Spenden dringend benötigt
: Mutter plötzlich verstorben: „Wir müssen unserer kleinen Schwester einen sicheren Raum bieten“

Drei Mädchen aus dem Kreis Reutlingen haben ihre geliebte Mutter an den Krebs verloren. Jetzt versuchen sie, ihr Zuhause, das viele lebendige Erinnerungen beherbergt, über eine Spendenaktion halten zu können.
Von
Tanja Stark
Hundersingen
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Die Schwestern Sophie (links) und Emma Heideker wollen ihr Zuhause mit einer Spendenaktion halten.

Die Schwestern Sophie (links) und Emma Heideker wollen ihr Zuhause mit einer Spendenaktion halten. Ziel ist es insbesondere, ihrer zehnjährigen Schwester Ida die Trauer zu erleichtern und einen sicheren Raum zu bieten. Daher ist das Mädchen auch nicht auf dem Foto im heimischen Wohnzimmer zu sehen.

Tanja Stark

Ein Haus ist nicht nur ein Gebäude, sondern ein Stück Heimat und bewahrt viele Erinnerungen. Dort wird gemeinsam gelacht, geweint und gefeiert. Dies wusste auch Simone Heideker, die sich im Herbst 2022 einen Lebenswunsch erfüllt hat und gemeinsam mit ihren drei Töchtern Ida (10), Emma (21) und Sophie (27) ins neu gebaute Eigenheim in ihrem Heimatdörfle Hundersingen im Kreis Reutlingen eingezogen ist. Die Dankbarkeit, diesen Wunschort geschaffen haben zu dürfen, drückte die Pfarrerin auch bei ihrer Rede im Rahmen des Richtfestes aus. Doch dann am 1. Juli ereilte die Familie ein harter Schicksalsschlag. Mit gerade einmal 50 Jahren wurde die dreifache Mutter durch eine multiple Krebserkrankung aus dem Leben gerissen.

Schon seit sie 19 Jahre alt war, litt Simone Heideker an dieser bösartigen Tumorerkrankung. Doch sie gab sich nie auf, beendete ihr Studium, war danach unter anderem elf Jahre lang als Gemeindepfarrerin für die Kirchengemeinde Ödenwaldstetten-Pfronstetten tätig und betreute die in der Staatsdomäne Maßhalderbuch untergebrachten Häftlinge als Seelsorgerin. Da sie ihren Kindern Normalität vermitteln und diesen einen dauerhaften festen Wohnsitz ermöglichen wollte – was aufgrund der Residenzpflicht einer Pfarrerin so nicht möglich war – entschied sie sich dazu, eine Stelle als Seelsorgerin im Ulmer Gefängnis anzutreten und sich nebenher um die Menschen im Münsinger Krankenhaus und im Altenheim zu kümmern. „Egal, wie schlecht es ihr ging, sie hat damit gelebt und wollte immer arbeiten“, sagt Emma, die derzeit Kommunikations- und Medienwissenschaften in Leipzig studiert und ihre Abschlussarbeit im Homeoffice auf der Schwäbischen Alb schreibt. Gleichzeitig war Simone Heideker für ihre Mädels da, hat ihnen Tag für Tag auf eine unaufdringliche Art und Weise gezeigt, bei allen Sorgen und Nöten an ihrer Seite zu stehen. Völlig unabhängig davon, wie alt sie sind. „Sie war ein wundervoller Mensch, gab uns emotionale Stabilität und mit dem Haus die Chance, Wurzeln zu schlagen.“

Der Lebenswille war stark

Auch wenn die starke Frau innerlich kämpfte, vermittelte sie ihren Kindern, die sie alleine großgezogen hat, stets das Gefühl, alles könne gut werden und blickte positiv gestimmt nach vorne. Sie plante einen gemeinsamen Urlaub im Sommer, freute sich auf Radtouren im Wald und ging voller Hoffnung in den Tag. Umso größer war der Schock, dass der Krebs letztendlich gesiegt hat. „Jetzt müssen wir für unsere kleine Schwester da sein, ihr einen sicheren Raum bieten“, ergänzt Sophie, die eigentlich als Schauspielerin nach Barcelona umgezogen war. Seit einigen Monaten arbeitet sie von Hundersingen aus als Texterin für ein Berliner „Start-up“-Unternehmen. „Mir würde es das Herz zerreißen, wenn es diesen Ort hier nicht mehr gäbe.“ Vor allem für das Nesthäckchen soll nämlich möglichst vieles beim Alten bleiben. Die Brille von Mama Simone liegt noch immer neben dem Telefon, alles ist so, wie sie es eingerichtet hat, so ist sie nach wie vor in den Räumlichkeiten spürbar. „Wir hatten eine sehr innige Beziehung zu unserer Mutter“, sagt Sophie. Um diese Erinnerungen lebendig halten zu können, haben sie sich nach langer Bedenkzeit zu einem außergewöhnlichen Schritt entschieden und eine Spendenaktion in die Wege geleitet. Denn alleine schaffen es die Mädchen nicht, den Schuldenberg von 374.000 Euro abzubezahlen. Sie sind dankbar über jede Unterstützung, die sie ihrem Ziel näher bringt. Wie es ihnen ihre Mutter beigebracht und vorgelebt hat, wollen sie darauf vertrauen, dass es einen Weg gibt, auch aus dieser traurigen Situation das Beste zu machen.

Dass viele Menschen in der Region der Verstorbenen sehr viel Achtung entgegenbringen, zeigen nicht nur die zahlreichen berührenden und persönlichen Worte, mit denen sich etwa Nachbarn, Bekannte und Freunde an die Hinterbliebenen wenden, sondern auch die Resonanz auf den Spendenaufruf. Das Unternehmen „GoFundMe“ verlangt von Organisatoren keine Startgebühr und ist laut eigenen Angaben die weltweit führende Crowdfunding-Plattform.

Spendenkonto

Wer Ida, Emma und Sophie unterstützen möchte, kann eine Spende zum Erhalt ihres Hauses an das Baukonto von der verstorbenen Mutter Simone Heideker bei der Kreissparkasse Reutlingen IBAN DE21 6405 0000 0001 0268 56 überweisen. Oder die Plattform „GoFundMe“ nutzen. Mit nur wenigen Klicks kann ein freiwilliger Beitrag per Paypal, Klarna oder Kreditkarte unter folgendem Link geleistet werden: https://gofund.me/29efcb55.