Hochwasser in Weißenhorn
: Kein Strom, keine Heizung - wie soll es weitergehen?

In Weißenhorn sind die Aufräumarbeiten am Laufen. Die Familie Riesenegger hat es gleich mehrfach getroffen. Wie viele Anwohner der Zollstraße stellen sie sich die Frage, wie es weitergehen soll.
Von
Henri Gallbronner
Weißenhorn
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Aufräumarbeiten nach Hochwasser in der Zollstraße

Die Weißenhorner Zollstraße hat es besonders heftig erwischt. Am Tag danach erinnern nur noch die ersten Müllberge an das Desaster. Doch der ruhige Schein trügt. Es gibt weder Strom noch Heizung.

Henri Gallbronner

In Weißenhorn laufen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Nachdem das Wasser der Roth in der Nacht zum Montag aus einem Großteil der betroffenen Areale abgelaufen ist, verschaffen sich die Anwohner einen ersten Überblick über die Schäden.

In der Zollstraße stapelt sich Sperrmüll auf Traktor-Anhängern. Nach und nach transportieren die Anwohner und viele Helfer die Fuhren zum Müllheizkraftwerk, bis es dort heißt: Annahmestopp. So viel Müll kann selbst die Weißenhorner Verbrennungsanlage nicht stemmen. Ein guter Teil des Mülls auf den Traktoranhängern kommt aus dem Keller von Rudi Riesenegger.

Dass das Wasser den bis oben hin fluten wird, hat er nicht erwartet, geschweige denn erlebt. „Ich war beim Sandsäcke-Füllen“, erzählt er vom Samstag. Als er dann heimgekommen sei, habe sein Sohn gesagt: „Papa, da kommt ein bisschen Wasser durch die Wände“, und das, obwohl sein Keller wasserdicht gebaut sei. Mit ein paar Wannen habe man das Problem vorerst in den Griff gekommen.

Nachdem er noch ein bisschen fern gesehen habe, habe er die Wannen noch einmal kontrollieren wollen, erzählt Riesenegger: „Dann hör ich ein Plätschern.“ Als er seine Werkstatt betreten habe, sei ihm das Wasser schon aus dem Lichtschacht entgegengekommen: „Wie ein Wasserfall.“

Ein Wasserfall kommt aus der Wand

Einige Dokumente und alle teuren Werkzeuge, etwa eine Standbohrmaschine, hätten sie noch retten können, erzählt er. Mehr sei aber nicht mehr zu machen gewesen. Heizung und Elektrizität funktionieren aktuell nicht. Überhaupt wieder Strom zu bekommen, wird Riesenegger und seine Frau etwa 3000 Euro kosten. Das hat ein befreundeter Elektriker für ihn ausgerechnet.

Das größere Problem ist die Heizung: Vor vier Jahren bereits hat Riesenegger sein Interesse an einem Anschluss an das Fernwärmenetz bekundet. Die Gasheizung ist jetzt hinüber, die Fernwärme noch nicht da. Was er jetzt machen soll, weiß der Hauseigentümer nicht.

Den Strom bekommt er von Sohn und Nachbar Christian Riesenegger. Der war mit seiner Familie im Urlaub, als sich die Lage in der Heimat verschärfte. Während sie noch auf dem Heimweg waren, pumpten Freunde das Wasser aus dem Haus, wo es schon zehn Zentimeter hoch im Erdgeschoss stand. Einen Keller hat Riesenegger junior nicht. „Wir haben vom Wasser nichts mehr gesehen, als wir heimgekommen sind.“

Fast 40 Leute helfen mit

Auch jetzt ist die Hilfsbereitschaft groß. Mindestens 30, 40 Leute waren seit Samstag vor Ort, um in den Häusern der Rieseneggers mitzuhelfen. In der Garage nahmen die Helfer bereits teilweise die Spanplatten von der Wand und holten Glaswolle heraus, damit das Wandinnere trocknen kann. Mit einer Fachfirma für Bautrocknung aus Burgau hat Riesenegger schon Kontakt. Sicher ist: Das Räumen wird alle in der Zollstraße noch lange beschäftigen.

Die Feuerwehr ist mittlerweile wieder zurück in ihrer angestammten Heimat. Beim städtischen Bauhof, der direkt daneben, aber etwas tiefer liegt, ist man noch nicht ganz soweit. Auch da gilt es noch abzuwarten, wie groß der Schaden hier ist. Gleiches gilt für Stadthalle und das historische Stadttheater.

Autos werden aus Tiefgarage geborgen

Der alte Käfer hat in der Tiefgarage komplett unter Wasser gestanden.

Henri Gallbronner

Auf den kleineren Straßen in Weißenhorn wird es mittlerweile eng. Nur schwer kommt Klaus Eberhardt an den Traktoren vorbei. Am Abschleppseil seines Autos hängt sein alter, goldener VW Käfer. Der kleine Käfer hat viele gute Dienste geleistet, als Hochzeitsauto schön geschmückt. Nun ist er in der Tiefgarage abgesoffen. Da wird wohl nichts zu retten sein, vermutet der Besitzer. Trotzdem sei es halt nur ein Auto. Denn auch er war die vergangenen Tage ständig im Einsatz, bei Verwandten und Bekannten in der Stadt.

Abgeordneter lebt auf der Insel

Ein paar Kilometer weiter südlich stellt sich Alexander Engelhard am Montag die Frage, ob er nicht lieber den Traktor nehmen soll, um zu seinem 12-Uhr-Termin bei Peri zu kommen. Denn die Mühle des CSU-Bundestagsabgeordneten aus Attenhofen liegt zwischen kleiner und großer Roth – er saß lange Zeit auf einer Insel. Jetzt ist alles vermatscht.

Am Sonntag war die Lage noch deutlich prekärer gewesen, schilderte Engelhard: „Der Abflusswert der Roth liegt jetzt noch bei rund 35 Kubikmeter pro Sekunde. Gestern gegen 12.30 Uhr waren es noch 45,8 Kubikmeter.“ Seit dem Beginn der Messungen vor rund 50 Jahren seien 22 Kubikmeter der höchste Pegelstand gewesen. „Bei Normalwasser im Sommer ist es ein Kubikmeter.“ An diesen Zahlen kann man ablesen, wie dramatisch es war.

Spendenaktion für die vom Hochwasser Betroffenen

Noch ist das ganze Ausmaß der Hochwasser-Schäden nicht abzusehen. Die Aktion 100.000 und Ulmer helft hat eine Spendenaktion für die Opfer in der Region gestartet.