Tankard ist Ehrenmitglied im Bierschutzbund
: „Freibier für alle“ – Tankard über Metal, Bier und Selbstironie

Die international bekannte Thrash-Metal-Band „Tankard“ ist Ehrenmitglied im kürzlich gegründeten Münsinger Bierschutzbund. Wir sprachen mit ihnen über Vorlieben, Klischees und Herausforderungen.
Von
Tanja Stark
Münsingen/Frankfurt
Jetzt in der App anhören
Tankard

Die Thrash-Metal-Band Tankard ist Ehrenmitglied im gemeinnützigen Münsinger Verein Bierschutzbund: Andreas „Gerre“ Geremia, Frank Thorwarth, Andreas Gutjahr und Gerd Lücking (von rechts).

Uwe Schnädelbach
  • Die Thrash-Metal-Band Tankard ist Ehrenmitglied im Münsinger Bierschutzbund.
  • Bandmitglieder: Andreas Geremia, Frank Torwarth, Andreas Gutjahr und Gerd Lücking.
  • Sänger Geremia und Bassist Torwarth sprechen über Bier, Metal und Selbstironie.
  • Tankard veröffentlichte 22 Studioalben in 43 Jahren, spielt 30-35 Konzerte jährlich.
  • Sie arbeiten hauptberuflich in normalen Berufen; Alkohol vor Gigs ist tabu.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ein uriges Wirtshaus am Rande Frankfurts und zwei gesellige Unikate. Sänger Andreas „Gerre“ Geremia genießt ein alkoholfreies Weizen und Bassist Frank Thorwarth gönnt sich ein lokales Landbier. Es ist zwar Freitagabend, aber es geht für die Thrash-Metaller von „Tankard“ am Samstagfrüh schon wieder zum nächsten Gig nach Loburg in Sachsen-Anhalt und danach weiter zu einem Auftritt nach Oettingen in Bayern. Trotzdem haben sich die sympathischen Jungs Zeit für ein Interview mit unserer Zeitung genommen. Schließlich ist die Band seit April Ehrenmitglied des von Klaus-Peter Neef gegründeten Bierschutzbunds. „Nach uns wurde zwar bereits ein Fossil benannt, doch noch nie wurde unser jahrzehntelang aufgebautes Bier-Image so ernsthaft gewürdigt“, sagt Gerre grinsend.

„Wir sind alle bieraffin“, sind sich die beiden einig – mehr oder weniger. Während Gerres Lieblingsbier bei Touren das ist, das es kostenlos im Backstage gibt, wie er lachend betont, und er in seiner Heimat eher auf „Äppelwoi“ – sauer gespritzt – setzt, schwört Thorwarth auf regionale Marken. Nicht infrage kommt für ihn Hopfenextrakt, seit Jahren „aus Prinzip meine Macke“, sagt er. Zwar ändern sich seine Lieblingsmarke und Sorte etwa jedes Dreivierteljahr, doch trotzdem oder gerade deshalb verhält er sich im Getränkemarkt wie der Klischee-Mann im Baumarkt. „Da brauche ich Stunden, schaue mir alles an und stelle mir Kisten mit jeweils zwei unbekannten lokalen Bieren zusammen.“ Derzeit bevorzugt er Pils.

Was viele nicht wissen: Die vier Musiker sind zwar absolut professionell unterwegs und haben in den vergangenen 43 Jahren 22 Studioalben veröffentlicht, sind aber dennoch hauptberuflich in völlig „normalen“ Berufen tätig. Thorwarth ist zum Beispiel in der Industrie aktiv, Geremia in einem Konsumraum für Drogenabhängige im Einsatz. Kein Zuckerschlecken. Vor allem, wenn man ein solch zeitintensives Hobby betreibt, 30 bis 35 Konzerte pro Jahr rund um den Globus spielt und so ganz nebenher in regelmäßigen Abständen neue Alben veröffentlicht. Ein „wahnsinns Zeitaufwand“ und eine echte Herausforderung. Nicht selten heißt es für die Jungs, morgens um 4.30 Uhr vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn Organisatorisches zu regeln. Alk vor den Auftritten ist inzwischen übrigens tabu, erst wenn das Intro beginnt, wird die erste Halbe beziehungsweise ein Schnaps gezischt. Das gehört eben zum Image.

