Es war eine stundenlange Bergungsaktion teils am Ufer der Donau, teils im eiskalten Fluss: Am 27. Januar 2017 schaffte ein Großaufgebot von rund 100 Helfern unter anderem des Technischen Hilfswerks, der Feuerwehr und des Roten Kreuzes die MS Donau von ihrem Liegeplatz beim Barfüßer-Biergarten in Neu-Ulm fort auf einen Schrottplatz. Das stillgelegte, am Ufer vertäute Ausflugsschiff war in Schieflage geraten, nachdem der Donaupegel zu stark abgesackt war. Kommenden Montag nun geht es vor dem Verwaltungsgericht Augsburg darum, wer die Kosten für diesen Einsatz übernehmen muss.
Rund 67.000 Euro fordert das Landratsamt Neu-Ulm von den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm (SWU). Diese haben dagegen Klage eingereicht. Die Behörde fordert das in einer so genannten „Ersatzvornahme“ vorgestreckte Geld aus mehreren Gründen nicht etwa von Schiffseigentümer Reinhold Kräß, sondern eben von den Stadtwerken. Obwohl im  Vorfeld an den Kapitän die Auflage ergangen war, das nicht mehr für die Donau zugelassene Schiff zu entfernen. Man habe sich zum einen an die SWU gewandt, erklärt Peter Dieling vom Geschäftsbereich Sicherheit im Landratsamt, weil der Eigentümer „nicht leistungsfähig“ sei: „Da ist nichts da.“ Zum anderen, weil die Stadtwerke mindestens mitschuldig an der Havarie sind.

Stadtwerke tragen Mitschuld an Havarie

Denn Grund dafür, dass der Flusspegel zu stark gesunken war, war unzweifelhaft ein eingefrorener Regler im SWU-Donaukraftwerk Böfinger Halde. Dieser meldete falsche Werte und ließ dadurch zu viel Wasser durch die Kraftwerksturbinen fließen. Dadurch saß die MS Donau irgendwann auf und bekam Schlagseite. Diesel lief aus, Wasser hinein. Die Feuerwehr reagierte auf die Schnelle mit verschiedenen Ölsperren. Das Landratsamt organisierte die Krane: Einen, um das Schiff aus der Donau auf einen Tieflader zu heben. Den anderen, um die MS Donau auf dem Schrottplatz wieder abzuladen.
28.000 Euro hätten allein die beiden Krane gekostet, sagt Peter Dieling vom Landratsamt. Dazu kommen viele weitere Kostenblöcke, wie etwa 9000 Euro, um das Diesel-Wasser-Gemisch abzupumpen und zu entsorgen, oder 6000 Euro für die Ölsperren. Den Löwenanteil der Kosten aber machen die Forderungen der eingesetzten Hilfsorganisationen aus. Rund 16 Stunden lang waren unter anderem Taucher, ein Löschtrupp und Verpflegungseinheiten auf den Beinen.
2017 angestrengte Überlegungen, den Hersteller des Pegelmess-Systems zu belangen, hat das Landratsamt Neu-Ulm nicht weiterverfolgt, wie Gerhard Wieser vom Fachbereich Wasserrecht sagt. Denn andere Betreiber von Wasserkraftwerken, etwa die Untere Iller AG, würden die Mess-Schächte beheizen, um zu verhindern, dass die Fühler im Winter einfrieren.
Die SWU wollten sich auf Anfrage nicht zum Sachverhalt äußern. „Wir greifen der Verhandlung nicht vor“, sagt Pressesprecher Bernd Jünke. 2017 hatten die Stadtwerk noch mitgeteilt, dass das in einem Schacht platzierte Messgerät stets gut funktioniert hat – auch im ebenfalls eiskalten Februar 2012. Man wolle das System aber absichern und prüfe die Haftungsfrage, hieß es damals.

Ex-Kapitän am Boden zerstört

Zur Verhandlung am kommenden Montag in Augsburg ist Reinhold Kräß beigeladen. „Ich habe dem Gericht aber schon gesagt, dass ich da nicht kann“, sagt er. Zu sehr nehme ihn das jähe Ende seines Schiffes immer noch mit. Er meint, die Havarie sei absichtlich herbeigeführt worden. Und dann sei die MS Donau so geborgen worden, dass der Diesel ausgelaufen sei und er sie nicht weiterverkaufen konnte. Dabei habe er einen Käufer aus Tschechien an der Hand gehabt. Nicht mal den Schrottwert habe er bekommen.
Das könnte sich aber ändern, wenn der Bescheid an die SWU vor Gericht bestehen bleibt. Dann würde Reinhold Kräß 822,17 Euro bekommen. So viel sei nach Abzug aller Kosten für die Entsorgung des an Bord befindlichen Abfalls vom Schrottwert übrig geblieben, sagt Gerhard Wieser vom Landratsamt Neu-Ulm.

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Kräß war der Donauschifffahrtskapitän

Historie Reinhold Kräß hat die MS Donau nach eigenen Angaben 2001/02 von der Cassens-Werft in Emden für 230 000 Euro bauen lassen. Seit 2003 war sie auf der Donau im Einsatz. 2012 stellte er den Betrieb der MS Donau wie auch seines zweiten Schiffs Ulmer Spatz ein. Beide hatten die technische Abnahme des Schifffahrtsamts Konstanz nicht bestanden. Während der Spatz an die Lebenshilfe ging und von dieser betrieben wird, lag die MS Donau seit 2012 bis zur Havarie auf Höhe des Barfüßer-Biergartens am Neu-Ulmer Ufer. Kräß sagt, er sei damals kurz vor einem Verkauf gestanden, ein Interessent habe 95 000 Euro geboten. Die  MS Donau hätte demnach im Bereich der Moldau-Mündung in die Elbe eingesetzt werden sollen.