Heiraten in der Region
: Muss Vöhringen beim Ambiente für standesamtliche Trauungen nachlegen?

Das Trauzimmer im Rathaus reicht für heutige Bedürfnisse nicht mehr aus, findet ein Stadtrat. Er fürchtet die Konkurrenz aus Weißenhorn und Illertissen. Was ist da dran?
Von
Stefan Czernin
Vöhringen
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BEACHTEN: NPG-erweiterte Lizenz, Italienische Hochzeitstorte, Fotograf: Download am 27.9.2024 für Region Print und Online, Bildnr. 134979816

Mit Zuckerguss: Für ihre Hochzeit wünschen sich viele Paare ein festliches Ambiente mit allem Drum und Dran. Gibt es in Vöhringen Nachholbedarf?

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Immer mehr Paare verzichten auf eine kirchliche Trauung. Das ist traurig für die Kirchen - und rückt zugleich das Standesamt verstärkt in den Fokus. War der Gang zum Amt früher eher ein Verwaltungsakt vor der richtigen Hochzeit, werden die Gäste dort nun zahlreicher, es geht festlicher zu. Aber kann Vöhringen da beim Ambiente mithalten? Das fragte Stadtrat Volker Barth in der Ratssitzung am Donnerstag. Und warf einen Blick in die Nachbarschaft: Die Fuggerstadt Weißenhorn könne für standesamtliche Trauungen mit dem historischen Stadttheater punkten, die Illertisser mit dem Vöhlinschloss. In Vöhringen gebe es nur das Trauzimmer im Rathaus.

„Ein Schloss haben wir nicht“, stellte Bürgermeister Michael Neher fest. Und brach dann eine Lanze für das Trauzimmer. „Das haben wir vor kurzem schön herrichten lassen.“  Vor einigen Jahren war in der Stadt schon einmal darüber diskutiert worden, das ehemalige Wasserwerkgebäude in einen Trausaal umzubauen. Das wurde allerdings nicht zuletzt aus Kostengründen wieder verworfen. Standesamtliche Trauungen können auch nicht einfach so überall vorgenommen werden, der Raum muss dafür gewidmet werden. Dazu braucht es einen Ratsbeschluss.

Aber ist die „Konkurrenz“ von den beiden vor Historie strotzenden Nachbarstädten wirklich so groß? Eine Nachfrage in Illertissen und Weißenhorn ergibt: gar nicht mal so sehr. In Illertissen sind standesamtliche Trauungen im Vöhlinschloss schon seit einigen Jahren nicht mehr möglich, sagt Klaus Herrmann vom Illertisser Rathaus. „Wir haben es für zwei Jahre probiert.“ In dieser Zeit zeigte sich: Die Anfragen für Trauungen im Barocksaal des Schlosses kamen überwiegend von Auswärtigen. Die Illertisser - für die das Angebot eigentlich gedacht war - fragten den Service gar nicht so sehr nach. Und es sei zudem deutlich aufwendiger gewesen, eine Trauung im Barocksaal vorzubereiten und abzuhalten. Das sei im Trauzimmer des Rathauses unkomplizierter.

In Weißenhorn haben Heiratswillige tatsächlich die Wahl, ob sie sich das Ja-Wort im Rathaus oder im Foyer des historischen Stadttheaters geben. Und das Gebäude kann sich wirklich sehen lassen. Das Stadttheater entstand 1876 durch den Umbau eines Zehntstadels aus dem 16. Jahrhundert. Einen übertriebenen Andrang hat das aber nicht ausgelöst, berichtet eine Rathausmitarbeiterin. „Die Anzahl der Trauungen im Rathaus und im Stadttheater ist relativ ausgeglichen.“

In Vöhringen bleibt das Thema auf dem Tisch. Er könne sich zwar nicht vorstellen, viel Geld für einen Hochzeitsstadel in die Hand zu nehmen, sagte Bürgermeister Neher. Aber es wird darüber nachgedacht, künftig standesamtliche Hochzeiten im Kulturzentrum anzubieten.