adventszeit in die Redaktion mitbrachte. Die Gallbronners sind eine SWP-Familie: Neben Tochter Ute arbeiten auch deren Ehemann Werner sowie Sohn Henri Gallbronner für die Ulmer Tageszeitung. Zum engen Familienkreis gehören zudem ihr Ehemann Otto sowie die weiteren Enkel Charlotte und Raphael.
Ingrid Weichsberger war zeitlebens eine Schafferin: Sie arbeitete bei Wieland in der Prüfanstalt, später Teilzeit bei der Metzgerei Singer und beim Depot ebenfalls in der Metzgerei. Sie hat fast durchgehend gearbeitet, um „dem Kind Abi und Studium zu finanzieren und das Haus“, so Tochter Ute. „Der Job bei der SWP war ihre Möglichkeit, das zu machen, was sie zeitlebens interessiert hat.“
Die Trauerfeier findet am 29. April auf dem Neuen Friedhof in Vöhringen statt, Beginn ist um 11 Uhr.
