Schockanruf in Vöhringen: Seniorin wird um mehrere Zehntausend Euro betrogen

Die Seniorin wurde von ihrer vermeintlichen Tochter hereingelegt.
Archiv/Karl-Josef Hildenbrand/dpaAm Telefon ist angeblich ihre Tochter. Völlig schockiert ruft sie eine 76-Jährige aus Vöhringen an. Bei einem von ihr verursachten Verkehrsunfall seien zwei Menschen getötet worden und sie befinde sich nun in Polizeigewahrsam. Wenn sie nicht bald 90.000 Euro zahle, müsse sie ins Gefängnis. Also ruft sie ihre „Mutter“ an und bittet sie, ihr Geld zu leihen. Die 76-Jährige geht daraufhin zur Bank und hebt wie am Telefon vereinbart einen mittleren fünfstelligen Betrag von ihrem Konto. Wieder zu Hause angekommen, übergibt sie das Geld einem Abholer. Sie wird das Geld nie wieder sehen.
Die Anruferin war nicht die Tochter der Geschädigten und die Geschichte um den tödlichen Verkehrsunfall frei erfunden. Die Kriminalpolizei Neu-Ulm ermittelt.
Obwohl die Polizei seit Jahren vor der Masche warnt und sie landesweit bekannt ist, fallen immer wieder Menschen darauf herein. Vor allem Senioren, was auch daran liegt, dass viele Betrüger bewusst ältere Menschen anrufen, die Schockanrufe wohl eher überfordern als jüngere Menschen. Betrüger gäben sich etwa als Familienangehörige, Polizeibeamte, Richter oder Staatsanwälte aus, schreibt das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West in Kempten in einer Pressemitteilung. Ruft ein vermeintlicher Familienangehöriger an, klinge seine Stimme oft schluchzend und weinerlich. Das soll die Opfer unter Druck setzen und gleichzeitig für die angebliche Notlage des Verwandten sensibilisieren.
Mehrere hundert Schockanrufe pro Jahr
Gleichwohl haben die Betrüger in den meisten Fällen kein Glück. Doch sie schaffen es, mit nur wenigen Anrufen Hunderttausende Euro zu stehlen. Im Jahr 2023 registrierte das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West rund 690 Fälle von Schockanrufen. In 21 Fällen waren die Täter hierbei erfolgreich. Insgesamt erbeuteten sie eine Summe von etwa 870.000 Euro.
Im laufenden Jahr kam es bislang zu knapp 470 Betrugsversuchen. 28 waren erfolgreich und die Banden ließen sie knapp 1,5 Milliionen Euro aushändigen.
Tipps der Polizei zum Schutz vor Telefonbetrügern
- Die Polizei wird Sie niemals um Geldbeträge oder Wertgegenstände bitten. Übergeben Sie daher niemals Geld oder Wertgegenstände an unbekannte Personen.
- Geben Sie niemals am Telefon Auskunft über persönliche oder finanzielle Verhältnisse.
- Legen Sie auf und rufen Sie den vermeintlich betroffenen Angehörigen unter der ihnen bekannten Nummer selbst zurück.
- Wenn ein Anrufer Geld oder andere Wertsachen von Ihnen fordert: Besprechen Sie dies mit Familienangehörigen oder anderen Ihnen nah stehenden Personen.
- Rufen Sie beim geringsten Zweifel bei der Behörde an, von der die angebliche Amtsperson kommt. Suchen Sie die Telefonnummer der Behörde selbst heraus oder lassen Sie sich diese durch die Telefonauskunft geben. Lassen Sie den Besucher währenddessen vor der abgesperrten Tür warten.
- Sie erhalten keine Anrufe von der Notrufnummer 110.
- Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen!
- Im Zweifel legen Sie auf und wählen Sie den Notruf 110!


Betroffene leiden oft tagelang unter den Anrufen.