Volkstrauertag in Gammertingen
: Stilles Gedenken in der Pandemie

Kranzniederlegungen gab es in der Region meist ohne viel Publikum. Gammertingens Bürgermeister Holger Jerg veröffentlichte daher seine Rede. Er erinnerte dabei an das Kriegsende vor 75 Jahren.
Von
swp
Gammertingen
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Feierliche Gedenkstunden am Volkstrauertag unterblieben in der Region aufgrund der Corona-Pandemie.

Privat

Auch in der Lacherttalstadt gab es am Volkstrauertag keine öffentlichen Gedenkstunden. „In Zeiten einer weltumspannenden Corona–Pandemie, in denen wir eher Kontakte und Begegnungen mit Menschen meiden sollten, um die leider wieder steigende Zahl von Infektionen zu brechen, ist allerdings das Gedenken an andere, die für uns in Zeiten des Krieges, der gewaltsamen Auseinandersetzung, des Terrors und der Missachtung elementarer Menschenrechte gestorben und gepeinigt wurden und das aktive Vorleben dieser elementaren Werte, wichtiger denn je“, schrieb Gammertingens Bürgermeister Holger Jerg in seiner schriftlich verbreiteten Rede.

„Nicht nur in Zeiten von aktuellen Terror– und Gewaltanschlägen in Österreich und Frankreich, von kriegerischen Auseinandersetzungen rund um den Erdball, in Zeiten einer amerikanischen Präsidentschaftswahl mit ihrer tiefgreifenden Spaltung einer Nation, aber auch der aktuellen Entwicklung rund um die Akzeptanz der Corona–Vorgaben und -Maßnahmen wird uns jeden Tag vor Augen geführt, wie wichtig es ist, sich selbst eine eigene Meinung zu bilden, für seine Position und seine eigene Meinung einzustehen, aber auch aktiv für andere in Solidarität und Mitgefühl in so manchen misslichen Situationen beizustehen“, schrieb Jerg auch im Namen der Ortsvorsteher und Gemeinderäte. „Friede, Demokratie oder Menschenwürde sind nichts Selbstverständliches, sondern es sind Errungenschaften unserer Gesellschaft, für die unsere Vorfahren haben kämpfen müssen, Leid erleben mussten und für die es auch für uns persönlich gilt jeden Tag von Neuem einzustehen.“

Das Ende des zweiten Weltkrieges und der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten vor 75 Jahren sei Mahnung und Ansporn zugleich. „Menschen hatten den Krieg verantwortet und die Kapitulation des Dritten Reiches war Voraussetzung für den Aufbruch in eine Neuordnung für Frieden unter den Leitsternen Demokratie und Menschenrechte. Heute, 75 Jahre später, stehen diese Leitsterne aktueller denn je im Fokus unserer Gesellschaft. Deshalb sind abseits des alltäglichen Geschehens Gedenktage wie der Volkstrauertag auch Momente des Innehaltens und des öffentlichen Gedenkens, gegen das Vergessen, gegen die Selbstverständlichkeit.“