Metal ist dicker als Wasser

Geremia und Thorwarth kennen sich seit der ersten Klasse, das schweißt zusammen. Das erste Album der Combo „Zombie Attack“ entstand aus eigenen Texten der Ursprungsbesetzung, die im Gymnasium zueinander gefunden hat. Darauf folgte „Chemical Invasion“, das sich unter anderem mit der Aufhebung des Reinheitsgebots beschäftigt. „Das hat uns sehr bewegt, schließlich ist dieses ein Alleinstellungsmerkmal der deutschen Braukunst“, betont Thorwarth. Hinzu kam, dass Ende der 1980er Jahre im Rahmen des Heavy Metals zig Subgenres wie Death- oder Black-Metal entstanden. „Wir wollten einfach miteinander proben, Spaß haben und auch mal eins heben“, so entstand eher aus Zufall das „Alcoholic Metal“. Später wollten sie wieder davon weg, doch dies sollte nicht gelingen. Heute betrachten sich die Künstler mit einem Augenzwinkern und voller Selbstironie. „Aber das sind eben wir.“ Kein Angemale, keine Schauspielerei, sondern echte Musik und Leidenschaft.

Frank Torwarth und Andreas "Gerre" Geremia von Tankard berichten über das Band-Leben.

Frank Thorwarth und Andreas „Gerre“ Geremia von Tankard berichten über das Band-Leben.

Tanja Stark

Stichwort Vorbildfunktion. Zu Recht sagt Gerre: „Ich bin weder der Papst, noch der Präsident von Amerika oder der Bundeskanzler.“ Dennoch sind sich die beiden, die seit 1987 auch zahlreiche sozialkritische Songs auf die Bühne bringen, bewusst, dass das Thema durchaus ambivalent ist. Schließlich ist Alkohol eine legalisierte Droge. Doch wer sich die Mühe macht, sich mit den Texten der Band zu beschäftigen, dem wird sofort klar, dass es sich dabei um eine riesige Portion Selbstironie handelt. „Wir hoffen, dass wir noch niemals jemanden in den Alkoholismus getrieben haben“, ergänzt Thorwarth. „Wir singen ja nicht wie die meisten Metal-Bands über richtigen Bullshit wie Schlachten, Satan oder blutige Rituale, sondern betrachten das alles mit viel Sarkasmus.“ Und wie auch im Brauhandwerk, torkelt keiner der Künstler den ganzen Tag besoffen durch die Gegend.

Besorgniserregende Tendenzen

Geprägt war das Gespräch durchaus auch von aktuellen Tendenzen. „Man muss nur die Nachrichten gucken, da kann einem angst und bange werden. Ich befürchte nichts Gutes, aber ich bin ja schon ein alter Sack“, sagt Gerre auf die Frage nach Zukunftsängsten. Etwas anders blickt Thorwarth den aktuellen Entwicklungen entgegen: „Ich mach’ mir um mich wenig Sorgen, bin aber Vater von drei erwachsenen Söhnen und frage mich durchaus, wie es für die Jungs weitergeht.“

Zum Abschluss eine spannende Frage an die Vertreter von Tankard: Wenn ihr heute vor dem Reichstag performen dürftet, welchen eurer Songs würdet ihr wählen und vor allem warum? Frank zieht die ernsthafte Karte: „On the day I die“. „Da gibt es so eine schöne Zeile, das relativiert so: Was ist der Gedanke, wenn du auf dem Sterbebett liegst? Habe ich alle meine Rechnungen bezahlt? Habe ich alles erledigt? Jeder Mensch sollte sich Gedanken machen, wie unwichtig man als Person eigentlich ist.“ Gerre ist pragmatisch: Freibier für alle. Immerhin könnte das ein Wahlslogan für eine künftige Partei sein.

„Wenn ich mit der Band im Bus sitze, bin ich in meiner Heavy-Metal-Welt und kann super gut den Kopf ausschalten“, berichtet Gerre. Was sich die Künstler diesbezüglich wünschen? Weitere weiße Flecken auf der Landkarte auszumerzen. Nach grandiosen und „skurrilen“ Erlebnissen in Südamerika, etwa in El Salvador oder Guatemala, wären weitere Wunschziele für Touren und Auftritte zum Beispiel Afrika, China, Indien, Kanada oder Neuseeland.

„Es klingt zwar total klischeehaft und abgedroschen, aber das ist unsere persönliche Meinung: Würde es mehr Leute auf diesem Planeten geben, die Metal hören und sich auch so benehmen wie der Großteil der Metal-Fans, den wir kennen, dann gäbe es weniger Theater.“ Ein Statement, das wohl alle bestätigen können, die selbst schon einmal auf Konzerten oder Festivals dieser Musikrichtung waren.