Universitätsklinikum Ulm - Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe: Personalisierte Krebsmedizin: Einen Schritt voraus in Ulm
Der Erkrankung einen Schritt voraus
„Während Krebserkrankungen in der Vergangenheit häufig von nur einer Fachdisziplin behandelt wurden, sitzen heute die einzelnen Expertinnen und Experten aus Chirurgie, Radiologie, Genetik und Pathologie bei interdisziplinären Tumorkonferenzen gemeinsam an einem Tisch, um individuelle Behandlungskonzepte festzulegen,“ so Professor Hartkopf.
Bei Untersuchungen von Krebserkrankungen werden meist bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Ultraschall hinzugezogen. In der Forschung beobachtet Hartkopf die molekularen Veränderungen im Blut, die als Vorboten eine Krebserkrankung oder auch das Fortschreiten einer Krebserkrankung ankündigen können. „Ist bei bildgebenden Verfahren eine Veränderung sichtbar, dann sind wir oft einen Schritt zu langsam.“
Den Blick weiter schärfen
Hartkopf, in seiner Freizeit passionierter Klavierspieler und Musikproduzent, setzt außerdem einen weiteren Forschungsschwerpunkt: Die Entwicklung von prognostischen und therapie-
relevanten Biomarkern. „Prognostisch bedeutet, einschätzen zu können, wie aggressiv eine bestimmte Krebserkrankung verläuft. Manche Erkrankungen haben eine exzellente Prognose und der Krebs kehrt nach der Behandlung nicht zurück. Bei anderen hingegen kann prognostiziert werden, dass der Tumor mit hoher Wahrscheinlichkeit zurückkehrt. Angeborene genetische Veränderungen können zudem das Risiko an Krebs zu erkranken beeinflussen. Oftmals sind es allerdings Kombinationen aus genetischen Anlagen und externen Einflüssen wie Umweltfaktoren, die für das Entstehen einer Krebserkrankung ausschlaggebend sind. Wir wollen unseren Blick noch weiter schärfen, um das individuelle Risiko und die individuelle Prognose besser einschätzen zu können.“
Im Auftrag der Forschung
Krankenversorgung, Forschung und Lehre lautet der Auftrag, dem Professor Hartkopf an die Frauenklinik gefolgt ist. In der Versorgung startet der Mediziner jeden Morgen in die Besprechung der einzelnen medikamentösen Therapien von Patientinnen. Zudem ist er verantwortlich für die Chemotherapien, die zuvor in den wöchentlichen, interdisziplinären Tumorboards festgelegt wurden. Vormittags folgt dann die Sprechstunde, in der sich der Experte Zeit für seine Patientinnen nimmt. Nachmittags widmet sich Professor Hartkopf der Forschung und klinischen Studien, die in vielen Fällen von Ulm aus koordiniert werden. „Ein Grund für mich, der Professur nach Ulm zu folgen“, wie er betont. Beispielsweise der sogenannten DETECT-Studie, in der Tumorzellen anhand von Blutuntersuchungen entdeckt werden können. Auch der Nachsorge von geheilten Krebspatientinnen widmet die Frauenklinik eine Studie. „Ziel ist es, anhand von Blutuntersuchungen feststellen zu können, wie intensiv die Nachsorge ausfallen muss. Nicht nur die Therapie von Krebserkrankungen, sondern auch die Vor- und Nachsorge kann personalisiert angegangen werden.“
Mammographie-Screening kann Leben retten
Ein wesentliches Anliegen des Professors liegt in der Krebsvorsorge. „Mit den Vorsorgeprogrammen entdecken wir Krebserkrankungen nachweislich in früheren Stadien und können sie so viel häufiger heilen. Zwischen dem 51. und dem 70. Lebensjahr sollten Patientinnen regelmäßig zum Mammographie-Screening gehen. Aber auch durch Impfungen, beispielsweise gegen Gebärmutterhalskrebs, können Krebserkrankungen vermieden werden.
Von der Gynäkoonkologie aus koordiniert Professor Hartkopf die Steuerung und Festlegung der individuellen und interdisziplinären Therapien. „Hier betrachten wir die Erkrankung ganzheitlich, denn hier laufen alle Fäden zusammen.“ Hartkopf lächelt, bevor er sich eiligst verabschiedet. Auf der Station ist sein Rat jetzt gefragt.
Zur Person
Prof. Dr. med. Andreas Hartkopf studierte Medizin in Heidelberg und Health Care Management in Mannheim. Nach seiner Promotion am Deutschen Krebsforschungszentrum arbeitete er zunächst zwei Jahre als Assistenzarzt in der Medizinischen Universitätsklinik in Heidelberg, bevor er 2009 an die Universitätsfrauenklink nach Tübingen wechselte. Hier erhielt er 2013 die Facharztanerkennung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Nach seiner Habilitation im Jahr 2014 wurde er 2016 zum außerplanmäßigen Professor ernannt.
Kontakt
Universitätsklinikum Ulm - Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Prittwitzstraße 43
89075 Ulm
E-Mail: direktion.frauenklinik@uniklinik-ullm.de
Tel.: 0731 500-58688
www.uniklinik-ulm.de/frauenheilkunde-und-geburtshilfe

