Jochen Teuffel sitzt in seinem Pfarrbüro neben der Lutherkirche und gießt eine Tasse Kaffee ein. „Teuffel. Kein schlechter Name für einen Pfarrer, oder?“, sagt er und lacht. Im Büro stehen jede Menge Bücher in Regalen, an einem hängt ein Metallica-Shirt, signiert vom Lead-Gitarristen der Metal-Band, Keith Hammet. Teuffels Bruder Ulrich baut E-Gitarren, zu seinen Kunden zählen weltbekannte Rockstars.
Jochen Teuffel ist ein tatkräftiger Pfarrer, energiegeladen. In Vöhringen kümmert er sich um die evangelische Gemeinde. Teuffel begleitet die gut 2200 Mitglieder bei wichtigen Stationen ihres Lebens: Taufe, Konfirmation, Hochzeit und bei Bestattungen. Gerade nach Todesfällen übernimmt Teuffel in den Trauergesprächen eine sensible Aufgabe. Da sitzen dem Seelsorger dann ganz unterschiedliche Menschen gegenüber: Alte Menschen, bei denen der Tod des Partners erwartet worden war.
„Aber manchmal auch eine 40-Jährige mit Kind“, berichtet Teuffel. „Ich lasse den Tod an mich heran. Und damit die Frage, was im Leben zählt.“ Für Jochen Teuffel  gehört dazu der Glaube. „Die Gewissheit, dass ich als Geschöpf Gottes angenommen bin. Auch mit meinen Fehlern.“  Die Gewissheit, dass der Mensch in seinem Leben keine Zielmarke erreichen muss, sondern von Gott erlöst wird. Das entlastet und verleiht auch Selbstvertrauen.
 Dazu haben bei Jochen Teuffel auch die Eltern viel beigetragen.  „Dass ich den Segen meines Vaters bekommen habe, war ein großes Geschenk.“  Damit ist kein liturgisches Ritual gemeint – „Er hat mir nicht die Hand aufgelegt“ – , sondern „dass mein Vater mich als Jungen gutgeheißen hat“. Diese Sicherheit geben Teuffel und seine Ehefrau Naro Keitzer  nun an ihre beiden Töchter Tia (8) und Yana (3) weiter. „Damit sie zu sich stehen können.“

Kein gerader Weg

Es war kein gerader Weg, der den heute 54-Jährigen ins Pfarramt geführt hat. Alle Stationen aufzuführen, würde zu weit führen. Teuffel hat  Theologie in Erlangen studiert, lebte mit drei Mitstudenten auf einem alten Bauernhof. Zum Heizen wurden im Winter gemeinsam Briketts für den Kohleofen beschafft. Die Freundschaften halten bis heute. Zwischenzeitlich arbeitete Teuffel sogar als Assistent der Geschäftsführung in einem Unternehmen für Wärmemesstechnik.
„Es ist nicht alles nach Plan verlaufen. Manchmal haben sich die Dinge anders ergeben.“ Aber auch das zähle im Leben, „auch mal raus aus der Komfortzone zu gehen“. Geografisch, als auch in inhaltlichen Debatten.
Für Teuffel war das zum Beispiel seine Zeit von 2002 bis 2008 als Dozent für Systematische Theologie am Lutheran Theological Seminary in Hongkong.  „Als Alleinstehender nur mit einem Rucksack in eine fremde Stadt.“ Ein Abenteuer mit jeder Menge Eindrücke.
Die „Ernsthaftigkeit“, mit der der christliche Glaube dort gelebt wird, beeindruckte Teuffel. In einer Kultur, in der Ahnenschreine mit Räucherstäbchen zum Alltag gehören. Während dieser Zeit lernte Teuffel auch seine spätere Ehefrau Naro Keitzer kennen, die aus Nordost-Indien kommt.

Kein angepasster Gottesmann

Dass Teuffel kein angepasster Gottesmann ist und durchaus unbequem sein kann, hat auch die Landeskirche schon erfahren. Ein Buch im Regal des Pfarrbüros trägt den Titel „Rettet die Kirche. Schafft die Kirchensteuer ab.“ – Autor: Jochen Teuffel. Das Werk löste bei den Kirchenoberen keine Jubelstürme aus.
Ein anderes Mal spendete Teuffel  im Jahr 2014 einer in der Gemeinde engagierten Frau das Abendmahl, die wegen der Kirchensteuer aus der Kirche ausgetreten war und stattdessen einen freiwilligen Beitrag leistete. Danach beantragte er selbst ein Disziplinarverfahren gegen sich, das allerdings von der Landeskirche nicht eingeleitet wurde.
„Die Kirchensteuer ist ein kommodes Finanzierungsinstrument, sie passt aber nicht zum Evangelium“, findet Teufel. Darum könne er in diesem Punkt „,mit gutem Gewissen“ den „Leitlinien kirchlichen Lebens“ der evangelischen Kirche widersprechen. Und das macht er auch. Und durchaus vernehmbar. Was Jochen Teuffel auch Kritik eingebracht hat.
„Ich bin ein Mensch,  der die Kritik sucht“, sagt er. Ein Kirchenaustritt sei aus seiner Sicht eben nicht unbedingt eine „Lossagung vom Glauben“, auch wenn der Kirche dadurch Geld entgeht.  „Nehmen wir das Evangelium ernst oder machen wir, was uns am meisten nützt?“, fragt Teuffel. Für ihn ist die Antwort klar. Er bleibt standfest. Auch das zähle im Leben.

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