Abfallentsorgung im Kreis Neu-Ulm: Wie aus Müll in Weißenhorn Strom und Wärme wird

Alles im Blick: Der Kranfahrer im Weißenhorner Müllheizkraftwerk befeuert die beiden Ofenlinien.
Stefan Czernin- Müllheizkraftwerk Weißenhorn verbrennt Restmüll und liefert Strom sowie Fernwärme.
- Kranfahrer mischt den Müll gezielt, da Brennwerte stark variieren.
- Zwei Öfen arbeiten bei 1000 Grad – erzeugter Dampf treibt eine Turbine.
- Strom für eine Kleinstadt mit 12.000 Einwohnern, Fernwärme für bald an die 1000 Gebäude.
- Abgase werden in fünf Stufen gereinigt, Grenzwerte werden laut AWB deutlich unterschritten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Kranfahrer sitzt in einem mit zwei Schalthebeln ausgestatteten Sessel und lässt die große Stahlklaue hinunter in den Müllbunker des Müllheizkraftwerks (MHKW) in Weißenhorn sinken. Aus den Tiefen befördert er eine Mischung aus Restmüll herauf, mit der die beiden Ofenlinien des Kraftwerks befeuert werden. Dabei gibt es jedoch einiges zu beachten. Der Müll kommt nicht einfach so in einen der Öfen.
„Es kommt auf die Mischung an“, erklärt Matthias Ziegler bei einem Rundgang. Er ist seit 13 Jahren Betriebsleiter des Kraftwerks des Abfallwirtschaftsbetriebs (AWB) des Landkreises Neu-Ulm. Nasse Babywindeln liefern nur einen geringen Brennwert, nennt er ein Beispiel. „Und Styropor erzeugt nur eine Stichflamme. Etwa so, als wenn man Papier zu Hause in den Ofen wirft.“
Unter der Woche werden täglich rund 400 Tonnen Restmüll angeliefert. Der Hauptteil davon stammt aus Hausmüllsammlungen in den Städten und Gemeinden im Landkreis Neu-Ulm. Seit Anfang des Jahres ist der AWB in elf Kommunen für die Müllabfuhr zuständig, aber der Müll aus dem Landkreis landete auch schon davor in Weißenhorn, seit 1991 ist das Kraftwerk in Betrieb. 4000 Tonnen fasst der Müllbunker.

Über Schächte gelangt der angelieferte Müll in den 4000 Tonnen fassenden Bunker.
Stefan CzerninAuf ihrem Weg passieren die Müllautos zunächst die Pforte. Dort ist neben einer Waage auch eine Messeinrichtung für Radioaktivität angebracht. Über eine Rampe gelangen sie in ein Gebäude, fahren rückwärts an einen der Schächte heran und kippen den Müll in den Bunker.
Früher konnten dort auch Privatleute ihren Müll direkt im Kraftwerk abliefern, deren Zugang wurde aber stark eingeschränkt - aus Sicherheitsgründen. In dem Gebäude mit mehreren Schächten ist nicht übermäßig viel Platz. Wenn dort dann ungeübte Hausbesitzer mit Anhängern rangieren, Müllautos entladen werden und dazwischen auch noch Kinder, die ihre Eltern begleiten, herumtollen, birgt das Gefahren. Darum wurde gleich neben dem Kraftwerk ein Entsorgungs- und Wertstoffzentrum eröffnet, berichtet Ziegler.

Betriebsleiter Matthias Ziegler gewährt einen Einblick in eine der beiden Brennkammern.
Stefan CzerninBei 1000 Grad verbrennt in den zwei Öfen der Müll. Die Brennkammern sind nicht übertrieben groß, gerade einmal drei auf neun Meter. Ein kleines Guckloch ermöglicht den Blick ins Innere. Mit der Hitze wird Wasserdampf erzeugt und für die Stromerzeugung über eine Turbine geleitet. Die Energie, die in das Netz eingespeist wird, reicht laut AWB aus, um den Verbrauch einer Kleinstadt mit 12.000 Einwohnern abzudecken.
Das Müllheizkraftwerk liefert zudem Fernwärme für Haushalte und Einrichtungen in der Stadt. Bald sollen an die 1000 Gebäude angeschlossen sein. Auch Schulen, Betriebe, die Stiftungsklinik und das Schwimmbad hängen am Fernwärmenetz.
Das Kraftwerk im Gewerbegebiet läuft durchgängig. Und nur zweimal im Jahr wird es für eine Revision abgeschaltet. Dann wird die Anlage geprüft und bei Bedarf repariert. „Das Ziel ist, dass wir die Anlage im Griff haben. Und nicht die Anlage uns“, berichtet Ziegler. Bei Engpässen steht die Weißenhorner Firma Peri als Fernwärme-Lieferant bereit.
Rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind am Standort in Weißenhorn beschäftigt. Der Platz ist knapp. Auch deshalb, weil mit der Übernahme der Müllabfuhr vielerorts im Kreis Neu-Ulm zusätzliche Aufgaben dazugekommen sind. Container wurden aufgestellt, um für zusätzliche Bürofläche zu sorgen; eine Erweiterung ist im Gespräch.

Der Platz auf dem Betriebsgelände des Müllheizkraftwerks in Weißenhorn ist knapp geworden.
Stefan CzerninWas oben aus dem Schornstein herauskommt, ist bei einem Müllheizkraftwerk besonders wichtig. „Zwei Drittel der Anlage dienen der Abgasreinigung“, berichtet Ziegler. In fünf Stufen werden die Abgase gereinigt, bevor sie in die Luft abgegeben werden. Weil Müll kein homogener Brennstoff ist wie etwa Kohle oder Gas, ist besonderes Augenmerk erforderlich. Der Vorgang wird zudem ständig in der Schaltzentrale des Kraftwerks überwacht. „Wir haben weltweit mit die strengsten Vorschriften“, erklärt Ziegler. Und die Anlage bleibe deutlich unterhalb der Grenzwerte.
Wohin mit dem Pizza-Karton? Videos klären auf
Wohin mit dem alten Toaster? Und gehört der Pizzakarton ins Altpapier? Im Alltag ist Mülltrennung oft einfacher gedacht als gemacht. Der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Neu-Ulm (AWB) startet deshalb eine neue Serie mit kurzen Videospots auf Facebook und Instagram. In kompakten Clips zeigt der AWB anschaulich und mit einem Augenzwinkern, wie Abfälle richtig entsorgt werden. Ergänzend dazu bietet der AWB auf seiner Website ein umfassendes Abfall-ABC.
