„Des isch koi Radweg!“: Aktion der Stadt Neu-Ulm wird auf Instagram scharf kritisiert

Reaktionen im Netz auf eine Aktion der Stadt Neu-Ulm, um Radler auf die Straßen zu drängen.
Yasmin Nalbantoglu/Collage: Nalbantoglu- Neu-Ulm markiert Gehwege mit „Des isch koi Radweg!“– Radfahrende sollen auf die Straße ausweichen.
- Aktion stößt auf Kritik: Radfahren in Neu-Ulm sei unsicher, viele fahren aus Angst auf Gehwegen.
- ADFC und Social-Media-Nutzer fordern mehr Rücksicht und sichere Infrastruktur für Radfahrende.
- Baustellen, fehlende Radwege und rücksichtslose Autofahrer erschweren das Radfahren in der Stadt.
- Einige loben die Kampagne, andere kritisieren Tonfall und einseitige Fokussierung auf Radfahrende.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Seit etwas mehr als einer Woche zieren blau-weiße Graffitis Neu-Ulmer Gehwege in der Augsburger Straße. Die Botschaft: „Des isch koi Radweg!“. Darunter steht in kleinerer Schrift der Beisatz: „Kinder dürfen in Begleitung radeln“ sowie ein durchgestrichenes Fahrrad. Hinter der Aktion stecken die Stadt Neu-Ulm und die Verkehrspolizei. Mit der Kampagne sollen Radfahrer weg von den Gehwegen und auf die Straßen geführt werden. Zu häufig würden Radfahrerinnen und -fahrer laut Stadt Neu-Ulm die Gehsteige nutzen und somit die Sicherheit gefährden. Auf der Fahrbahn wurden zusätzlich Markierungen angebracht, die den erlaubten Bereich für Radlerinnen und Radler kennzeichnet.
Verärgert äußerte sich bereits der ADFC in Neu-Ulm über die Aktion. Zu oft werde Rücksicht von Radlerinnen und Radlern gefordert, zu selten aber werde Rücksicht von anderen Verkehrsteilnehmern für den Radverkehr eingefordert. Kritik gibt es jetzt auch auf den Sozialen Medien. Unter einem Videobeitrag der SÜDWEST PRESSE auf Instagram werden die Asphalt-Aufsprüher ausführlich diskutiert. Der Tenor dabei: Die Situation für Radfahrerinnen und Radfahrer in Neu-Ulm sei nicht gut, die Aktion der Stadt daher nicht angebracht.
„Fahrradfahren ist in Ulm und Neu-Ulm ein echtes Abenteuer“
„Die Absicht ist vollkommen verständlich“, schreibt ein User auf Instagram. Doch als Fahrradfahrer neben Autos und Bussen fahren zu müssen, finde er „vollkommen lebensmüde“. „Da wäre es sinnvoller, eine Seite ein bisschen für Radfahrer freizugeben und die andere ist dafür dann komplett für Fußgänger.“ Ein weiterer User zeigt sich mit der Situation der Radfahrerinnen und Radfahrer unzufrieden: „Fahrradfahren ist in Ulm und Neu-Ulm stellenweise ein echtes Abenteuer.“
Eine Frau äußert sich auf Instagram merkbar genervt von dem schwäbischen Spruch, der nun die Augsburger Straße schmückt. „Ja, wenn des koin Radweg isch, dann macht mal bitte einen??? Denken die, Radfahrer*innen fahren aus Spaß auf dem Gehweg? Wohl eher, weil man nicht von Autos überfahren werden will“, kommentiert sie bei Instagram. Eine andere Person findet zumindest Gefallen an der Aufmachung der Aktion auf Schwäbisch und kommentiert: „Hmm, das ist nett gemacht (natürlich kommt jetzt ein) Aber. Ich finde als Fahrradfahrer ist man in Ulm/Neu-Ulm nicht gerne gesehen. Es gibt kaum Radwege, beziehungsweise die Autofahrer stehen auf Radwegen herum und ich muss dann von vornherein ausweichen. Wenn ich mich zwischen den Autos durchschlängle, werde ich beschimpft, auf dem Gehweg ist es auch blöd. Zudem sind gerade so viele Baustellen, wo ich als Fahrradfahrer bald nicht mehr weiß, wo ich fahren soll oder kann.“
„Tolle Aktion!“
Eine andere Person fühlt sich von dem schwäbischen Spruch offenbar angegriffen und fragt: „Hey und dann dieser Tonfall der Aktion! Was ist das für eine Kommunikation? Warum richtet man sich nur an Fahrradfahrer? Was ist mit dem Fehlverhalten von Autofahrern gegenüber Radfahrern?“
Positive Reaktionen finden sich unter dem Social-Media-Beitrag nur wenige. Eine Person wünscht sich die Boden-Graffitis auch in Ulm gegen rücksichtslose Radler. Ein weiterer User lobt kurz und knapp: „Tolle Aktion!“ Eine Frau weist in der Kommentarspalte darauf hin, dass Fußgängerinnen und Fußgänger im Verkehr unter besonderen Schutz stünden. Weiter berichtet sie, dass sie immer wieder Fehlverhalten von Radlerinnen und Radlern beobachte: „Ich sehe, dass Radler auf den Fußweg wechseln, wenn rot ist. Obwohl für sie, auf dem Radweg und oder der Straße, das Rot gilt. Und urplötzlich wird vom Fußweg einfach auf die Straße gezogen. Man muss sich an die Verkehrsregeln halten! Nur so geht ein gescheites Miteinander.“

