Online-Betrugsmasche
: Fremde Frau zieht Neu-Ulmer über Monate das Geld aus der Tasche

Immer wieder kommt es im Landkreis Neu-Ulm zu Love Scamming, wie jüngst in Neu-Ulm. Die Polizei ist oft machtlos, die Täter zu finden.
Von
Christoph Mayer
Neu-Ulm
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ARCHIV - 28.03.2017, Berlin: ILLUSTRATION - Eine Frau tippt auf einem Smartphone. Nach dem Aufdecken eines drastischen Falls des sogenannten Love- oder Romance-Scamming hat die Staatsanwaltschaft Rostock vor dem leichtgläubigen Versenden von Geld an unbekannte Internetbekanntschaften gewarnt. Dabei war eine Frau einem Betrüger aufgesessen und hatte im insgesamt rund 400 000 Euro überwiesen. (zu dpa "Geld für vorgetäuschte Liebe: Staatsanwalt warnt vor «Love Scamming»") Foto: Sebastian Gollnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Frage nach Überweisungen: Wenn plötzlich per Nachricht Geld gefordert wird, sollte man aufhorchen.

Sebastian Gollnow, dpa

Love Scamming – das ist klassischer Heiratsschwindel im zeitgemäßen, digitalen Gewand. Vielfach werden gefälschte Profile in Singlebörsen oder auf Sozialen Medien benutzt, um Opfern Verliebtheit vorzugaukeln. Immer geht es den Tätern nur um eines: ums schnelle Geld. Die Masche ist bekannt, die Polizei warnt immer wieder davor – aber regelmäßig fallen Menschen darauf herein.

Jetzt berichtet die Polizei in Neu-Ulm von einem aktuellen Fall, der exemplarischer nicht sein könnte. Am vergangenen Freitag erstattete demnach ein 45-jähriger Mann aus Neu-Ulm Anzeige wegen Betrugs. Er berichtete den Beamten, dass er im vergangenen April eine angeblich aus Frankreich stammende Frau über eine Dating-Plattform kennengelernt hatte. Man habe sich viel geschrieben, er habe schnell Vertrauen zu der Frau gefasst. Irgendwann habe sie neben einer angeblichen Erbschaft mehrere Notlagen vorgetäuscht. Sie brauche zur Überbrückung schnell finanzielle Unterstützung.

Der Mann willigte ein. Über mehrere Monate, so erzählte er der Polizei, habe er der Unbekannten, die er nie leibhaftig zu Gesicht bekommen hatte, einen niedrigen vierstelligen Betrag überwiesen. Erst bei Geldforderung Nummer fünf sei er argwöhnisch geworden und habe den Kontakt abgebrochen.

Ein typischer Fall, sagt die Polizei, die zwar ermittelt, aber oft machtlos ist, zumal die Täter meist aus dem Ausland agieren. „Oft haben die Täter über Wochen ernsthaftes Interesse an ihrer Online-Bekanntschaft vorgetäuscht. Daher fällt es Betroffenen oft leicht, einer ersten Geldforderung nachzukommen.“ Häufig vorgegaukelte „Notfälle“ seien angebliche Schwierigkeiten mit der Einreise, eine Autopanne, der Diebstahl der Kreditkarte oder ein Krankenhausaufenthalt.

Wie das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West berichtet, registrierten die Ermittler im vergangenen Jahr im Präsidiumsbereich – 5900 Quadratkilometer, 960.000 Einwohner – 58 erfolgreiche Fälle von „Love-Scamming“. Die Betrüger erzielten dabei eine Summe von gut zwei Millionen Euro. 2024 seien der Polizei bereits 35 Fälle mit einer Schadenssumme von knapp 500.000 Euro zur Anzeige gebracht worden.

Die Polizei warnt: Bei jeglicher Kontaktaufnahme mit Unbekannten  via Internet oder über Messenger-Dienste sollte man misstrauisch sein, auf Ungereimtheiten achten. Vor allem gelte: kein Geld an Menschen überweisen, die man nie persönlich kennengelernt hat. Vor allem, wenn persönliche Treffen immer wieder verschoben werden, solle man argwöhnisch werden.

Zahlen für den Landkreis Neu-Ulm

19 erfolgreiche Fälle von Love-Scamming wurden im vergangenen Jahr allein im Landkreis Neu-Ulm angezeigt, Gesamtschaden laut Polizei: 250.000 Euro. Im laufenden Jahr wurden 5 Fälle mit einer Schadenssumme von rund 50.000 Euro zur Anzeige gebracht.